Sechs Netflix-Dokus, die man sehen sollte

An kalten Tagen hören wir unsere Couch und unsere Lieblingsserien förmlich nach uns rufen. Doch Netflix & Co. haben noch einiges mehr als Serien und Filme zu bieten. Hier die spannendsten Dokus im Überblick.

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Viele TV-Sender - darunter auch Netflix - setzen wieder verstärkt auf Qualität Foto: niolox/iStock/Thinkstock

1. 13th: Zur Sklaverei verurteilt

Seit Dezember 1865 gilt die Sklaverei in Amerika als offiziell abgeschafft, doch bis heute gibt es eine Hintertür: Kriminelle sind von dieser Regelung nämlich ausgenommen. Ava DuVernay spiegelt in ihrem Film unmittelbar und schonungslos ehrlich die Missstände der Dunkelhäutigen in amerikanischen Gefängnissen. Wer nun denkt, dass uns die Welt hinter Gittern nicht weiter betrifft, liegt falsch. Denn der industrielle Gefängniskomplex stellt eine ökonomische Größe dar, von der auch internationale Großkonzerne und damit einige der mächtigsten Personen der Welt profitieren. Den Namen "13th" erhielt der Film übrigens aufgrund des 13th Amendment to the Constitution (auf Deutsch: der 13. Zusatzartikel zur Verfassung der Vereinigten Statten), welche seit 1865 die Abschaffung der Sklaverei im gesamten Staatsgebiet der USA regelt. Eine durch und durch gelungene und aufklärerische Dokumentation, die mehr Licht in das prekäre Thema Rassismus bringt. 

2. Cowspiracy: Das Geheimnis der Nachhaltigkeit

Den fesselnden Dokumentarfilm von Hobby-Filmer Kip Andersen zum Thema Nachhaltigkeit sollte man sich auf keinen Fall entgehen lassen. Ein Schwerpunkt von "Cowspiracy" ist, wie es der Name schon vermuten lässt, das Thema Massentierhaltung und die daraus entstehenden Folgen für unser Klima, unsere Wälder und unser Wasser. Denn laut einem Bericht des Worldwatch Institutes zufolge entstehen 51 Prozent der freigesetzten Treibhausgase aufgrund der globalen Tierwirtschaft. Eine Tatsache, die kaum öffentlich diskutiert wird - auch nicht von Umweltschutzorganisationen.  Kip fordert die Vertreter von Greenpeace, Sierra Club oder Natural Resources Defense Council auf, Antworten auf Fragen zu geben, die bisher weitestgehend ignoriert wurden.

3. Blackfish

Der Orca-Wal Tilikum wurde 2010 weltberühmt. Nicht etwa durch besondere Kunststücke, sondern weil der fünf Tonnen schwere Killerwal am 24. Februar 2010 seine Trainerin Dawn Brancheau nach einer Vorführung im SeaWorld in Orlando/Florida attackierte, sie ins Wasser zerrte und solange umherwirbelte, bis Brancheau ertrank. Im Polizeibericht erklärte man diesen "Unfall" mit dem Pferdeschwanz der Trainerin, durch den sich der Killerwal angeblich angegriffen gefühlt hätte. Regisseurin Gabriela Cowperthwaite allerdings zweifelte an dieser Erklärung und begann eigene Untersuchungen anzustellen. Das Ergebnis? Ein bewegender und ebenso spannender Film über die Vergnügungspark-Industrie. "Blackfish" erzählt die Lebensgeschichte des Wals Tilikum. Die Geschichte handelt vom Freiheitsdrang der Tiere, die in viel zu engen eingesperrten Gehegen existieren, sowie der Freundschaft zwischen Mensch und Tier. 

4. The Act of Killing 

"The Act of Killing" ist ein mehrfach ausgezeichneter Dokumentarfilm über den Massenmord an einer halben Million Menschen in Indonesien in den Jahren 1965 und 1966, mit dem Ziel, die kommunistische Bewegung auszulöschen. Insgesamt verloren etwa 3,5 Millionen Menschen ihr Leben aufgrund dieses Machtkampfes zwischen den beiden Diktatoren Suharto und Sukarno. "The Act of Killing" ist aber kein Dokumentarfilm im klassischen Sinne, vielmehr wurden die Täter, welche übrigens nie zur Rechenschaft gezogen wurden, dazu aufgefordert, die Situationen mit verteilten Rollen nachzustellen und anschließend über ihre Gefühle zu sprechen. Das Gegenstück zu diesem Film, ist "The Look of Silence", welcher die Geschichten der Opfer von Massenmorden beleuchtet. Ausgezeichnet wurde der Film von Joshua Oppenheimer unter anderem auf den Berliner Filmfestspielen 2013. Bei dem Europäischen Filmpreis 2013 gewann "The Act of Killing" den Preis in der Kategorie Bester Dokumentarfilm. 

5. The White Helmets

Die Netflix-Dokumentation "The White Helmets" (Die weißen Helme) nimmt den Zuseher auf eine Reise in den Syrien-Krieg. Die White Helmets sind rund 3.000 Freiwillige, die im Kriegsgebiet in und rund um Aleppo Menschenleben zu retten versuchen, während sie ihr eigenes riskieren. Sie sind die ersten Einsatzkräfte nach Bombenangriffen und suchen an Kriegsschauplätzen nach Überlebenden, um diese zu versorgen. Der Film von Orlando von Einsiedel begleitet drei Einsatzkräfte bei ihrer täglichen Arbeit und zeigt, wie sie tagtäglich an ihre Grenzen gehen, um Menschenleben zu retten. Dem Credo der White Helmets folgend: "Wenn du ein Menschenleben rettest, so ist das, als rettest du die Menschheit". Worte, die übrigens sowohl in der Bibel aus auch im Koran zu finden sind. 

6. The True Cost

Das Thema Nachhaltigkeit bahnt sich langsam aber sicher einen Weg in die Öffentlichkeit. Doch vor allem in der Mode-Industrie scheint es immer noch wenige zu berühren, woher das T-Shirt um 5 Euro kommt, wie dieses produziert wurde und vor allem, wie das für ein Unternehmen noch rentabel sein kann. Andrew Morgan beleuchtet in "The True Cost" den wahren Preis der Mode. Ein Foto von zwei Jungen vor einer baufälligen Textilfabrik und der dazugehörige Artikel über die Tragödie in Dhaka, bei der tausende Arbeiter ums Leben kamen, verändert Andrew Morgans Leben. Ihn lässt das Thema nicht mehr los, und so reist er um die Welt, um die Geschichte der oftmals ausbeuterischen und mörderischen Textilindustrie unter die Lupe zu nehmen. Ein sehenswerter Film, Menschen dazu bewegen will, sich über die Herkunft ihrer Kleidung Gedanken zu machen und nach Alternativen zur Billigmode zu suchen.

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