Benching & Co: Die acht fiesesten Dating-Trends

Er "submarined". Sie "bencht". Zwei andere "cuffen" sich bis zum Frühling, dann geht wieder "Breadcrumbing" los. Sie verstehen nur Bahnhof? Kein Wunder! Bei all den gängigen "Dating-Trends“ kann man schnell den Überblick verlieren.

Cover Dating Trends
Lassen Sie sich beim Daten nicht auf die lange Bank schieben Foto: serdjophoto/iStock/Thinkstock

Es ist lange her, dass Sie sich so richtig verliebt haben? So ganz ohne Reißleine, doppelten Boden oder Plan B, mit vollem Risiko letztendlich unter fürchterlichem Liebeskummer zu leiden. Fällt es Ihnen auch schwer? Damit sind Sie in der heutigen Zeit nicht alleine. Nur noch sehr wenige Menschen lassen sich einfach so auf einen Menschen ein, ohne sich ein Hintertürchen offen zu halten.

Heutige Singles schützen ihr Herz vorsichtshalber mit unzähligen Tricks. Experten bezeichnen diese Maßnahmen gerne als "Dating-Trends". Hinter dem Begriff verstecken sich ganz und gar keine romantischen Beziehungstipps. Es handelt sich vielmehr um neu verpackte alte Ausreden, weil man im Grunde keine sonderliche Lust auf Liebe und Verantwortung hat. Hier sind die beliebtesten Ausreden, um sich die eigene Beziehungsunfähigkeit oder Angst vor echter Nähe nicht einzugestehen:

1. Benching

Die "Bench" - zu Deutsch "lange Bank" - eignet sich hervorragend, um lästige Dinge wie Arztbesuche oder die Steuererklärung aufzuschieben. Menschen, die einen eigentlich nicht interessieren, die sich nicht dazu eignen, dass man sich in sie verliebt, sollte man jedoch nicht auf dieselbe Bank setzen und hinhalten. Wenn Sie Nachrichten wie "Das war eine tolle Nacht! Die sollten wir bald wiederholen!" bekommen, und das "Bald" aber erst nach mehreren kurzfristigen Absagen Wochen später stattfindet, überdenken Sie diese Verbindung lieber noch einmal. Laut einer Studie haben 16 Prozent aller Singles bereits diese Erfahrung gemacht. Fast genauso viele gestehen, dass sie selbst schon einmal gebencht haben. Benching ist völlig in Ordnung, wenn keiner von beiden verliebt ist. Wenn aber einer gezielt mit den Gefühlen des anderen spielt, ist es einfach nur unfair.

2. Ghosting

Sie haben jemanden kennengelernt, sich einige Male getroffen oder auch nur virtuell mehr Kontakt gehabt und plötzlich hören sie nichts mehr von ihm? Vielleicht sind Sie dem Ghosting-Trend zum Opfer gefallen. Von einem auf den anderen Tag ist der andere verschwunden. Sie wurden aus dessen Leben gestrichen, aus den Accounts auf den sozialen Medien verbannt, und bei WhatsApp wurden Sie auch blockiert. Früher gehörte es zum guten Ton, sich respektvoll vom anderen zu trennen. Man erledigte dies persönlich oder zumindest mit einem Brief. In der heutigen Zeit wird "geghostet". Man nimmt sich nicht mal mehr die Zeit, eine schnöde SMS zu formulieren. Dabei würden schon die drei Worte "Es ist aus" ausreichen, um dem anderen viele offene Fragen und langes Grübeln zu ersparen. Woran das liegt? Feigheit, fehlende Empathie und Respektlosigkeit.

Wer denkt, dass nur Männer diesen Trend pflegen, irrt sich übrigens gewaltig. Jede vierte Frau hat schon einmal jemanden geghostet. Bei den Single-Frauen unter 30 Jahren sind es sogar 36 Prozent. Im Vergleich dazu verabschiedet sich nur knapp jeder fünfte Mann wortlos. Da dem geghosteten Part jeglicher Anhaltspunkt fehlt, wieso er verlassen wurde, warum sich der andere nicht verliebt hat oder sich nicht binden wollte, wird er lange daran zu knabbern haben. Dabei muss der Grund nicht mal der Wahrheit entsprechen. Es reicht irgendein 0815-Argument, um  dem anderen unnötiges Leid zu ersparen. Stehlen Sie sich also nicht aus der Verantwortung!

3. Orbiting

Es gibt eine Steigerung von Ghosting: Orbiting. Hier wird man nach dem näheren Kennenlernen unbegründet auf das Abstellgleis verfrachtet, und es herrscht Funkstille. Der andere reagiert auf keine Nachrichten oder Anrufe, er meldet sich aber weiterhin mit Likes und Kommentaren in sozialen Netzwerken. Er verfolgt jede einzelne Instagram-Story. Orbiting ist also eine noch konfusere Art des Ghostings, bei dem man zumindest eindeutig weiß, dass es das war. Orbiting hinterlässt hingegen pure Ungewissheit. Experten vermuten, dass Menschen, die diesem Trend nachgehen, ein Problem haben, sich festzulegen und sich so lange als möglich alle Optionen offenhalten. Betroffene sollten sich das nicht gefallen lassen und Orbiter mit konsequentem Ghosting belohnen.

