Aller Warnungen zum Trotz: Die User halten an Windows XP fest

Windows XP war zwischen Ende 2001 und Anfang 2007 auf fast jedem neuen Computer installiert. Kein Wunder, dass es auch heute noch Rechner gibt, die mit dem Betriebssystem gut laufen. Inzwischen sind die Geräte aber eine tickende Zeitbombe.

Windows XP - Titel
Foto: Jens Buettner/EPA/picturedesk.com

Nach Zahlen des US-Analysten Net Applications war XP im April noch auf jedem vierten Internetrechner (26 Prozent) weltweit installiert. Damit belegt der Software-Dinosaurier hinter Spitzenreiter Windows 7 (49 Prozent) den zweiten Platz. Windows 8 kommt nur auf rund 12 Prozent.

Zu große Umstellung

Warum tun sich Nutzer mit dem Wechsel so schwer? "Es gibt einfach viele Konsumenten, denen das Risiko nicht bewusst ist", sagt Wafa Moussavi-Amin vom Marktforschungsinstitut IDC. Den Löwenanteil der XP-Treuen machen nach Angaben des Experten kleinere Unternehmen aus: "Für die würde die Umstellung einen erheblichen finanziellen und organisatorischen Aufwand bedeuten." Hinzu kommt, dass viele Firmen mit spezieller Software arbeiten, die mit anderen Windows-Versionen nicht kompatibel ist. Und auch in Privathaushalten gibt es noch Programme oder alte Hardware, die XP voraussetzen.

"Tickende Zeitbombe"

Trotzdem sollte man mit dem System nicht mehr arbeiten, warnt Joachim Posegga: "Windows XP ist am 8. April zu einer tickenden Zeitbombe geworden", sagt der Professor, der an der Uni Passau die Arbeitsgruppe IT-Security leitet. Denn neu entdeckte Sicherheitslücken werden ohne Support nicht mehr geschlossen. Findet ein Hacker eine Hintertür, sind Nutzer Angriffen schutzlos ausgeliefert. Die Attacken kommen in der Regel übers Internet. Selbst ohne Verbindung zum Netzwerk kann ein XP-Rechner sich einen Schädling einfangen - etwa per USB-Stick.

Windows
Ende eines Betriebssystems: Windows XP Foto: Microsoft

Updates gegen Geld

Das Support-Ende bedeutet allerdings nicht, dass es gar keine Patches für Windows XP mehr gibt. Einige Großkunden, vor allem Firmen und Behörden, haben den Wechsel zu einem aktuelleren System nicht rechtzeitig geschafft und werden deshalb von Microsoft weiter mit Updates versorgt - gegen Geld. Gut möglich, dass diese Patches im Internet landen und dafür eine Art Schwarzmarkt entsteht. Vor allem Computerlaien sollten davon aber die Finger lassen, sagt Posegga: "Der Nutzer weiß da ja nie, was er wirklich bekommt."

Neues Betriebssystem

Besser ist daher der Wechsel zu einem neuen Betriebssystem. Dabei gibt es mehrere Möglichkeiten. Jüngstes Mitglied der Windows-Familie ist Windows 8.1. Wer keine Lust auf die umstrittene Kacheloberfläche hat, findet in vielen Onlineshops aber auch noch Exemplare des Vorgängers Windows 7. Das will Microsoft noch mindestens bis 2020 unterstützen, 8.1 sogar bis 2023. Mit dem direkten XP-Nachfolger Vista soll dagegen schon 2017 Schluss sein.

Microsoft
Windows 8.1 von Microsoft Foto: Microsoft

Arbeitsspeicher aufrüsten

Mit ein wenig Glück laufen Windows 7 und 8.1 sogar noch auf dem alten XP-Rechner. Nach Angaben der Zeitschrift "PC Magazin" klappt das am besten, wenn die Computer schon Prozessoren mit mindestens zwei Rechenkernen an Bord haben, mit weniger wird die Installation zum Glücksspiel. Damit das neue Betriebssystem flüssig läuft, müssen Nutzer aber eventuell den Arbeitsspeicher aufrüsten: 256 oder 512 Megabyte RAM sind für Windows 7 und 8.1 zu wenig.

Linux als Alternative

Eine weitere Alternative, um den alten Rechner eventuell weiter nutzen zu können, ist ein kostenloses Linux-Betriebssystem, etwa die einsteigerfreundliche Distribution Ubuntu. Linux lässt sich oft sogar parallel zu Windows XP installieren - so bleibt das alte System zur Nutzung spezieller Soft- oder Hardware erhalten. Und wer einen neuen Rechner anschafft, kann statt auf Windows natürlich auch auf die kostspieligeren Apple-Geräte mit Mac OS X setzen.

Weitere Informationen zum Ende von Windows XP:

www.microsoft.at