Tracking-Apps: Wie viel Kontrolle ist legitim?

Aus Sorge um ihre Kinder verwenden in den USA immer mehr Eltern Apps zur Ortung und Überwachung der Kleinen. Die Programme ermöglichen weitreichende Eingriffe in die Privatsphäre. Ein Trend, der auch zu uns kommt?

Kindervertreter und Datenschützer warnen vor Dauerüberwachung - Cover
Kindervertreter und Datenschützer warnen vor Dauerüberwachung Foto: APA (dpa/Lukas Schulze)

Der US-Anbieter "Qustodio" etwa wirbt unverblümt: "Der einfachste Weg, Ihre Kinder online zu kontrollieren." Im Angebot: Ortung, Überwachung sozialer Netzwerke, Sperren unerwünschter Kontakte. Und der "Unsichtbar-Modus" sorge dafür, dass das Kind die Kontrolle gar nicht mitbekomme.

Zeichen des Misstrauens?

Nach Ansicht des Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Kinderhilfe, Rainer Becker, gefährden die Apps den Persönlichkeitsschutz und die Entwicklung der Mädchen und Buben, die ihren Freiraum brauchen. "Ein Kind, das ständig überwacht wird, muss denken, dass man ihm nicht vertraut und ihm nichts zutraut. Wie soll es so ein Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen bilden?"

Schutz statt Spionage?

Anders sieht es Ralf Kiene. Der zweifache Vater aus Saarbrücken hat 2010 die "iNanny" entwickelt, eine GPS-Funktion, mit der Menschen geortet und Bewegungsabläufe verfolgt werden können. Den Vorwurf der Überwachung will er nicht gelten lassen. "Das Gros der Eltern nutzt das Angebot, um den Nachwuchs zu beschützen, ihm mehr Freiheiten zu überlassen - und nicht um zu spionieren."

Datenschützer sehen die Entwicklung kritisch: Schleichend werde eine Überwachungsstruktur geschaffen. "Auf die Helikopter-Eltern folgen offenbar die Drohnen-Eltern", schrieb bereits der "Spiegel" vor einigen Wochen. 

Strafen übers Handy

Und das Angebot ist erstaunlich: Der US-Anbieter "Ignore No More" etwa hat sich auf eine Gegenmaßnahme zum Wegdrücken und Ignorieren elterlicher Anrufe spezialisiert. Melden sich die Kinder nicht am Handy, können Papa und Mama es so lange sperren, bis der Nachwuchs sich zurückgemeldet hat. Mit "MamaBear" können Eltern Aktivitäten auf sozialen Netzwerken verfolgen oder Textnachrichten mitlesen. Und wenn das Kind etwa bei WhatsApp Wörter benutzt, die auf selbst gesetzten Index-Liste stehen, wird Alarm per App geschlagen.

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