"Black Mirror" und Science Fiction? Von wegen!

„Black Mirror“ zählt zu einer der populärsten Netflix-Serien, die im Herbst die fünfte Staffel einläutet. Die britische Erfolgsreihe besteht aus voneinander unabhängigen Folgen – Zuseher werden jedoch auch ohne Cliffhanger süchtig nach den absurden Geschichten.

black-mirror-science-fiction.jpg
Virtuelle Realität nicht immer lustig Foto: Choreograph/iStock/Thinkstock

Die ausgeklügelte Serie zieht sogar ein Publikum in ihren Bann, das sich mit Science Fiction nur in Ausnahmefällen anfreunden kann. Das hat einen ganz simplen Grund: Viele der behandelten Themen sind gar nicht illusionär, manche futuristischen Entwicklungen gibt es außerdem bereits. Wir beleuchten ein paar...

1. Roboterbienen

In der Folge „Von allen gehasst“ werden Roboter-Bienen dazu eingesetzt, über einen Hashtag ausgewählte Menschen zu töten. Ursprünglich wurden sie aufgrund des alarmierenden Bienensterbens jedoch darauf programmiert, Blumen zu bestäuben. Diese „RoboBees“ wurden bereits vor vier Jahren von der Harvard School of Engineering and Applied Sciences entwickelt, woran Forscher zehn Jahre lang gearbeitet hatten. Die Mini-Drohnen sollen jedoch nicht nur unseren Planeten retten, sondern auch für Personensuche, Rettungseinsätze und sogar als Überwachung eingesetzt werden. Bleibt zu hoffen, dass ihre Indienstnahme nicht ausartet wie in "Black Mirror".

2. Digitales Weiterleben

In „Wiedergänger“ wird nach dem Tod von Ash sein virtueller Klon erschaffen und seiner trauernden Frau nach Hause als Paket zugeschickt. Die Künstliche Intelligenz des Systems sammelt all seine digital erfassten Daten aus Telefonaten, Videos, Fotos, Internet-Suchanfragen etc., um Mimik, Gestik, Intonation und generelle Ausdruckweise perfekt zu klonen und wiederzugeben, ihn im Grunde auch wie in seiner damaligen menschlichen Gestalt "denken" zu lassen. Klingt gruselig, oder? Nun, an dieser Art des Weiterlebens wird schon lange gearbeitet – diese unheimliche Adaptierung ist alles andere als Science Fiction. Mehrere Forscher arbeiten an solch einem Cyborg, unter anderem der russische Milliardär Dmitry Istkov. Kopiert werden in der Realität derweil jedoch Gehirnschaltungen, die in Folge in einem Roboter aktiviert werden, sodass er mit seiner Umwelt interagieren kann. Der Mensch kann dadurch hunderte bis tausende Jahre weiterleben.

3. Social Media als Lebensmotor

Die Folge „Abgestürzt“ zeigt die "perfekte" Welt, in der Menschen nur mithilfe eines guten Social Rankings über eine elementare App á la Instagram überhaupt ein anständiges Leben führen und sich Träume erfüllen können. Luxus und soziale Interaktion ist nur denen vorbehalten, die im Social Web so viele Sympathie-Punkte wie möglich sammeln. Wie sie sich vorstellen können, geht dies natürlich mit einem sehr engen Benimm-Korsett einher, denn ein einziger Faux Pas und Haus, Freunde oder Job sind weg. Es bleibt einem also nur die Option, sich dem allgemeinen Regularium anzupassen, das heißt, gut auszusehen, immer artig zu sein und sich bestenfalls mit hoch bewerteten Menschen abzugeben, um seinen eigenen Wert zu steigern. So extrem ist es in der Realität natürlich (noch) nicht, aber die Social-Media-Sucht ist schon lange ein neoterisches Gesellschaftsleiden, das gesundheitliche Einschränkungen zur Folge haben kann. Das Streben um Anerkennung durch Likes und Kommentare wirkt sich gerade bei Influencern und jungen Nutzern massiv aus und kann unter anderem schwere Depressionen begünstigen. Bleibt die Bestätigung nämlich aus, leidet das Ego.

4. Wenn Virtuelle Realität kein Spaß mehr ist

Wir wollen keine Spielverderber sein, denn Virtual Reality ist eine atemberaubende und faszinierende Erfindung, die jeder Mensch zumindest einmal erlebt haben sollte. Bei bestimmten Programmen und Spielen kann jedoch Blutdruck sowie die Produktion von Stresshormonen zumindest kurzzeitig enorm steigen. Würden Systeme zudem rein theoretisch  wie in „Erlebnishunger“ mithilfe von Brain-Computer-Interfaces gekoppelt, sodass in der realen Umgebung Dinge auftreten, die uns beispielsweise persönlich Angst machen und normalerweise nur im hintersten Eck unseres Gehirns verborgen und versiegelt sind, ist es nicht mehr so lustig. Da Forschern der Harvard University bereits das Gedankenlesen gelungen ist, indem ein Mensch mit der Kraft seiner Gedanken einen Rattenschwanz bewegt hat, ist diese technologische Evolution in einigen Jahrzehnten ebenfalls denkbar.

5. Lächerliche Präsidentschafts-Kandidatur?

Könnten wir so verzweifelt sein, dass wir eine Komikfigur als Präsidenten wählen? Stellen Sie sich einen frechen und radikalen Präsidentschaftskandidaten vor - ein Großmaul mit noch größerem Ego, der dem Volk jedoch das gibt, was es will. Bis auf die Komikfigur nicht ungewöhnlich, oder? (...obwohl, nicht einmal die Komikfigur ist abwegig...) In der Serie handelt es sich um einen animierten Bären, der anfänglich die Sympathie des Volkes gewinnt. Die "Waldo-Kandidatur" zeigt im Grunde, wie weit uns Hoffnungslosigkeit und Dummheit treiben können. Unrealistisch? Keinesfalls!

Mehr zum Thema: