Richtig teuer shoppen: Lohnt sich das?

Je günstiger der Preis, desto leichter fällt das Zugreifen. Dabei kann es sich auszahlen, das teure Kleid zu nehmen statt dem billigen: Alles eine Frage der "Kosten pro Tragen"- Relation.

Shopping Schuhe
Wer mehr zahlt, hat mehr beim Shoppen? Foto: MoustacheGirl/iStock/Thinkstock

Dem Thema Kleidungskauf kann man sich nicht mit rein rationalen Argumenten nähern. Es gibt einfach viel mehr Gründe als nur den ­einen: sich warmzuhalten. Man will modisch mithalten, seine Persönlichkeit aus­drücken, Vorzüge unterstreichen, sich etwas Gutes tun. Blöd nur, dass so ein gut gefüllter Kleiderkasten ziemlich viel Geld kostet! Spätestens, wenn es um den Kontostand geht, muss man sein Gehirn wieder einschalten und eine kleine Rechenaufgabe lösen, bevor man zuschlägt. Die Formel lautet „Cost per Wear“ (Kosten pro Tragen): Zahlt sich die Anschaffung aus?

Welchen nehm’ ich nur

Am besten lässt sich die Gleichung anhand von Beispielen erklären. Nummer eins: Ein neuer Mantel für Theresa muss her. Zur Wahl steht ein durchaus ansehnlicher Trench einer Modekette für 179 Euro sowie ein klassischer Woolrich-Mantel, mit dem Theresa schon länger liebäugelt, für 489 Euro. Ohne Modeketten nahe treten zu wollen: Nach spätestens vier Jahren dürfte hier das Futter am Saum ausgerissen sein und der Stoff am ­Ellenbogen speckig glänzen. 179 Euro durch vier Jahre: Der Mantel der Kette kostet EUR 44,75 pro Jahr. Woolrich-Mäntel dagegen sind bekannt für ihre Qualität, zwölf Jahre sind locker drin. Siehe da: Mit 40,75 Euro aufs Jahr gerechnet sind beide Mäntel quasi „gleich teuer“.

Was dagegen spricht

Bei ihrem Freund stößt Theresa mit ihrer Rechnung allerdings auf wenig Verständnis: Was, wenn sie in fünf Jahren zehn Kilo zugenommen hat? Ihr die Farbe „navy“ im ­siebenten Jahr doch nicht mehr gefällt? Oder das Label aus Imagegründen plötzlich nicht mehr tragbar ist (hat es alles schon gegeben)? Stimmt schon: Auf lange Zeiträume gesehen wird Cost per Wear eher eine Wahrscheinlichkeitsrechnung.

Es lohnt sich (nicht)

Aber man kann die Rechenoperation auch auf saisonale, hoch modische Teile anwenden, etwa auf ein Partydress – Beispiel Nummer zwei. ­Theresa hat ihres um 89 Euro gekauft. Mit seinen asymmetrischen Ärmeln und der Modefarbe Pink ist es sehr trendy. Aber auch sehr auffällig: Theresa hat es in dieser Saison sicher nicht öfter als zweimal getragen, denn danach kannte sie ja schon jeder darin. In der nächsten Saison zieht sie es noch einmal an – und fühlt sich in dem „alten“ Kleid fast schon etwas unwohl. Es hat 89 Euro gekostet. Macht immerhin knapp 30 Euro pro Abend! Dafür hätte man zum Beispiel mit dem Taxi statt mit der U-Bahn nach Hause fahren können. Bei Mode für besondere Anlässe kommt man um eine hohe Kosten-pro-Tragen-Relation kaum herum. Wer möchte schon Jahr für Jahr mit dem gleichen Kleid durch die Ballsaison tanzen? Wie häufig wird man also die 379 Euro-Ballrobe tatsächlich tragen? Einsamer Spitzenreiter im Cost per Wear-Ranking: das Hochzeitskleid …

Besser als Gold

Ein ganz bestimmtes Accessoire kann den Anschaffungspreis jedoch rechtfertigen: eine Designerhandtasche. Ganz klar, das Geld dafür muss man erst mal haben – für sehr viele wird es beim Traum von einer Chanel 2.55 oder einer Hermès Birkin Bag bleiben. Hat man die Ausgabe für die Chanel-­Tasche aber im Jahr 2008 getätigt, ist sie heute mehr als wieder drin (natürlich nur, wenn man die Tasche wieder verkauft): Die kleinste 2.55 Version kostete vor knapp zehn Jahren 1.650 Euro. Heute muss man für das gleiche Modell 4.250 Euro hinblättern! Ein Internet-Handtaschenportal hat die Kursentwicklung von US-Aktien, Gold und Birkin Bags (ab EUR 8.000,–) über 35 Jahre verglichen. Ergebnis: Die Hermès-Tasche war die beste Investition.