4. Breadcrumbing

Sie kennen bestimmt das Märchen von Hänsel und Gretel, die ihren Weg durch den Wald mit Brotkrumen markieren. Im heutigen Dating-Dschungel verteilen der Single-Hänsel und die Single-Gretel auch ihre Krümel, um sicher durchzukommen. Ein solcher breadcrumb kann ein "Hi, wie geht’s?" oder der flüchtige Like eines Fotos sein. Hauptsache man ruft sich beim Gegenüber in Erinnerung und zeigt, dass man noch da ist. Das Objekt der vermeintlichen Begierde denkt dann, dass tatsächlich echtes Interesse besteht, weil der andere sich regelmäßig meldet. Man weiß zwar, wie ein echtes Lebenszeichen aussieht, aber man redet es sich schön. Immerhin hat man doch selbst echtes Interesse an der anderen Person. Bekommen Sie also auch von jemandem nur solche kurzen, eher unpersönlichen Floskeln anstelle von Anrufen, Dates oder Küssen, machen Sie sich bewusst, dass es wohl nur ein Märchen ist, dem sie auf den Leim gehen.

5. Cushioning

Ebenfalls ein alter Trend, der neu auflebt, ist das Cushioning. Hier verfolgt man das Prinzip "Lieber weich fallen als hart alleine sein". Man trifft sich also mit jemanden, ist sich aber nicht ganz sicher, wie es weitergehen soll. Der potentielle Partner wird sozusagen auf Stand-by gehalten, um zu sehen, ob nicht um die nächste Ecke jemand Interessanterer wartet. Um nicht alleine zu sein, hält man sich also per "Benching“ ein menschliches Kissen ("cushion") warm.

6. Submarining

Früher nannte man diesen Trend "jemanden am langen Arm verhungern lassen". Vom Prinzip her ist Submarining wie Ghosting. Der Unterschied liegt darin, dass sich der Submariner aber nach einer gewissen Zeitspanne wieder meldet, bevor er wieder abtaucht - ähnlich wie ein U-Boot. Das kann nach drei Wochen oder drei Monaten Sendepause sein. Meist nimmt er mit einem ganz belanglosen Satz wie "Lust auf Kino?" wieder Kontakt auf, so als wäre nichts gewesen. Auf diese Weise schleicht sich der Submariner wieder in das Gedächtnis und das Leben seines Opfers zurück. Seien Sie vorsichtig! Nur weil jemand plötzlich wieder auftaucht, heißt das noch lange nicht, dass er auch bleibt. Es ist sehr wahrscheinlich, dass der Submariner bei nächster Gelegenheit wieder abtaucht. Und das ohne Vorwarnung. Auch dieser Trend ist unreif und respektlos. Menschen, die sich so verhalten, wissen sich einfach nicht zu benehmen.

Dating Trends Submariner
Submariner wollen sich nicht festlegen: Sie kommen und gehen, wie sie wollen Foto: hitmanphoto/iStock/Thinkstock
Submariner suchen in der Regel nach der einzig wahren Traumfrau oder Traummann. Bis sie den vermeintlichen Herzenspartner finden, vertreiben Sie sich die Zeit mit jemandem, der ihnen zwar sehr gut gefällt, aber eben nicht "die/der Eine“ ist. Falls Sie so einen Kandidaten in Ihrem Leben haben, trösten sie sich: Der Traumpartner des U-Boot-Kapitäns wird bestimmt nicht um die nächste Ecke auf ihn warten, bleibt in der Regel vielmehr ein unerreichbares Hirngespinst. Auch wenn es noch so schwer ist, lassen Sie sich nicht dazu hinreißen, dieses Spiel mitzumachen. Sie haben es nicht nötig, sich mit der Rolle des Platzhalters zufrieden zu geben.

7. Cuffing

Dieser Trend hätte eigentlich den Namen "Hot-Water-Bottling" verdient. Immerhin geht es hier darum, dass zwei Singles im Herbst vereinbaren, ihre Zeit gemeinsam zu verbringen. Sie machen sich sozusagen gegenseitig zu einer zweibeinigen Wärmflasche, um durch die kalte Jahreszeit zu kommen. "Cuffing“ - vom englischen Begriff "Cuffs" (Handschellen) abgeleitet - ist aber trotz allem auch recht passend, da die beiden viel Zeit im Bett verbringen. So weit, so gut. Unschön wird es, wenn nur einer der beiden weiß, dass die traute Zweisamkeit ein bereits festgelegtes Ablaufdatum hat.

8. Gatsbying

Haben Sie den Film "Der große Gatsby" gesehen oder den gleichnamigen Roman von Francis Scott Fitzgerald gelesen? Mit wilden Partys und abenteuerlichen Aktionen will Hauptfigur Jay Gatsby seine Angebetete Daisy beeindrucken. In der heutigen Zeit hätte er wahrscheinlich zahlreiche Instagram-Storys und würde ständig Selfies machen, in der Hoffnung, dass Daisy alles liked und ihn wahrnimmt. Beides ist furchtbar oberflächlich, albern und vor allem vergebene Liebesmüh. Denn auch der coolste Beitrag ändert nichts, wenn die betreffende Person kein ernsthaftes Interesse hat.

Jede fünfte Frau unter 30 hat laut Experten schon einmal versucht, online gezielt die Aufmerksamkeit ihres Schwarms zu gewinnen. So gut wie jeder freut sich darüber, wenn ein Ex, den man noch nicht überwunden hat, oder die Flamme einen Beitrag in den sozialen Netzwerken liked. Aber zu viel hineininterpretieren sollte man in solche Gesten lieber nicht, wenn nicht auch noch andere folgen.

Dating noch zu retten?

Aber keine Sorge! Das Dating ist noch zu retten. Dazu braucht es aber mehr Mut zum Scheitern, Zeit und aufrichtige Gefühle, um sich kennenzulernen und einander näherzukommen. Das ist anstrengend, nervenraubend, mit Risiko verbunden - und ein Happy End ist nicht garantiert. Aber am Ende kann man zumindest sagen, dass man alles versucht hat.