Beziehungen: Haben wir verlernt zu lieben?

"Früher war alles besser", hört man es im Wirtshaus durchs Stüberl hallen, und die Reiferen unter uns sind überzeugt: auch in der Liebe. Höhere Scheidungsraten, mehr Single-Haushalte, kürzere Beziehungsdauer: Haben wir verlernt, richtig zu lieben?

Liebe Paris
Ewige Liebe in Zeiten der Abschnittspartner - gibt's auch heute noch! Foto: RyanKing999/iStock/Thinkstock

Sie haben es ­sicher auch schon gehört: Ski-Queen Lindsey Vonn ist wieder Single. Nach ­ihrer missglückten Beziehung mit Tiger Woods hat sie einfach "kein Glück mehr in der Liebe", wie man so schön sagt. Die neue Bindung zu Kenan Smith ging nach nur ­einem läppischen Jahr zu Ende. Keine Nachricht, die uns wirklich schockiert. Denn mit dem Schicksal ist sie nicht alleine: Paare trennen sich heute nachweislich viel schneller als es noch bei älteren Generationen der Fall war. Aber sind wir deswegen tatsächlich unglücklicher?

Unzertrennlich

Eine gängige Begründung für den „Nichts-wie-weg“-Trend: Früher war man es gewohnt, Dinge zu reparieren anstatt sie wegzuwerfen und durch neue zu er­setzen. Ganz so einfach ist es ­allerdings nicht. Was viele von uns gerne verdrängen: In früheren Generationen waren die Partner auch abhängiger voneinander, als es heute der Fall ist. Man war auf intakte Partnerschaften gesellschaftlich sowie wirtschaftlich angewiesen, weshalb man viel mehr daran setzte, die Beziehung aufrechtzuerhalten. Und dadurch sogar bei seinem langjährigen Partner blieb, obwohl man sich vielleicht lieber ­einen anderen gesucht hätte.

Fluch und Segen zugleich

Heutzutage sind dagegen ­viele, vor allem junge Leute, völlig unabhängig: Sie sind weder auf einen Partner angewiesen, der ihnen die Wäsche aufhängt und ein Vier-Gänge-Menü auftischt, noch von einem, der sie finanziell erhält. Das führt dazu, dass wir uns frei für den Partner entscheiden können, der unser Herz höher schlagen lässt.

Im Liebesrausch

Das sagen auch die Zahlen: Laut Parship befinden sich 87 Prozent der vergebenen ÖsterreicherInnen eigenen Angaben nach in einer glücklichen Beziehung. Dabei spielen Alter, Wohnform und Familienstand keine Rolle: So fühlen sich Verhei­ratete genauso glücklich wie Unverheiratete und Paare mit Kindern genauso happy wie Partner ohne Kinder.

Große Sehnsucht

Ohne Partner hingegen ist das Leben ­irgendwie doof. Denn auch trotz Tinder, Online-Dating und Social Media-Flirts macht die Studie klar: Der Stellenwert der Partnerschaft ist nach wie vor groß, sie zählt zu den wichtigsten Lebenszielen. Der Haken ist nur: Unsere Ansprüche wachsen, und man lebt entweder glücklich zusammen oder trennt sich. Der Individualisierungswunsch ist stärker denn je. Wird der Partner beim Verwirklichen der eigenen Träume unan­genehm, entscheidet man sich gegen ihn. Deshalb sind Beziehungen heute zwar kurzlebig, aber innerhalb einer begrenzten Zeit sehr glücklich.

Anleitung zum Glück

Aber wie soll der Partner nun sein, wenn man es mit ihm doch ­lebenslang aushalten will? Parship liefert uns Hinweise: Demnach ist es wichtig, dass beide den Wunsch haben, gemeinsam alt zu werden sowie dasselbe Bedürfnis nach Nähe verspüren. Glückliche Paare umarmen sich öfter, kuscheln häufiger auf der Couch oder tauschen andere Zärtlichkeiten aus wie beispielsweise einen Kuss zum Abschied. Konträr hingegen dürfen Eigenschaften wie die Durchsetzungskraft sein: besser also, wenn nur einer seine Meinung stets durchsetzen will, der andere öfter nachgibt.

Wenn die Fetzen fliegen

Eine gute Nachricht für die Temperamentvollen unter uns: Streiten ist durchaus erlaubt, auch glückliche Paare zanken sich regelmäßig. Allerdings kommunizieren sie auch öfter und länger miteinander als ­andere. Was wir daraus lernen? Ganz klar: Wollen Sie in Ihrer Beziehung glücklich sein, lassen Sie Ihr Gegenüber bei Diskussionen ruhig auch einmal gewinnen, nehmen Sie die Macken mit Humor und vor allem: Schmusen Sie viel öfter.