Open Commons Linz: Daten für alle

In Linz beginnt’s! In der Landeshauptstadt soll die erste Open-Commons-Region Europas entstehen.

Linz
Foto: WIKIMEDIA COMMONS/AXEL MARQARD/CC BY-SA 3.0 AT

Lange Zeit herrschte im Internet Goldgräberstimmung. Fotos, Software, Musikfiles, Filme etc. wurden nach Herzenslust heruntergeladen, geteilt und manchmal sogar bearbeitet und wieder hochgeladen. Was dabei auf der Strecke blieb, und zum Teil auch heute noch bleibt, ist das Urheberrecht. Diesem digitalen Raubrittertum kann man entweder mit rigorosen Strafen begegnen, oder man kann Alternativen anbieten – wie etwa beim Open Commons Projekt.

Seit Jahren wird in Linz am Projekt „Open-Commons-Region“ gewerkelt, das die Bewohner der Landeshauptstadt bestmöglich bei der Informationssuche im Internet unterstützen soll. So wurde 2005 läuft die Hotspot-Initiative ins Leben gerufen, seit 2009 kann am „Public Space Server“ digitaler Speicherplatz, ein Email-Postfach und Programme für die nichtkommerzielle Veröffentlichung von Inhalten im Internet beansprucht werden.

Der Begriff Open Commons hat seinen Ursprung in Open Source, darunter versteht man Software an deren Quelltext jeder mitarbeiten kann. Diese Software kann für alle Zwecke genutzt werden, auch kommerziell. Das wohl bekannteste Beispiel ist Open Office, das als Gratis-Alternative zu Microsofts Office Suite immer öfter Verwendung findet. Auch Wikipedia, des Internetnutzers liebstes Nachschlagewerk, ist digitales Gemeingut, ebenso wie die OpenStreetMaps, das sind digitale Landkarten die von Usern immer weiter verfeinert und aktualisiert werden.

AEC
Foto: Stadt Linz

Wer profitiert von Open Commons?

Aus dem Gedanken der „freien Software“ entspringt das Projekt „Open Commons“, das alle Arten digitaler Medien sammelt und wieder zur freien Verfügung stellt. Wichtig ist den Initiatoren, Gustav Pomberger (JKU Linz) und Gerald Kempinger (IKT Linz), dass mit den Daten Werke geschaffen werden können, „die dem Gemeinwohl dienen und ohne ökonomische und rechtliche Barrieren für alle nutzbar sind.“

Derzeit finden sich vor allem offene Daten aus Wirtschaft, Politik und Wissenschaft auf dem Portal. So können Zahlen zu Volkshochschulkursen, Gemeinderatssitzungen und Bürgerbefragungen eingesehen werden. Die Initiatoren wollen jetzt die Linzer Bevölkerung animieren, selbst freie Daten zur Verfügung zu stellen. Das können Fotos sein, die man der Gemeinschaft zur Verfügung stellt, aber auch Musikstücke, Software etc.

Wem nützt Open Commons?

Von diesen freien Daten profitieren in großem Maße Startups und Künstler, aber auch der Bildungsbereich, Stichwort „Open Education“. Ein Pool an Lehrmaterialien spart allen beteiligten Lehrern Zeit bei der Vorbereitung ihres Unterrichts. Selbst in kleinerem Rahmen sind die freien Dateien nützlich: Für die Homepage fehlt noch der Home-Button? In diesem Fall wird man bei Open Commons – Kategorie „The Noun Project“ fündig.

Aber auch im Alltag stößt man, oft unwissentlich, auf Open-Commons-Inhalte. Ein Sproß dieses Projekts ist die Routenplaner-App „Lilli“, die der oberösterreichische FH-Student Sebastian Höbarth geschrieben hat. Dabei werden die Abfahrtszeiten via Open Data Linz abgegriffen in der App zur Verfügung gestellt.

Fazit: Weiterhin nötig ist vor allem Aufklärungsarbeit, denn die meisten Oberösterreicher können mit Begriffen wie „Creative Commons“ (Lizenzen für z.B. Bilder, die regeln, was mit der Datei gemacht werdendarf) und „Public Domain“ (Gemeinfrei, d.h. kein Urheberrecht wird beansprucht) noch herzlich wenig anfangen.

Wiki Loves Earth 2015

Wiki loves Earth Zaglbaueralm
Die Rotbuche auf der Zaglbaueralm in Rosenau. Foto: WIKIMEDIA COMMONS/ISIWAL/CC BY-SA 3.0 AT

Ein schönes Beispiel für den Open Commons-Gedanken ist der internationale Fotowettbewerb „Wiki Loves Earth“, bei dem Fotobegeisterte angehalten sind, ihre Heimat in Bildern zu dokumentieren. Die Aktion dient der Dokumentation von Naturdenkmälern und Naturschutzgebieten in Österreich und wird mit Preisen im Gesamtwert von 1.000 Euro belohnt. Wer seine Bilder unter einen freien Lizenz noch im Mai auf Wikimedia hochlädt, kann teilnehmen. Im Vorjahr beteiligten sich rund 250 Fotografen mit etwa 6500 Bildern.

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