Alternative zu Windows: Linux und seine Distributionen

Windows XP wird nicht mehr unterstützt, Windows 8.1 verwirrt mit seiner Kacheloberfläche - viele Nutzer denken über einen Wechsel nach. Eine Alternative ist Linux mit seinen Varianten. Die lassen sich sogar ohne Installation ausprobieren.

Kopie von Den Pinguin fürs Leben finden
Foto: APA (dpa)

Es ist kostenlos, läuft auf vielen alten und neuen Rechnern und hat einen niedlichen Pinguin als Maskottchen. Das alternative Betriebssystem Linux hat auf den ersten Blick viele Vorteile. Wer über einen Wechsel nachdenkt, wird aber schnell feststellen, dass es nicht nur ein Linux gibt. Stattdessen sind unzählige Varianten erhältlich, die Distributionen genannt werden.

Auf Hardware-Unterstützung achten

Für Neulinge sind manche Distributionen besser geeignet als andere. Worauf sollten sie achten? "Vor allem auf die Hardware-Unterstützung", sagt Georg Eßer, Chefredakteur der Zeitschrift "EasyLinux". Denn wenn das Betriebssystem auf dem eigenen Rechner nicht läuft, nützt die schönste Oberfläche nichts. "Das kann man bei den meisten Distributionen testen, indem man erst mal eine Live-DVD herunterlädt, brennt und den PC damit bootet", erklärt Eßer.

Vorkonfigurierte Versionen

Live-DVDs oder auch -CDs sind vorkonfigurierte Versionen von Linux-Systemen, die in der Regel auch eine Software-Grundausstattung mit Office- und Multimedia-Programmen mitbringen. Nutzer können die Pakete als sogenanntes Live-Image herunterladen und auf einen Datenträger kopieren. Für Computer ohne Laufwerk kann das sogar ein USB-Stick sein. Eine alternative Quelle sind Computerzeitschriften, die häufig zusammen mit einer Linux-DVD ausgeliefert werden. Mit den Datenträgern lässt sich der Rechner starten, ohne das bestehende System zu verändern. "Wenn alles gut läuft, wird später auch das auf Festplatte installierte System gut laufen", so Eßer.

Geräte testen

Wichtig ist bei einem solchen Test, alle vorhandenen Geräte auszuprobieren, also auch den Drucker oder einen DVB-T-Empfänger. Im Idealfall werden die Geräte durch die eingebaute Hardware-Erkennung identifiziert und die nötigen Treiber geladen. Bei manchen Geräten bietet Linux sogar mehrere Alternativen an, die zum Beispiel aus Grafikkarten von Nvidia und AMD unterschiedlich viel Leistung herauskitzeln.

Unterschiede zwischen Distributionen

Schon beim Hardware-Test zeigen sich Unterschiede zwischen den Linux-Distributionen. Christian Löbering, stellvertretender Chefredakteur der Zeitschrift "LinuxWelt", empfiehlt für Anfänger vor allem die Varianten Mint und Ubuntu: "Sie haben den wichtigen Vorteil, dass sie die breiteste Hardware-Unterstützung bieten und sich somit auf den meisten PCs und Notebooks ohne Probleme installieren lassen."

Noch nicht das Ende

Wenn es mit einer Distribution nicht funktioniert, muss das aber nicht unbedingt das Ende der Linux-Karriere bedeuten. "Dann probiert man einfach die nächste aus", sagt Georg Eßer. Probleme kann es nach Angaben des Experten vor allem mit nagelneuer Hardware geben - etwa einem Notebook, das einen ganz aktuellen Grafikchip verwendet. Neben Ubuntu und Mint empfiehlt der Experte Nutzern noch die Distribution openSUSE, die vor allem in Deutschland eine große Nutzerbasis hat. Darüber hinaus gibt es zwar noch andere große Distributionen wie Fedora oder Mageia, die unter Profis viele Fans haben. Einsteigern würde er sie aber nicht empfehlen, sagt Löbering. Fedora sei ein sehr modernes System, das sich immer der neuesten Entwicklungen im Linux-Bereich annehme, Mageia an einigen Stellen noch nicht ganz ausgereift.

Service-Infos im Netz

Den besten Überblick über die verschiedenen Linux-Varianten, komplett mit Erläuterungen und Downloadlinks, bietet die teils deutsch-, teils englischsprachige Webseite Distrowatch.com. Aus der Liste am rechten Bildrand geht sogar hervor, welche Distribution von den Besuchern des Portals am meisten angeklickt wird. Besonders beliebt sind demnach Mint und Ubuntu, gefolgt von Debian. Gerade für Anfänger ist das eine wichtige Information: Je verbreiteter ein System ist, desto höher ist die Chance, dass man bei Problemen in den einschlägigen Foren Hilfe findet.

Verschiedene Oberflächen

Entscheidend ist aber natürlich nicht nur, dass eine Distribution sauber auf dem PC läuft. Schließlich muss das System dem Nutzer auch gefallen. Bei Linux hat der Nutzer die Wahl zwischen verschiedenen Oberflächen. Die größte Vielfalt bietet Ubuntu, das es nicht nur mit dem sogenannten Unity-Desktop gibt, sondern auch als Kubuntu mit der Oberfläche KDE, als Lubuntu mit LXDE, Xubuntu mit XFCE oder als UbuntuGnome mit dem Gnome-Desktop. Die meisten dieser Oberflächen lassen sich aber auch bei anderen Distributionen über die sogenannte Software-Verwaltung nachinstallieren.

Empfehlung für Windows-Fans

"Umsteiger schätzen es oft, wenn die Oberfläche ähnlich aufgebaut ist wie bei Windows", sagt Georg Eßer. Er empfiehlt daher KDE - das hat sogar eine Taskleiste mit Startmenü in der linken unteren Bildschirmecke. Ähnlich leicht macht es Windows-Umsteigern auch Cinnamon. Für schwache Rechner sind Mate und XCFE eine gute Wahl. Nicht ganz so nah an Windows angelehnt ist die Unity-Oberfläche von Ubuntu. Mit ein wenig Eingewöhnungszeit kommen Anfänger aber auch damit zurecht.

Linux live testen:

www.linux-kurs.com