British Lifestyle: Alles über die feine englische Art

Der britische Lifestyle galt lange Zeit als verstaubt. Nun sind High Tea, Golf und nobles Understatement auch auf dem Kontinent gefragt. In Sachen Fashion haben uns die Briten sowieso ein paar Feet voraus.

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Angeblich haben die Schotten Gold erfunden? Foto: Burlington

Was verbinden Sie mit „typisch britisch“? Klar, die Royals gehören dazu. Der Union Jack. Und Swinging London, of course. Aber sonst? Vieles in unserem Alltag, das heute als nobel oder chic gilt, haben die Bewohner des Empire schon mit der Muttermilch aufgesogen. Den typischen Gentlemen- und Dandy-Style etwa, oder den Hang zur Uniformität. Wer einmal zur Rushhour in der City of London unterwegs war, weiß, was gemeint ist. Im Business kleidet sich der Brite formell. Das fängt schon in der Schule an. Dafür wird der Style in der Freizeit umso origineller.

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Elisabeth II ist ein großer Welsh Corgi-Fan. Foto: Corbis

Stiff upper lip

Haltung bewahren – in jeder Situation: Wir halten die Ohren, die Briten ihre Oberlippe steif. Schon AC/DC besangen dieses Credo. Die Menschen des Empire wahren Contenance – von den Royals bis zu den Bergwerks-Arbeitern. Anders als die Österreicher sind sie ­keine Suder-Nation. Gejammert wird nicht, und wenn, dann im trauten Heim. Wahre Privatsphäre gibt es nämlich nur zu Hause. Nicht umsonst heißt es „My Home is my castle“. Mit „Home“ ist eindeutig Haus gemeint, mit eigener Eingangstüre, Backyard und Rosensträuchern inklusive. Die englischen Gärten sind weltberühmt, selbst Prince Charles übt sich als Bio-Gärtner.

Brit-Style goes global

Brit-Chic verbinden die meisten mit dem Stil der Landherren, Dandys und Ladies: etwas bieder, etwas brav, aber auf jeden Fall zeitlos und elegant. Demgegenüber steht eine aufgeschlossene Mode-Szene, die mutig, schrill und sexy ist. Und Wogen bis weit über Atlantik und Ärmelkanal schlägt. Der Minirock ist ein echter Brite, auch Punk hat mit Vivienne Westwood seine modischen Wurzeln im London der frühen 70er-Jahre. Traditionsmarken und Kult-Brands der Jugendkultur – good ol’ England beheimatet beides. Doc Martens, einst Arbeiterschuhe, zählen seit Jahren zum klaren Erkennungszeichen jugendlichen Revoluzzertums. Auch die Kult-Heels von Jimmy Choo fanden ihre Kinderstube im Londoner East End. Die Fashion-Brands Mulberry und Burberry haben – mit Key-Pieces wie It-Bags und Trenchcoats – den Sprung von traditionell zu heiß begehrt mit Wiedererkennungswert geschafft.

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Tartan, Glencheck & die typischen Burlington-Rauten zeichnen den britischen Country-Look aus. Foto: Burlington

Wetterfeste Outdoor-Mode wie Hunter Boots und Barbour Jacken sind bei ­Jägern ebenso begehrt wie bei Gatsch-­erprobten Festival-Fans. Die Windsors tragen diese Jacken, Lily Cole und ­Alexa Chung ebenso. Letztere – vor einigen Jahren DAS gehypte It-Girl der Insel – wurde von Mulberry mit einer eigenen Tasche geadelt. Nun tritt, nicht unverdient, Model Cara Delevingne in ihre Fußstapfen in Sachen Taschen-Botschafterin. Was ihre Model-Präsenz betrifft, gilt Cara als würdige Nach­folgerin einer weiteren schönen Engländerin: Kate Moss.

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Cara Delevingne & Kate Moss als Burberry-Testimonials. Foto: Burberry

Music made in England

Die Szene ist nicht nur in der Metropole London am Brodeln. Das „next big thing“ kommt mit Sicherheit wieder aus UK. Die Beatles, die Stones, die Sex Pistols, The Clash, Queen, Blur, Oasis, Take That, Amy Winehouse und, und, und – der Sound der britischen Inseln hat Charts-Garantie.

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Oasis: Music made in England. Foto: Getty Images

Kiss the Cook

Ein ganz eigenes Kapitel ist die englische Küche. Zankapfel und Spaltpilz in Union: Man liebt sie, oder man hasst sie. Dazwischen ist nur dicker Bratensaft, der „Gravy“. Wem es beim Gedanken an Pfefferminzsauce und Co. die Nackenhaare aufstellt, dem mag gesagt sein: Die britische Küche ist viel besser als ihr Ruf! Die TV-Köche Jamie Oliver und Gordon Ramsey haben sich mit Koch-Shows, -Büchern und eigenen Restaurants Imperien aufgebaut. Auch die Einflüsse der ehemaligen Kolonien des British Empire hinterließen ihre kulinarischen Spuren. Ansonsten gilt: Auf die schlanke Linie ist die britische Kost nicht ausgerichtet. Street Food wie Fish & Chips, Burger, deftige Pies und der schmackhaft „Sunday ­Roast“ sind nicht auf die Bedürfnisse von Gesundheitsfanatikern ausgelegt. Auch für ihre Trinkfestigkeit sind Briten berühmt: Ale und Cider fließen in den Pubs in Strömen. Whisk(e)y, Gin, der legendäre Pimms, ein schönes Glas Port oder Sherry – einem edlen Tropfen ist man nicht abgeneigt. In einigen Büros wird Freitagnachmittags gemeinsam mit einem Drink ins Weekend gestartet. Danach geht’s in den Pub (steht übrigens für „Public House“). Cheers!

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Warme Pasteten mit "Gravy"-Sauce: Pies sind typisch britisch. Foto: Corbis

Tea for Two

Eine Tradition, die auch außerhalb des British Empire immer beliebter wird: der Afternoon Tea. Dafür begibt man sich in der Regel außer Haus, meist in ein chices Hotel. Auch in Österreich bitten einige Lokalitäten wie das Wiener Intercontinental zur traditionellen Tea Time. Neben Tee (mit Milch und Zucker!) werden Scones (ein Gebäck) mit Clotted Cream (dicker Rahm) und Erdbeermarmelade serviert. Dazu reicht man kleine pikante Sandwiches – stilvoll auf einer Étagère. Fahren mit Style Seitenverkehrt, aber mit ganz viel Klasse: Rover, Bentley, Rolls-Royce, Jaguar, MG, Aston Martin oder der Mini Cooper – viele mobile Granden haben ihren Ursprung in Great Britain. Stil kann man nicht lernen. Die Engländer haben ihn.

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Foto: VIENNAREPORT

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