Was man über Smartwatches wissen sollte

Smartwatches könnten irgendwann den gleichen Siegeszug antreten wie Smartphones, sagen Experten. Bis es soweit ist, müssen die Hersteller aber noch einige Probleme beseitigen, unter anderem mit dem Akku.

Moto 360: Klassisches Design mit moderner Technik - Cover
Moto 360: Klassisches Design mit moderner Technik Foto: APA (dpa/gms/Motorola)

"Smartwatches werden sich mittelfristig etablieren und genauso zum Alltag gehören wie Smartphones und Tablet-Computer", glaubt Timm Hoffmann vom IT-Verband Bitkom. Mit einem Smartphone sind die Geräte aber nicht vergleichbar. Einen Kopfhöreranschluss sucht man meist vergebens, auch auf Sprachbefehle reagieren Smartwatches nicht. Vielmehr sind sie als Zweitdisplay konzipiert - was aus Herstellersicht durchaus Sinn ergibt. "Die Unternehmen haben natürlich kein Interesse daran, ein Gerät durch ein anderes zu ersetzen", sagt "c't"-Redakteur Nico Jurran.

Hier im Bild: Die Samsung Galaxy Gear S - Cover
Hier im Bild: Die Samsung Galaxy Gear S Foto: APA (dpa/gms/Samsung)

Vorteile der Smartwatch

Der Vorteil: Dank der Uhr am Handgelenk muss der Nutzer das Smartphone nicht ständig aus der Tasche holen. Viele Funktionen lassen sich über die Smartwatch bedienen. "Von der Uhr aus lässt sich zum Beispiel die Musik steuern", sagt Jurran. So kann problemlos die Lautstärke angepasst oder ein Lied vor- oder zurückgeschaltet werden. "Mit Bluetooth-Kopfhörern lassen sich auch Gespräche annehmen oder ablehnen", erklärt Jurran. Direkt in die Uhr hineinsprechen kann man aber nicht.

In anderen Situationen können Smartwatches ebenfalls einen Mehrwert bieten. "Etwa in einem Meeting, wenn der Blick auf die Uhr und das Lesen einer eingehenden Nachricht unauffälliger ist als der Blick auf das Smartphone", sagt Timm Hoffmann. Darüber hinaus kann die mobile Navigation erleichtert werden. "Der Blick auf die Smartwatch, deren Pfeil nach links oder rechts zeigt, ist angenehmer als der ständige Blick auf das Smartphone", erklärt Hoffmann.

Nachrüsten der Smartwatches per App

Bei den meisten Smartwatches lassen sich Funktionen über Apps nachrüsten. Grundsätzlich sind die Möglichkeiten dabei mit Android-Smartphones etwas größer als bei der iOS-Konkurrenz. Apples eigene iWatch ist allerdings auch noch nicht auf dem Markt, der Verkaufsstart ist für 2015 angekündigt. Bereits erhältlich sind zum Beispiel die Galaxy-Gear-Modelle von Samsung mit vielen verschiedenen Varianten, Sonys Smartwatch 3 oder die Modelle G Watch R und Moto 360 von LG beziehungsweise Motorola mit ihrem klassischen Ziffernblatt.

Apples iWatch lässt noch auch sich warten - Cover
Apples iWatch lässt noch auch sich warten Foto: Apple

Dort gibt es noch Probleme

Viele Smartwatches machen als Zweitdisplay aber noch keine besonders gute Figur. Was hauptsächlich daran liegt, dass es den Herstellern bislang nicht gelungen ist, für eine vernünftige Akkulaufzeit zu sorgen. In das kleine Gehäuse passt eben keine große Batterie. "Smartwaches stehen teils noch vor Herausforderungen bei Technik und Design", sagt Hoffmann. "Es ist anspruchsvoll, neue Geräte zu entwickeln, die ansprechendes Design und lange Akkulaufzeit vereinen."

"Der Akku ist das größte Problem", glaubt auch Jurran. "Denn die Uhr soll ja auch chic sein." Vor einem allzu klobigen Gehäuse schrecken viele Hersteller deshalb zurück. Das hat Konsequenzen, denn von einer nicht aufgeladenen Uhr seien Nutzer schneller genervt, als wenn ihrem Handy einmal der Saft ausgeht. "Das Handy lässt sich nebenbei während der Arbeit laden", erklärt der Smartwatch-Experte der "c't". Die Smartwatch müsste man dafür erst vom Arm nehmen.

Hinzu kommt, dass auch die Ladetechniken der Uhren noch sehr verschieden sind. Vergisst der Nutzer das Ladegerät etwa auf dem Weg in den Urlaub, sei es schwer, für Ersatz zu sorgen. "Es ist wichtig, dass die Ladetechnik künftig vereinheitlicht wird", sagt Jurran.

Viele Fitness-Tracker untersuchen auch den Schlaf - Cover
Viele Fitness-Tracker untersuchen auch den Schlaf Foto: Runtastic

Was Sportuhren bringen

Noch fristen Smartwatches wegen solcher Probleme ein Nischendasein. Sportuhren sind dagegen schon fest in den Alltag vieler Hobby- und Profiathleten integriert. Viele Funktionen von Smartwatches decken sie bereits ab. "Mit Sportuhren habe ich jedoch keine Interaktionsmöglichkeiten", sagt der Sportwissenschaftler Ingo Froböse.

An Bord haben sie aber zum Beispiel eine Zeit-, Geschwindigkeits- und Distanzmessung, die Messung des Kalorienverbrauchs, eine Routennavigation, Pulsmessung und -kontrolle oder einen Intervall- und Pausentimer. Zu viele Möglichkeiten können allerdings kontraproduktiv sein, warnt Froböse. "Je umfangreicher die Funktionen sind, desto schwieriger sind sie auch für den Sportler zu bedienen", sagt der Sportwissenschaftler. "Viele nützliche Funktionen werden gar nicht genutzt."

Sportuhren eignen sich insbesondere für Ausdauerdisziplinen wie Joggen oder Wandern. Auch für Golf-, Tauch- oder Segelsport gibt es geeignete Uhren, die über sportartspezifische Funktionen verfügen. "Die Uhr sollte auf jeden Fall zu der betriebenen Sportart passen. Denn Läufer haben andere Anforderungen an die Sportuhr als Golfer oder Segelsportler", so Froböse.

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