Massivholz-Bauweise ist die neue Königsklasse im Fertighausbau

Bauen mit Massivholz ist keine Öko-Marotte - es gibt eindeutige baubiologische Vorteile. In Massivholzbauweise lässt es sich schneller, jahreszeitenunabhängig und flexibel bauen. Immer öfter entstehen Wohnanlagen aus dem nachwachsenden Baustoff.

Holzhaus
Foto: Thinkstock

Holz gilt als Wohlfühlbaustoff, als „warm“ und „lebendig“, auch beim Fertighaus. Doch worauf beziehen sich diese Allerweltsschlagworte? Baubiologisch bzw. physikalisch gesehen, wird das Wohnklima von zwei Faktoren bestimmt: Wärme und Feuchtigkeit. Weil Holz die Wärme kaum leitet, sondern zurückstrahlt, fühlt es sich meist warm an. Ein mas­sives Holzhaus muss dank dieser von uns stets als angenehm wahrgenommenen Strahlungswärme nachweislich weniger aufgeheizt werden, um dieselbe „gefühlte Wärme“ wie in einem Gebäude mit Ziegel- oder Betonwänden zu erzielen.

Holzbau
Große, industriell vorgefertigte Massivholzplatten Foto: Proholz

Holz desinfiziert

Die sogenannte „Lebendigkeit“ von Holz bezieht sich auf dessen wasseranziehende Eigen­schaften. Unbehandeltes Holz nimmt ab einer bestimmten Masse in den Wänden Feuchtigkeit auf und gibt sie wieder ab, vorausgesetzt, es sind keine Dampfsperren eingebaut. „Holz im Wandsystem puffert Feuchtespitzen und wirkt positiv klimaregulierend“, bestätigt Günter Nussbaum-Sekora, seines Zeichens Bausachverständiger und Star der ATV-Serie „Pfusch am Bau“. Das Aufnehmen der Feuchtigkeit habe einen nicht zu unterschätzenden hygienischen Nebeneffekt. Der Nässeentzug, so Nussbaum-Sekora, bewirke ein Absterben von Bakterien und Sporen, die dann weitaus weniger in der Raumluft herumwirbeln.  

Weniger Staub

Bei trockener Luft kann in einem Raum Staubbelastung auftreten. Luftzug – er entsteht beispielsweise schon bei geringen Temperaturunterschieden zwischen Raumluft und Wand – zirkuliert der Staub hübsch im Raum. Nicht bei einer Massivholzwand, die immer dieselbe Temperatur wie die Raumluft aufweist. Wovon man sich mit Handauflegen leicht selber überzeugen kann. Außerdem wirkt Holz antistatisch – und siehe oben – die Luft in ­einem Holzhaus wird während der Heizperiode nie so trocken wie zwischen gemauerten Wänden.

Dirksland von Rombach
Nur-Holz-Häuser punkten mit einem besonders angenehmen und gesunden Wohnklima. Foto: Rombach

Königsklasse im Holzbau

Die genannten raumklimatischen Finessen beziehen sich auf die hochwertigste und teuerste Art des Holzbaus – auf die Massivholzplatte. Anders als bei der Holz-Leichtbauweise, bei der man Rahmen mit Mineralwolle füllt und mit Grobspan- und Gipsplatten bestückt, sind Schichtplatten aus Massivholz ein gleichwertiges Gegenstück zur ­gemauerten Wand. Über Kreuz geschichtete Hölzer sind darin zu kompakten Wand-, Decken- und Dachelementen von 12 – 36,5 cm Stärke verbunden. Diese „Brettsperrholzplatten“  aus Fichten- oder Lärchenholz haben eine weitaus größere Festigkeit und Steifigkeit als vergleichbares Vollholz. Die Pfosten und Bretter können miteinander verleimt – oder was als besonders ökologisch und gesund gilt – auch mit Holzdübel miteinander verbunden werden. Manche Anbieter legen noch eins drauf und bieten auch sogenanntes „Mondholz“ für ihre Platten an.

Dirksland von Rombach
Hier sind die Massivholzplatten nicht miteinander verleimt, sondern verdübelt. Foto: Rombach

Wenig Dreck

In Massivholzbauweise lässt es sich schneller, jahreszeitenunabhängig (da Trockenbau) und flexibel bauen. Anders als Lochziegelwände sind die Elemente sofort wind- und luftdicht, nachdem die Stoßfugen ­abgedichtet wurden. Die Dämmqualitäten sind ebenfalls ausgezeichnet: Eine  36 cm dicke Sperrholzwand benötigt beinahe keine Extradämmung mehr, um Passivhausstandard zu erreichen. Die Errichtungszeit ist um rund die Hälfte kürzer wie bei einem herkömm­lichen Bau – und auch Lärm und Dreck halten sich in Grenzen.  

Immer noch höher

Langsam, aber sicher kommt der Holzbau auch im großflächigen Bauen auf Touren. Österreichs bis dato höchste Massivholz-Wohnanlage befindet sich in der Wagramer Straße im 22. Wiener Gemeindebezirk. Eines der Gebäude ist siebengeschossig. Das ist die größte Höhe, die hiesige Brandschutz-Vorschriften für Wohnbauten in Holzbauweise derzeit erlauben. Anders als in ­Mitteleuropa kennt man in London keine Höhenbegrenzungen, egal, mit welchem Material gebaut wird. Lange Zeit befand sich hier das höchste Stadthaus der Welt in Holzbauweise mit neun Geschossen. Getoppt wurde der Bau erst vor Kurzem von einem Wohnhaus in Melbourne/Australien: es erreicht zehn Etagen oder 32 m Höhe. Für den kanadischen Holzbau-Pionier Michael Green ist damit noch nicht das Ende der Fahnenstange erreicht. Der Architekt plant für Vancouver einen Turm mit 30 Stockwerken, sprich 90 Metern. 

Baumeisterhaus oder Fertighaus?

Wenn man ein Haus baut, steht man nicht vor den Fragen der Finanzierung oder jenen nach optischen Aspekten. Man muss auch ganz grundsätzliche Entscheidungen treffen. Erfahren Sie mehr zu dem Thema auf wohnnet.at

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