Arthur Arbesser: Österreichs erfolgreicher Design-Export

In Österreich kennen den Namen des Jungdesigners derzeit fast nur Insider. Der Wiener Arthur Arbesser erobert gerade mit seinen klaren, schlichten Designs die Modemetropole Mailand. Der Shooting-Star im Interview mit dem Weekend Magazin.

Arthur Arbesser
Klare Linien und hochwertige Stoffe zeichnen seine Entwürfe aus Foto: Beigestellt

September in Mailand, hektischer Trubel, gut gekleidete Menschen wohin das Auge blickt, die Modewoche steht kurz bevor. Wir treffen Arthur Arbesser in einem schicken Restaurant, er kommt gerade vom Modelcasting für die Präsentation seiner vierten Kollektion. „Ich habe heute so viele Mädchen begutachtet und bin froh, jetzt einmal kurz durchzuatmen.“ Durchatmen bevor die internationale Modepresse die Entwürfe seiner Sommerkollektion 2015 begutachtet. Doch wirklich Angst braucht der Wiener Jungdesigner nicht zu haben, denn die Modejournalisten loben ihn gerade in den Himmel. In zwei Wochen wird auch Suzy Menkes, Grande Dame der Modekritik für einflussreiche amerikanische Magazine, bei seiner Präsentation vorbeischauen. Bereits das zweite Mal – und diesmal wird er länger mit ihr plaudern.

Arthur Arbesser
Looks aus der Herbst7Winter 2014/15 Kollektion Foto: Beigestellt

Von Wien nach Milano

Doch wie kam es eigentlich dazu? Der in Wien geborene Arthur Arbesser studierte am Central Saint Martins College in London, bevor es ihn nach Mailand verschlug. Dort heuerte er bei Signor Giorgio Armani an und lernte in den darauffolgenden Jahren alles über Schnitte, Stoffe und das Modebusiness in Bella Italia. Doch irgendwann wurde ihm die Welt von Armani zu eng, und er riskierte die Gründung seines eigenen Labels. „Natürlich war es am Anfang nicht einfach, aber mit jeder Kollektion wird alles profes­sioneller.“ Momentan gibt es seine schlichten Designs aus hochwertigen Stoffen in Italien, Japan, Russland, China und Korea zu kaufen. Zuerst will er noch die USA und Deutschland erorbern, dann erst Österreich. Wir müssen uns also noch gedulden, um einen echten Arbesser zu besitzen.

Arthur Arbesser
Arthur Arbesser Foto: Beigestellt

Interview

Weekend: Wie lief die Präsentation der neuen Kollektion?

Arthur Arbesser: Die Präsentation fand in einer stillgelegten Garage im Zentrum von Mailand statt. Wir haben die Fotografien von Carlo Valsecchi, eines befreundeten Künstlers, und ein Video mit Cordula Reyer gezeigt. Dazwischen standen die Models in der Sommer-Kollektion inmitten einer ­Installation. Es war extrem viel Arbeit, doch es hat sich ausgezahlt, denn das Echo war der Wahnsinn.

Wie waren die medialen Reaktionen?

Unglaublich. Es hat die gesamte Welt-Presse vorbeigeschaut. Auch Suzy Menkes kam und hatte so richtig lange Zeit für mich. Die Artikel, die seitdem publiziert wurden, haben mir neuen Antrieb für die nächste Kollektion gegeben.

Sie wollen mit Ihren Entwürfen eine eigene Sprache entwickeln. Was ist das Typische an Ihrer Mode?

Ich designe ganz schlichte Formen, verwende aber innovative Materialien.

Sie haben bis 2012 im Design-Team von Giorgio Armani gearbeitet. ­Haben diese Erfahrungen Einfluss auf Ihre Arbeit heute?

Erst bei Armani habe ich verstanden, wie viele Arbeitsschritte in einer Kollektion stecken. Außerdem habe ich gute Kontakte zu mehreren italienischen Stoff-Firmen mitnehmen können. Von Armani selbst habe ich gelernt, dass man einen starken Willen braucht und bereit sein muss extrem hart zu arbeiten.

Sie legen besonderen Wert auf die Materialien. Woher beziehen Sie Ihre Stoffe?

Meine Stoffe kommen zum Großteil aus ausgewählten italienischen Firmen, aber auch aus Österreich. Der Loden, den ich verwende, ist zum Beispiel aus der Steiermark.

Wie stellen Sie sich die Frau vor, die Ihre Sachen trägt?

Eine stilbewusste, starke Frau, die ein Auge für Details hat, aber auch humorvoll ist – und das ist ganz unabhängig vom Alter.

Wo ist der modische Unterschied zwischen Mailand und Wien?

In Mailand ist das Erscheinungsbild viel wichtiger – und es wird viel Wert aufs Äußere gelegt, was nicht immer positiv ist. Aber im Großen und Ganzen ist das Straßenbild farbenfroher und modisch etwas mutiger als in Wien.

Wo kann man Ihre Sachen kaufen?

Bisher in Italien, ­Japan, Russland, China und Korea, und die Sommer-Kollektion 2014 wird gerade noch in meinem Showroom verkauft.

Wo sehen Sie sich in zehn Jahren?

Wahrscheinlich immer noch in Mailand. Für mein Business ist es hier ein guter Boden.

Geht Ihnen Wien ab? Denken Sie manchmal daran, irgendwann wieder zurückzukommen?

Das Kulturelle fehlt mir auf jeden Fall, aber man kann ja ­immer wieder zum Batterienaufladen und Auftanken nach Hause kommen.

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Foto: VIENNAREPORT