So richten sich ­Antiquitäten- und Kunsthändler zu Hause ein

Für einen opulenten Bildband haben 32 Kunst- und ­Antiquitätenhändler ihre Privatwohnungen geöffnet. Das Buch "Mit Stil" von Craig Kellogg ist im Münchener Callwey-Verlag erschienen und zeigt auf 384 Seiten, wie Kunst im Wohnraum wirkt.

Callwey – Mit Stil
Bildband "Mit Stil" erschien im Callwey Verlag
 
Foto: Callwey Verlag

Vom Kunstmarkt nimmt die Öffentlichkeit meist nur die Spitze des Eisbergs wahr. Rekord­ergebnisse für die Top Ten der lebenden Künstler, Großausstellungen für die Elite der Kunstgeschichte oder der angesagten Stars, Restitutions- oder Fälscherskandale sind der Stoff, der zu Schlagzeilen gerinnt. Doch der Marktplatz der Kunstwerke ist mehr als das. Er ist ein unüberschaubares Feld mit vielen Abteilungen, Ablegern und Ausläufern. Da gibt es einen Markt für Alte Meister und klassische Moderne, für realistische Kunst der Gegenwart, für antike Skulpturen und archäologische Fundstücke, für afrikanische oder polynesische Stammeskunst, für galante Drucke des 18. Jahrhunderts, für amerikanische Möbel der Gründerzeit, für historische Landkarten, für asiatische Erotica, für islamische ­Kalligrafie und so weiter und so fort.

Callwey – Mit Stil
Die Wohnung des New Yorker Schmuck- und Antiquitätenhändlers Federico de Vera. Privat umgibt er sich gern mit einem wilden Stil-Mix.   Foto: Callwey Verlag

Händler sind Trendsetter

Der Übergang vom Kunst- zum Antiquitätenhandel ist fließend. Hier wie dort sind es die Händler, die über vielerlei Kanäle den Geschmack der Kunden beeinflussen und Trends setzen. Der Öffentlichkeit ist es kaum bewusst, dass der Markt ständig in Bewegung ist. Zum Beispiel der für alte Möbel. So waren die vergangenen Jahre gekennzeichnet vom Preisverfall bei Barockmöbel und dem Siegeszug der Vintage-Interieurs, die regelrecht zum neuen Einrichtungstrend wurden.

Callwey – Mit Stil
Hier hat Federico de Vera eine japanische Kommode aus dem 19. Jahrhundert mit Gemälden aus den 1920er-Jahren kombiniert. Foto: Callwey Verlag

Die Käufer des Kunstmarkts lieben Geschichten, die ihre Fantasie befeuern. Wenn es ein Händler schafft, mit Begeisterung eine Story über den Hintergrund eines Werks oder über seinen Urheber zu erzählen, ist das schon die halbe Miete. „Die Kunst besteht darin, einen Markt zu schaffen für Unentdecktes, das sonst im Strom der Vergänglichkeit versinken würde“, schreibt der US-Journalist Craig Kellogg im Vorwort zu dem im Callwey-Verlag erschienenen Buch „Mit Stil“. Der Bildband heißt im Original „Dealer’s Choice“ und zeigt, wie 32 internationale Galeristen und Händler ihre eigenen ­Wohnungen eingerichtet haben.

Callwey – Mit Stil
David Gill leitet eine Galerie für Möbel und Kunst des 20. Jahrhunderts in London. Auch in seinem Privathaus im Stadtteil Mayfair finden sich Künstler und Designer, die er in der Galerie vertritt. Über dem Kamin hängt ein Bild von Richard Prince, der Couchtisch stammt von Garouste & Bonetti. Foto: Callwey Verlag

Wilder Epochen-Mix

Die Objekte, die sich darin finden, wurden privat auf denselben Auktionen gekauft, auf denen auch die Ware besorgt wird, es sind Tauschobjekte von Kollegen, Erbstücke oder auch Dinge, die sich in der Galerie als Ladenhüter erwiesen. Oder es handelt sich um das ureigene Sammelgebiet des Händlers, sein Hobby gewissermaßen.

Callwey – Mit Stil
Bildband "Mit Stil" erschien im Callwey Verlag   Foto: Callwey Verlag

Keine der Wohnungen ist fad im Sinne von durchgestylt. Meistens regiert der totale Eklektizismus, der wilde Mix. Gerade weil da Leute am Werk sind, deren Auge den Wert aller Epochen zu schätzen wissen, trifft das Louis-Seize-Kanapée auf die Bauhauslampe, das ­Porträt aus dem 17. Jahrhundert auf die Garnitur skandinavischer Sitzmöbel. Ob die Wohnung nun asketisch eingerichtet ist oder überladen, ob sie sich in einem Schloss befindet oder in einer Neubauwohnung, immer war ein ausgefeilter Sinn für Dramaturgie am Werk. Wie Kunst, Möbel und verschiedenartigste Trouvaillen eine Wohnung zum Ausdruck der Persönlichkeit werden lassen, wie man präsentiert statt repräsentiert, das kann man sich von den Kunstprofis in diesem Buch echt abschauen.

Weekend Deluxe

Die neue Ausgabe erscheint am 23. Mai 2014

Weekend Deluxe
Foto: Weekend Verlag

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