Start der Fashion Week Berlin: So hart arbeiten die gebuchten Models

Die Vorbereitungen für die Berlin Fashion Week laufen auf Hochtouren. Es wird nicht nur anprobiert, sondern auch immer noch genäht. Die gebuchten Models müssen hier eine harte Schale haben. Ein Blick hinter die Kulissen der deutschen Modewelt.

Berlin Fashion Week
Fitting vor der Show Foto: Getty

Zimperlichkeit hilft da nicht. "Haben wir einen Cutter da?", fragt eine Stylistin, als sie den Fuß des Models sieht. Kurz darauf schneidet sie mit einer kleinen Schere wenige Zentimeter ins Schuhleder, das Model - rothaarig und blass - zerrt das Material an der Ferse auseinander und quetscht sich mit einem Schuhlöffel in den Pumps.

Berlin bereitet sich vor auf die Fashion Week. Und während die Designer ihre Kreationen seit Monaten planen, beginnt die Arbeit mit den Models erst wenige Tage vorher. "Gebucht werden die meisten Models gar nicht großartig vorher", erklärt Claudia Midolo von Modelwerk. Die Hamburger Agentur hat 30 Frauen und 10 Männer zu den Castings geschickt, die am Wochenende über die Bühne gingen. Hinzu kommen drei "Topmädchen", wie Midolo sagt, die nur direkt gebucht werden können, weil sie gerade noch auf den Pariser Haute-Couture-Schauen laufen. "Jobs auf dem Laufsteg werden nicht so gut bezahlt wie Werbejobs", erklärt sie. Models verdienten sehr unterschiedlich, zwischen 200 Euro und 10 000 Euro pro Show. Ein Standardmodel bekäme 400 Euro für zwei Stunden.

Mindestens 10 Castings pro Tag

Viele Termine hinter sich hat auch Model Eva Staudinger, die zwischen Amerika und Deutschland pendelt. Die 20-Jährige besuchte zehn Castings am Tag. "Zehn ist schon relativ entspannt", erzählt die große Blonde mit dem filigranen Gesicht. In New York seien es manchmal zwanzig. "Man ist halt immer im Zeitstress." Das Schönste am Modeln sei das Reisen, sagt sie. "Das Nervigste ist, dass man oft alleine sein muss." Jetzt steckt sie bei einer Anprobe in einem schwarzen Rock, um ihre Hüften wölbt sich ein Gestell mit Fransen.

Fashion Week
Warteschlangen beim Casting Foto: Getty

Vor den Shows wird ausgeklügelt, welches gebuchte Model was trägt. Fitting heißt das in der Modeszene. Und weil Designer ihre Outfits noch nicht verraten wollen, dürfen fremde Fotografen nur Details ablichten. Eine Assistentin mit Nadelkissen läuft durch den weißen Saal in einem alten Berliner Ballhaus, die Stylistin sucht ihren Fotoapparat. High Heels stapeln sich auf Schuhkartons. Auf einem Tisch liegen Stifte, ein Bügeleisen und eine Packung mit Pads zum Abkleben der Brustwarzen. Fünf Nachwuchsdesigner zupfen an ihren Kleidungsstücken herum.

Oversized Strick und Print-Overalls

Designer Yong Kyun Shin aus Südkorea zeigt zerschnittene Kleider, die mit Metallteilen und Garn geflickt sind. Die Bulgarin Sylvia Roustcheva übergroße Strickkleider, die Raupenkokons ähneln, und der Italiener Matteo Lamandini Männeranzüge mit bunten Karos und schwarz-weißem Muster. Die Irin Maria Roche hat sich von der menschlichen Anatomie inspirieren lassen, kreierte einen Overall mit Herzprint und Kleider, die an Rippen erinnern. Alle zusammen zeigen diese Woche ihre Kollektion beim Nachwuchspreis Designer for Tomorrow, für den Tommy Hilfiger erstmals die Schirmherrschaft übernommen hat.

Viele Models müssen leiden
Die letzten Anproben. Foto: APA (epa/dpa)

Die Fashion Week in der deutschen Hauptstadt ist angekommen unter den großen Laufstegschauen der Welt, wie die Jungdesigner berichten. Das Image: Ein bisschen weniger glamourös als Paris oder Mailand, nicht so verrückt wie London, dafür eher cool und durchaus chancenreich für Unbekannte. "Die Leute unterstützen dich, sind gespannt auf deine Ideen", erzählt Julia Winkler, die über dem Auge einen knallblauen Lidstrich trägt. Sie nutzt Stoffe, die nicht gefärbt sind, sondern durch eine große Druckmaschine gejagt wurden. Manchmal müssen die Kleider enger gemacht werden, weil die Models so dünn sind.

Was nicht passt...

Zur Anprobe mitgebracht hat Winkler nicht nur jede Menge Sicherheits- und Stecknadeln, sondern Schuhe in allen Größen. Da brauche man für jedes Paar einen guten Mix, "zweimal 40, einmal 41, zweimal 38 vielleicht". Trotzdem passen die Pumps dem rothaarigen Model nicht. Dass dann zur Schere gegriffen wird, stört Winkler nicht, das sei für ein höheres Ziel. Nachdem sich das Model endlich in den zu kleinen Absatzschuh gezwängt hat, stellt sie sich aufrecht hin und überragt dabei alle. "Oh, das werden Höllenqualen", sagt sie, "aber okay."

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