Von wegen Leerlauf! Kassette feiert Comeback

Nicht nur Fans der "Drei Fragezeichen" horten noch ihre Kassetten in ihrem Schrank. Auch Musikliebhaber und Labels entdecken sie wieder. Also: Walkman und Kassettenrecorder bloß nicht wegschmeißen! Diese Geräte sind noch sehr gefragt.

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Retro ist wieder in: Die Kassette feiert ein Comeback Foto: TiSanti/iStock/Thinkstock

Ähnlich wie bei Polaroid und Schreibmaschinen hat die mehr als 50 Jahre alte Technik heute eine Nische bei Liebhabern gefunden. Es gibt sogar neue Labels, die darauf Musik veröffentlichen. Ein Besuch im Berliner Plattenladen "Bis auf's Messer". Der hat etwa 100 Titel in den Regalen: Indie-Musik, Elektronik, Punk. Robert Schulze, Karohemd und tätowierte Arme, fischt eine Hülle aus dem Regal: Die Band Totem Skin hat ihre Kassette mit Siebdruck und einem Camus-Zitat verziert. Ein Kassetten-Revival? "Bei uns war es nie ganz verschwunden", sagt Schulze. Und: "Im Punk ist es immer noch eines der wichtigsten Medien." Der Vorteil: Kassetten sind billig, einfach und sehen schön aus. "Es hat eine andere Wertigkeit." Wenn eine Kassette verschwindet, ist das schlimmer als bei einer MP3-Datei.

Kassetten sterben nicht aus - wie Schreibmaschinen oder Vinyl - Cover
Kassetten sterben nicht aus - wie Schreibmaschinen oder Vinyl Foto: APA (dpa)

Musik zum Anfassen

Der Kommunikationsdesign-Student Charly Hall ist im Zeitalter der "Benjamin Blümchen"-Kassetten aufgewachsen. Der 27-Jährige hat 2013 das kleine Label Greatberry Tapes gegründet, das für alle Musikrichtungen offen sein soll. Hall nutzt selbst ein Kassettendeck oder seinen Walkman. Er mag die Musik zum Anfassen: "Ich finde es schön, dieses Haptische zu haben", sagt er. Durchzappen geht bei der Kassette nicht. "Anders als bei der CD fängt man an, ein ganzes Album durchzuhören." Er sieht es als Ergänzung zur digitalen Technik, ähnlich wie das Verhältnis von E-Book und gedrucktem Buch.

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Nach der Schallplatte ist die Kassette wieder gefragt Foto: MarkPiovesan/iStock/Thinkstock

Labels für Kassetten

Der Sound sei nicht gut, aber das gehöre zum Medium, sagt Guillaume Siffert vom Neuköllner Plattenladen "Staalplaat". Es gebe viele Labels, die Neues damit machten. Musiker nutzten es wie ein Instrument, für Collagen. "Die meisten Leute machen das aus Spaß", sagt Siffert. "Mit Kassetten kann man kein Geld verdienen." Sie kosten demnach 1 bis 3 Euro in der Herstellung und werden für 4 bis 7 Euro verkauft.

Das ist kein Buch, das ist eine Kassette - Cover
Das ist kein Buch, das ist eine Kassette Foto: APA (dpa)

Umsatz-Rückgänge

Kassetten sind auch Bastelobjekt und werden zum Beispiel zu Schmuckketten. Auch für die Hörspielreihe "Die drei ???" werden sie noch genutzt. Die nackten Zahlen sprechen aber gegen die Kassette. Die CD ist in digitalen Zeiten weiter recht stark, Schallplatten haben mit 2,6 Prozent im globalen Vergleich einen überdurchschnittlichen Marktanteil. Mit der Kassette wurde 2014 hingegen nur noch eine Million Euro Umsatz gemacht. Zu Spitzenzeiten im Jahr 1991 waren es 524,5 Millionen Euro.

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