Bilderbuch: Die Neo-Stars im Interview

Mit "Schick Schock" hat die Kremsmünsterer Band Bilderbuch ihr drittes Album veröffentlicht. Das Werk ist ein großartiges Stück Musik geworden, das derzeit auch ganz Deutschland in Aufregung versetzt. Wir trafen Sänger Maurice Ernst zum Interview.

© Niko Ostermann 1.jpg
Foto: Niko Ostermann

Das hat es seit Falco nicht mehr gegeben: Pop aus Österreich, der zum gefeierten Thema in deutschen Medien wird. Neben Fachmedien wie "Musikexpress" oder "Rolling Stone" berichteten auch "Der Spiegel", "Die Zeit" und viele andere über Bilderbuch. Jene Band, die vor zehn Jahren im oberösterreichischen Kremsmünster ihren Anfang nahm. Nach zwei gelungenen, aber außerhalb der FM4-Gemeinde weitgehend übersehenen Alben gelang 2013 mit "Maschin" ein Riesenhit, der auf YouTube mittlerweile bei rund 1,5 Millionen Klicks steht. Es folgte ein Jahr, in dem Bilderbuch auf vielen deutschen Festivalbühnen auftraten und sich eine große Fangemeinde erspielten. Anlässlich des neuen, dritten Albums "Schick Schock" trafen wir Sänger Maurice Ernst zum Interview. 

 

Sind Bilderbuch nun die legitimen Nachfolger von Falco?

Maurice Ernst: Ich glaube, dass Falco als Referenz nicht so einfach zu fassen ist, eher ist es die Art und Weise, wie man Musik macht. Bilderbuch machen aber natürlich einen sehr internationalen Sound, Bilderbuch spielt mit Sprachen, auch mit einer gewissen Mode, Arroganz und Attitüden. Und das erinnert an die Pop-Gesten eines Falcos, zumal wir ja auch Österreicher sind.

Die neue Platte hat generell viele Referenzen an die Künstler der 80er- und 90er-Jahre, von Guns n’ Roses bis Prince, von Bowie bis Beck. Wie kommt ihr zu diesen Einflüssen?

Maurice Ernst: Die Generation von Musikern, der auch wir angehören, arbeitet sehr kollagiert. Das heißt, wir bedienen uns aus vielen Quellen, weil wir ganz einfach auch die Möglichkeit haben, darauf zuzugreifen. Alleine diese Verfügbarkeit lässt uns so frei arbeiten. Aber auch wenn wir uns irgendwo Anleihen nehmen, stellt sich dann die Frage: Wie klingt das, wenn eine Band aus Österreich sich damit spielt? Und wir nehmen uns alle Freiheiten, was man ja als Indie-Band nicht immer darf.

Wie seht ihr als Band denn das Problem, das man in Österreich entweder auf FM4 oder auf Ö3 gespielt werden kann, aber nie auf beiden Sendern?

Maurice Ernst: In Deutschland, wo wir auch auf großen Sendern gespielt werden, gibt es diese Einteilung beispielsweise ja nicht, was ja beweist, dass unsere Musik auch auf Mainstream-Sendern gespielt werden kann. In Österreich ist das aber aus irgendwelchen Gründen nicht möglich. Was kann man als Band also machen? Einfach über das System stellen und das machen, was man machen will. Ich halte diese Schubladisierung ohnehin nicht mehr für zeitgemäß. Es gibt gerade extrem viel tolle Musik aus Österreich, warum sollte die nicht auch spätabends auf Ö3 laufen?

Hat man als österreichische Band nicht auch das Problem, als Prophet im eigenen Land zu gelten? Gruppen wie Bilderbuch oder Wanda sind ja mittlerweile in Deutschland Kritikerlieblinge und auch erfolgreich...

Maurice Ernst: Österreich hat viele coole Kritikerbands, die gar nicht mit einer möglichen kommerziellen Perspektive rechnen. In Deutschland gibt es diese Zwischenstufe nicht. Wenn du Musik machen willst, verschreibst du dich einer Nischenmusik oder du strebst Richtung Kommerzialisierung. In Österreich gibt es als Perspektive aber eben den Sender FM4, der viel ermöglicht, deshalb entsteht in Österreich eine so spannende Bandbreite mit vielen eigensinnigen Sachen. Und für uns hat sich 2014 die Perspektive enorm verändert, wir haben gesehen, wir werden größer als dieses System und das hat hoffentlich auch Auswirkungen auf andere Bands, auf eine ganze Bewegung, dass einfach wieder mehr Mut entsteht, auch größer zu denken.

© Niko Ostermann 3.jpg
Foto: Niko Ostermann

Viele Indie-Bands machen sich ja oft kleiner als sie sind...

Maurice Ernst: Was uns an der deutschsprachigen Musik extrem genervt hat, war der Umstand, dass sie entweder sehr diskurslastig war, oder auf extrem lustig machte. Unser Zugang war, das Ganze wieder musikalischer anzugehen, mehr Soul in die Musik zu bringen. Das hat uns gefehlt, und „Schick Schock“ ist eine Antwort darauf. Wir wollen die Sexiness in die Musik zurückbringen. Das Album ist ein großer Flirt.

Ihr habt ja mit „Schick Schock“ zu einer ganz eigenen Sprache gefunden...

Maurice Ernst: Ich denke einfach, Bilderbuch muss eine Band sein, für die man sich interessiert, wenn ein neuer Release ansteht. Es muss nicht jedem gefallen, aber man soll gespannt sein, was da jetzt kommt.

Auf der neuen Platte finden sich 12 Lieder, von denen eines anders klingt als das nächste. Was das so geplant oder ist das passiert?

Maurice Ernst: Dadurch, dass Bilderbuch eine sehr suchende Band ist, die sich nicht auf einen Sound versteifen will, hat sich das so entwickelt. Wir sind vier unterschiedliche Typen, die sich auch gegenseitig befruchten. Wichtig ist, dass man alle Einflüsse so vereint, dass man sagt: Es ist zwar alles unterschiedlich, aber es ist Bilderbuch.

Gewinnen Sie Tickets für das Harvest of Art-Festival mit Bilderbuch

Mehr zum Thema: