So peinlich! Die kuriosen Themen in Talkshows

Vor rund einem Vierteljahrhundert sprossen deutsche Talkshows wie Pilze aus dem Boden - die Geburt des Trash-TVs war damit eingeläutet. Den Anfang machte „Hans Meiser“ im Jahr 1992 und moderierte die am längsten gelaufene Talkshow im deutschen Fernsehen.

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Arabella Kiesbauer und Hans Meiser Foto: Ursula Dueren / EPA / picturedesk.com / ProSieben / RTL

Sie erinnern sich an die Talkmaster, die Geschichte schrieben: Ilona Christen, Birte Karalus, Bärbel Schäfer, Andreas Türck, Arabella Kiesbauer, Britt und viele mehr lenkten rege teils bizarre, teils unterhaltsame Gesprächsrunden, die in den meisten Fällen peinliche Themen und noch peinlichere Gäste zum Inhalt hatten. Sie überfluteten als Must-have im Nachmittagsprogramm die bedeutendsten Sender, bis die meisten um die Jahrtausendwende nach und nach eingestellt wurden. Das Schlusslicht bildete "Britt", die bis 2013 ausgestrahlt wurde. Offenbar war der Fremdschäm-Pegel und vor allem die sich wiederholenden, „ausgelutschten“ Themen, die lediglich von anderen Halbgescheiten behandelt wurden, für die erst noch voyeuristische Öffentlichkeit nicht länger erträglich.

Drohung oder Versprechen? Talkshow erlebt Comeback

Bis jetzt! Diese fortgeschrittene Abneigung soll sich nun wieder in Wohlgefallen umwandeln. Der bekannte Tanzlehrer Detlef D. Soost bringt den Schmuddeltalk wieder zurück ins Fernsehen. Ab 18. September wird seine Sendung auf RTL2 laufen und (vermutlich die gleichen) Alltagsgeschichten unbekannter Menschen vorführen. Wir sind gespannt, welche und ob es Einschaltquoten gibt. Vielleicht erwarten uns sogar wieder diese und ähnliche kuriosen Themen. Hier nur eine kleine, bescheidene Auswahl...

1. Arabella: „Lasst die Haare wachsen!“

Gut, das Thema Achselhaare bei Frauen ist aktuell wieder ein vieldiskutiertes. Doch Arabella hatte sich der Liebe zum Detail verpflichtet und wollte genau wissen, wie viele Haare wo sprießen. Nein, das interessiert heute wirklich niemanden mehr - es sei denn, Amy Schumer führte einen Monolog darüber.

2. Sonja Zietlow: „Schlampen“

Nein, in den stilwidrigen 90ern ginge es dabei nicht um „unordentliche Frauen“, sondern natürlich um „leichte Mädchen“ (und Buben), die sich im Fernsehen auch stolz als solche präsentierten. Selbstverständlich gibt es auch „Schlampen-Gegner“, die die Gegenseite verteidigten... was für eine Farce! Zumindest wussten die Zuschauer nach der Sendung über die facettenreichen Definitionen von "Schlampe" bestens bescheid.

3. Bärbel Schäfer: „Wir gehen gerne fremd“

Über Seitensprünge konnte man in den 90ern ganz offen im Fernsehen reden - ist doch nichts dabei. Wer, warum, wie oft und wieso fremdgeht, ist uns heute im Grunde allerlei beziehungsweise keiner Podiumsdiskussion würdig, bei Bärbel Schäfer outeten sich Fremdgeher stolz, um sich in der Sendung auch gleich den Konsequenzen durch den Partner zu stellen. Während sich Talkshow-Gäste in den USA diesbezüglich sogar prügeln, bleiben die deutschen ruhig sitzen und hören sich die Gründe erst einmal an.

4. Hans Meiser: "Schön und schamlos?"

Als das Internet noch nicht jedem vertraut war, griff Hans Meiser es als Talkshow-Thema mit einem Gespräch über die Klickgewohnheiten seiner Gäste auf. Natürlich waren dabei unter anderem die pornografischen Faibles von besonderem Interesse, die natürlich auch ganz frei und schamlos im Nachmittagsfernsehen bekundet wurden.

5. Britt: „Dreiecksbeziehungen“

Wer schläft bei wem und wann wird getauscht? Diese und andere Fragen werden den polyamourösen Gästen gestellt. Damals war das Thema ein noch recht spärlich berührtes Gebiet – heute ist es aber gerade einmal als ausgereifte Kurz-Doku interessant.

6. Andreas Türck: „Dorftrottel, mach dich vom Acker“

Wenn die Themen allmählich ausgehen, gibt es immer noch die altbewährte Fragestellung „Wer ist besser: Dorf- oder Stadtmensch“. In einer Talkshow lässt sich diese unfassbar bedeutende Angelegenheit mit viel Aggressivität und Belustigung behandeln. Würden Sie sich eine solche Diskussion heute im TV eine Stunde lang ansehen?

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