Gesunde Darmflora: So einfach kann man 10 Kilo abnehmen

Trotz Diät zeigt die Waage kein Gramm weniger an? Vielleicht liegt es an den Bakterien im Darm. Denn die entscheiden, wie viel Kalorien wir aus unserer Nahrung überhaupt verwerten – und dann an der Hüfte ansetzen.

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Eine gesunde Darmflora macht schlank Foto: GeorgeRudy/iStock/Thinkstock

Na, gab's zu Mittag wieder mal das gute Sahnegeschnetzelte, gefolgt von einer köstlichen Mousse au Chocholat? Abends dann vielleicht Schnitzel oder Pasta? Mal überlegen … Während die einen das ganz locker wegstecken können, brauchen andere schon fast nur an dieses Menü zu denken, um sofort ein paar Kilo zuzunehmen. Wie ungerecht! Wer einfach nicht abnimmt – oder in Windeseile wieder zunimmt – dessen Darm könnte mit den falschen Mikroorganismen besiedelt sein. Denn die entscheiden darüber, ob man nun ein guter oder schlechter Futterverwerter ist.

Dick durch die falschen Bakterien

Eine Studie ging der Frage akribisch auf den Grund. Die Forscher übertrugen die Darmkeime von dicken Mäusen auf ihre schlanken Artgenossen und siehe da: Aus der Modelmaus wurde eine Moppelmaus. Und das, obwohl die Mäuse nicht mehr Nahrung bekamen. Einzig die Bakterien im Darm hatten sich geändert.

10 Kilo Unterschied pro Jahr

Die Forscher konnten nachweisen, dass die übergewichtigen Mäuse vermehrt Bakterien vom Stamm der Firmicutes beherbergten, schlanke Mäuse wurden hingegen vor allem von Bakterien vom Stamm der Bacteroidetes besiedelt. Auch bei Menschen trifft diese Entdeckung zu. Die Firmicutes-Bakterien haben die – leider manchmal unerwünschte – Gabe, auch noch die letzte halbe Kalorie aus der Nahrung zu holen, sei es nun ein Apfel oder Apfelkuchen. Schlanke Menschen, die über besonders viele Bacteroidetes-Bakterien verfügen, nehmen hingegen weniger Energie aus der Nahrung auf – und können sich so auch mal einen zuckersüßen Ausrutscher erlauben.

Wie viel Einfluss haben die Darmbakterien nun aber genau? Ob der Darm mit den richtigen oder falschen Bakterien besiedelt ist, kann am Tag einen Unterschied von bis zu 200 Kalorien ausmachen. Auf das Jahr aufsummiert kann das einen Unterschied von zehn Kilo bedeuten.

Vielfalt bringt's

Schlanke Menschen haben nicht nur mehr Bacteroidetes-Bakterien, ihre Darmflora ist überhaupt viel artenreicher als diejenige von übergewichtigen Menschen. All das trägt dazu bei, dass aus der Nahrung weniger Kalorien aufgenommen werden. Da könnte man glatt neidisch werden, ach hätte man doch nur selbst so kooperative Mikroorganismen im Darm, die einem dabei helfen schlank und rank zu werden. Zum Glück hat man das selbst in der Hand, denn mit der richtigen Ernährung kann man gezielt beeinflussen, welche Bakterien den Darm besiedeln. Auch hier lautet das erste Zauberwort wieder: Vielfalt. Essen Sie so abwechslungsreich wie möglich und vermeiden Sie so gut es geht verarbeitete Nahrungsmittel und Fertigprodukte.

Ballaststoffe & Kalorienrestriktion

Wer seine Darmflora von dick auf dünn umprogrammieren möchte, sollte auf frische, unverarbeitete Lebensmittel mit einem hohen Ballaststoffgehalt setzen. Täglich mindestens 30 Gramm sollten es schon sein. Besonders viel Ballaststoffe stecken in Vollkornprodukten, Hülsenfrüchten, Obst und Gemüse. Die Darmbakterien freuen sich besonders über lösliche Ballaststoffe, da sie den guten Bakterien als Nahrung dienen. Pektin, Inulin oder Oligofruktose sind lösliche Ballaststoffe. Besonders viel Pektin findet man in Äpfeln oder Karotten.

Forscher konnten ebenfalls zeigen, dass sich die gesunden Bacteroidetes-Bakterien auch bei einer moderaten Kalorienreduktion besser gedeihen – bei Frauen waren es 1.500 Kilokalorien täglich, die das Bakterienwachstum anregten.

Inulin

Besonders scheinen sich die Bakterien auch über den löslichen Ballaststoff Inulin zu freuen. In Studien konnte gezeigt werden, dass Menschen, die täglich Inulin aufnahmen, schlanker waren. Inulin kommt besonders in Chicorée, Topinambur, Pastinaken, Schwarzwurzeln oder Artischocken vor. Wer davon nicht täglich mehrere Kilos essen möchte, kann auf Inulinpulver aus dem Reformhaus zurückgreifen. Einfach einen Löffel ins morgendliche Müsli und schon starten die Darmbakterien und auch man selbst gut in den Tag – schmeckt auch besser als ein bitterer Chicorée am Morgen.

Kalte Kartoffeln & grüne Bananen

Ein Festmenü für die Darmbakterien: Kalte Kartoffel, kalter Reis und kalte Nudeln (oder wieder aufgewärmte). Denn durch das Abkühlen verändert sich die Zusammensetzung der Stärke, sie wird resistenter und kann so besser durch den Dünndarm gelangen. Im Dickdarm angelangt dient sie dann den guten Bakterien als Nahrung. Erneutes Aufwärmen schadet der resistenten Stärke nicht. Übrigens: In noch nicht ganz reifen Bananen steckt übrigens doppelt so viel resistente Stärke wie in reifen.

Jojo-Effekt vorbeugen

Wer nach harten Diätwochen nicht wieder zunehmen möchte, sollte darauf achten, sich von nun an dauerhaft darmgesund zu ernähren. Denn mit der richtigen Ernährung kann man die Darmbakterien zwar bereits innerhalb weniger Tage zum Guten beeinflussen, genauso schnell kann man durch Fast Food und einseitiger Ernährung aber wieder eine Fehlbesiedlung bewirken. Wer also im Urlaub mal ein paar Tage geschlemmt hat, sollte danach umso mehr auf eine ausgewogene Ernährung achten – die Bakterien werden es einem danken.