Umstrittene Pillen: Müssen es Antibiotika sein?

Die Entdeckung des Penicillin hat unzählige Leben gerettet. Heute fragt man sich oft: Müssen es Antibiotika sein?

Medikamente
Die Dosis macht's: Antibiotika Foto: dolgachov/iStock/Thinkstock

Hätten Sie's gewusst? Gerade einmal 75 Jahre ist es her, dass der britische Forscher Alexander Fleming in einer (vergessenen!) Petrischale mit Bakterien eine Art Schimmel vorfand. In der Nähe dieses Schimmels waren die Bakterien abgestorben. Das Penicillin war entdeckt! Schon drei Jahre später, 1945, hatte es jede Apotheke vorrätig - im gleichen Jahr erhielt Fleming den Nobelpreis für Medizin. Viele Menschen überlebten seither gefährliche Infektionen nur dank diesen Wirkstoffs. Und heute? Müssen wir den Nutzen einer Antibiotikagabe deutlich differenzierter betrachten. Doch stimmen alle "Fakten", die wir so hören? 

1. Mythos: Resistenz 

In seiner Dankesrede zum Nobelpreis sagte Fleming: "Die Zeit wird kommen, in der jeder Penicillin kaufen kann. Dadurch besteht die Gefahr, dass Penicillin in zu niedrigen Dosen verwendet wird. In dem man die Mikroben nicht tödlichen Dosen aussetzt, macht man sie resistent." Heute kein Worst-Case-Szenario mehr, sondern Realität. Denn häufig werden Antibiotika eingenommen, obwohl gar keine bakterielle Infektion besteht. "Erkältungskrankheiten sind in den meisten Fällen auf Virusinfektionen zurückzuführen", bestätigt Dr. Barbara Hörnlein, Ärztliche Direktorin der WGKK. Schluckt man dennoch Antibiotika, sind diese nun im Körper vorhanden, haben jedoch keinen Gegner. Bakterien, die jetzt eindringen, lernen rasch, sich gegen diese unmotivierte "Security" durchzusetzen. Denn als problematisch gilt vor allem die Einnahme verschiedener Antibiotika in kurzen Abständen hintereinander. Die WHO stuft die zunehmende Resistenz von Bakterien als eines der weltweit größten Gesundheitsrisiken ein. Naheliegender Rat: Antibiotika nur nehmen, wenn laut Arzt unbedingt nötig. 

2. Mythos: Hausmittel 

Hühnersuppe statt Antibiotika? Studien aus den USA beweisen zumindest, dass der Verzehr einer frisch (!) zubereiteten Hühnersuppe Infekte der oberen Atemwege lindert. Die Wirkung soll an den Inhaltsstoffen der Zutaten liegen sowie am heißen Dampf, der über der Suppenschüssel aufsteigt und die Schleimhäute befeuchtet. Zu den Nahrungsmitteln mit nachgewiesener antibiotischer Wirkung zählen Thymian, Kokosöl, Knoblauch, Salbei und Kren. Bei schweren Erkrankungen sind diese aber machtlos. 

3. Mythos: Ansteckung 

Wenn Ihnen ein Kranker ins Gesicht niest, haben Sie Pech gehabt. Doch wie oft kommt das wirklich vor? Einer der häufigsten Übertragungswege sind dagegen unsere Hände. Keime und Viren überleben auf Oberflächen bis zu 48 Stunden, also z.B. auf dem Griff in der U-Bahn. Halten Sie sich daran fest und schütteln anschließend Hände, können Sie die Bakterien an bis zu 13 Personen weitergeben. Fazit: Öfter Hände waschen, weniger Antibiotika nehmen. Auch das Atmen durch die Nase ist laut Ärzten eine ernstzunehmende Vorbeugungsmaßnahme. 

4. Mythos: Einnahme 

Ja man muss die verordnete Dosis aufbrauchen, auch wenn man sich dazwischen besser fühlt: sonst droht Resistenz! Und nein, das Glas Milch dazu ist keine gute Idee. Immerhin bei 15 Prozent der Antibiotika führt diese Kombination zu einer Verminderung der Wirkung.