Visionäre Projekte: So werden wir in Zukunft leben

Vierdimensionale, drehbare Hochhäuser, autarke Inselstädte oder Wolkenkratzer in gigantischer U-Form – wie sich Architekten und Visionäre futuristische Lebensräume vorstellen.

940-wohnen.jpg
Sieht so Wohnen in der Zukunft aus? Foto: Ferrari Press Agency / Action Press / picturedesk.com

Düstere Häuserfas­saden, die Straßen voller Smog, nur beleuchtet von aufdringlichen Neonspots, unterirdische Stadtviertel und fliegende Transportmittel – sieht so die Zukunft unserer Städte aus? Schon zahlreiche Endzeit- und Science-Fiction-Filme aus der Vergangenheit zeichneten solch düstere Bilder – auch der jüngste Blockbuster, Blade Runner 2049, knüpft in puncto düsterem Set am legendären Original aus dem Jahr 1982 an. Die gute Nachricht: Geht es um futuristische Städteplanungen und Wohnprojekte, zeichnen Architekten und Visionäre alles andere als düstere Bilder. Hier eine kleine Auswahl.

Autarke Inseln

Der belgische Architekt Vincent Callebaut nimmt sich mit dem Projekt „Aequorea“ gleich zweier Zukunftsproblematiken an: dem knapp werdenden Lebensraum und dem zunehmenden Müll. So will er aus einem Gemisch aus dem im Meer schwimmenden Plastikmüll und Algen Inseln per 3D-Drucker erschaffen, die jeweils rund 1.375.000 Quadratmeter Wohnfläche und so Platz für 20.000 Menschen bieten. Spiralförmige Türme reichen bis 1.000 Meter in die Tiefe und beherbergen auf bis zu 250 Etagen ca. 10.000 Wohnungen – gleichzeitig dient dieser „Unterwasserturm“ als Stabilisator der Inseln. Das Licht in den Wohnungen stammt von der Biolumineszenz, die die Mikroorganismen liefern, für Energie ist ein Kraftwerk zuständig, das Meeresströmungen in Strom verwandelt. Auf der Insel selbst wird Obst und Ge­müse angebaut, Trinkwasser wird durch chemische Prozesse gewonnen.

Revolutionäre Skyline

Dieses Projekt wird ohne Zweifel die Skyline New Yorks revolutionieren: „The Big Bend“ (große Biege) des amerika­nischen Architekturbüros „Oiio Studio“. Wie ein gigantisches umgedrehtes U ragt der Wolkenkratzer in der 57. Straße in Manhattan empor. Ab einer Höhe von ca. 600 Metern macht The Big Bend eine Schleife und endet an einem zweiten Sockel am Boden. Misst man die ganze „Länge“ des Gebäudes, ­beträgt es 1.200 Meter – und ist aufgeklappt demnach höher als der Burj Khalifa in Dubai, das mit 828 Metern derzeit höchste Gebäude der Welt. The Big Bend ist bislang nur eine Idee. Oiio-Architekt und Ideenfinder Ioannis Oikonomou hat das Projekt aber schon lange vor Augen. Dass es mittlerweile Aufzüge gibt, die um eine Kurve, in Schleifen und horizontal fahren können, bringt ihn in der Realisierung immerhin einen Schritt weiter – aktuell ist er aber noch auf Investorensuche.

Dynamic Skyscraper

Einen vollkommen neuen Weg in puncto Lebensqualität in Hochhäusern schlägt Architekt David Fisher von „Dynamic Architecture“ ein. Er beschäftigt sich schon lange mit drehbaren, vierdimen­sionalen Wolkenkratzern: Jede Etage soll sich um die eigene Achse drehen und so eine 360-Grad-Rundumsicht ermöglichen. Für die Bewohner bedeutet dies u. a. unterschiedliche Aussichten und maximale Sonnenstunden. Der Mittelteil bleibt stabil, darin befinden sich Fahrstuhl und Rohr­leitungen. Das Wasser wird ähnlich wie bei Luftbetankungen mittels Andock­- ­sta­tionen in die einzelnen Apartments geführt, die Stromversorgung soll über eigene Windräder erfolgen. Ein erster „Dynamic Sky-scraper“ soll in Dubai entstehen – genaue Projektdaten sowie Baubeginn wurden aber noch nicht verraten.

Energieeffiziente Villa

Gerne sind auch Einfamilienhäuser Gegenstand architektonischer Zukunftsvisionen. So hat das deutsch-amerikanische Architekturbüro Graft z. B. die energieeffizienten Nullenergievillas „Birds Island“ in Kuala Lumpur entworfen, die optimal dem warmen Klima Malaysias ­angepasst sind. Veranda und Wohnräume, die sich im kühleren Inneren befinden, werden großflächig überschattet. Diese äußere Hülle des Gebäudes erfüllt meh­rere Funktionen: Sie erzeugt Schatten und verändert aufgrund ihres Lamellenaufbaus je nach Blickrichtung die Form – und befreit dadurch den Raum von festen Wänden. Die Wohnbereiche werden durch Vorhänge abgetrennt. Die optimierte Fassade fungiert aber nicht nur als Rahmen, sondern produziert Sonnenenergie und sammelt Regenwasser. Das ganze Gebäude ist auf Pfeiler gesetzt, wodurch Erosion vermieden wird und der Luftzug gleichzeitig den Boden von unten kühlt.

Urlaubswelten

Schließlich ist auch für futuristische Urlaubsszenarien vorgesorgt, etwa mit dem Projekt „Water Discus Hotel“ des polnischen Nautik-Unternehmens „Deep Ocean Technology“. Vorgesehen sind eine unter- und eine überirdische Plattform, die durch einen Schacht miteinander verbunden sind. Über Wasser befinden sich Pool und Hubschrauberlandeplatz, unter Wasser sind Suiten, Restaurants, Seminarräume und Spa-Welten untergebracht. Das Water Discus Hotel soll auch der Umweltschutz- und Meeresforschung dienen – in modularen Zubauten können diverse Laboratorien untergebracht werden. Die Kosten für das Discus Hotel wurden grob auf rund 345 Millionen veranschlagt. Das Interesse an einer Realisierung aber hält sich in Grenzen – Meldungen zufolge ist selbst dem arabischen Emirat Dubai das Großprojekt zu heikel.

Mehr zum Thema: