Ärgern, aber richtig: Nur Mut zur Wut!

In das Kissen boxen, laut schreien, eine Vase an die Wand ­werfen oder die Wut lieber hinunterschlucken: Psychotherapeut Christoph Eitler verrät die besten Tricks, seinem Ärger auf gesunde Weise Luft zu machen.

Schreien Wut Frau
Wutbürger - am Ende auch gesund? Foto: Marisa9/iStock/Thinkstock

Wut erscheint uns oft unangenehm: Wir verlieren die Kontrolle, explodieren innerlich und tendieren dazu, unüberlegt zu handeln. Schütten Sie Ihrem Chef in ­einem Emotionsausbruch einen Kaffee­becher über die Hose, dürfte das ein Zeichen sein, dass Sie Ihren Ärger nicht ausreichend kontrollieren können. Allerdings ist Zorn nicht ausschließlich schlecht, weiß Psychotherapeut Christoph Eitler aus Wien: „Wut ist eine wichtige Emo­tion. Sie entsteht, wenn wir, eine uns wichtige Person oder ein Ziel bedroht wird.“ Wut hat zwar einen schlechten Ruf, aber durchaus eine legitime Berechtigung, gefühlt zu werden. Denn sie erfüllt stets eine Funktion, hinter der ein Bedürfnis steckt.

Einfach ­auszucken

Spätestens, wenn uns der Chef nach dem Kaffee-Vorfall die Ausgangstüre zeigt, drängt sich die Frage auf: das nächste Mal die Gefühle lieber hinunterschlucken, bevor etwas Schlimmes passiert? Auf gar keinen Fall, ist Eitler überzeugt: „Wenn ich den Zorn hinunterschlucke, bleibt das Bedürfnis unbefriedigt. Wenn ich gleich an die Decke gehe, besteht allerdings die Gefahr, durch unangemessenes Verhalten andere zu verletzen oder zu kränken.“ Sein Tipp: Aus der Situation gehen und langsam bis zehn zählen. „Drücken Sie später Ihren Ärger in Form von Ich-Botschaften mit einer klaren und sicheren Stimme aus und halten Sie dabei Blickkontakt mit der Person, die Sie verletzt hat“, rät Eitler. „Denn Ihre Gefühle kann Ihnen niemand streitig machen: Sie haben ein Recht auf Emotionen. Und dann warten Sie ab, was passiert.“

Ins Kissen schlagen

Auch dabei handelt es sich um eine Alternative, die helfen kann, aber nicht unbedingt muss. „Es soll immer darum gehen, das hinter dem Ärger liegende Bedürfnis zu artikulieren“, erklärt Eitler. Wenn Sie sich in Ihrem Recht bedroht fühlen, ist Ärger durchaus berechtigt. Wenig förderlich ist es aber, die Wut in voller Wucht zum Ausdruck zu bringen. „Warten Sie lieber den richtigen Zeitpunkt ab und wählen Sie die richtige Intensität“, rät Eitler. Dabei gilt es abzuschätzen, wie man seine Ziele am besten erreichen kann. „Ins Kissen zu schlagen hilft nicht, Probleme zu lösen, Entscheidungen zu treffen, etwas zu verändern“, so Eitler. „Aber es kann ­helfen, eine Krise auszuhalten, wenn Sie unter Stress stehen, um die Situation nicht noch schlimmer zu machen.“

Narrische Fußballfans

Dass man sich bei jedem verlo­reren Match der Lieblingsmannschaft in Grund und Boden ärgert, ist für den Experten allerdings nicht nachvollziehbar: „Da stellt sich die Frage, ob das wirklich der wahre Grund des Ärgers ist oder ob dahinter nicht andere Frustrationen stecken. In welchen Bedürfnissen sind wir tatsächlich bedroht, wenn die Mannschaft verliert?“

Wut ist gut

Deshalb: Lassen Sie Ihre Wut bewusst zu, lernen Sie aber auch, Sie zu erkennen und richtig wahrzunehmen. „Wir brauchen sie, um eigene Ziele durchzusetzen und um körperliche und psychische Bereitschaft zu aktivieren“, so der Experte. Deshalb werden auch Chefs oft wütend. Und das ist, in angebrachtem Maße, gut so. Denn, laut Eitler: „Zielorientiertes Handeln ist ganz ohne Ärger gar nicht vorstellbar.“