Antiquitäten am Handgelenk: Die begehrtesten Vintage-Uhren am Markt

Vintage-Uhren sind individuell, exklusiv und wertbeständig. Doch wer sich eine Rarität mit dem Glanz vergangener Tage zulegen möchte, sollte einige wichtige Punkte beachten.

Vintage Uhren
Timelounge-Inhaber Heinz Winterer trägt Patek Philippe Foto: Time Lounge / Knittel

Alt ist das neue Hip. Der Vintage-Trend macht sich nicht nur bei Möbeln und Mode bemerkbar, sondern auch Uhren aus vergangenen Jahrzehnten sind derzeit so angesagt wie nie zuvor. Wer etwas auf sich hält, trägt keinen brandneuen Zeitmesser, sondern eine exklusive, am besten ziemlich seltene Vintage-Uhr, mit dem patinierten Glanz vergangener Tage. Doch hier unterscheiden sich zwei Gruppen von Uhrenliebhabern: Die einen lieben alte Uhren und wollen diese auch ­tragen, die anderen sind passionierte Sammler und auf der Jagd nach ganz bestimmten Modellen oder Marken. Heinz Win­terer, Inhaber des auf Vintage-Uhren spezialisierten Geschäfts Timelounge in Wien: „Meiner Erfahrung nach sind die reinen Sammler weniger geworden. Deswegen werden Rolex-Modelle auch so stark nachgefragt, weil man sie täglich tragen kann. Kleine Patek-Modelle sind eher für Sammler geeignet.“

Vintage Uhren
Patek Philippe – Baujahr 1950. Dieses Modell zeichnet sich durch ein aufwendig gefertigtes Gehäuse, auch Schnecke genannt, aus. Typisch für die 50er-Jahre, von zeitloser Eleganz. Ca. 10.000 € Foto: Time Lounge / Knittel

Patek Philippe, der Rolls-Royce

Bei einem Faktum sind sich alle Uhren-Experten einig: Patek Philippe ist definitv die nachgefragteste und wertvollste Marke am Vintage-Uhren-Markt. Klassisch im Design und kompliziert im Inneren. Patek Philippe ist jene Marke, die auf Auktionen Spitzenpreise in Millionenhöhe erzielt. Die Manufaktur mit Sitz im Kanton Genf in der Schweiz hat schon immer hochwertige Uhren hergestellt. Die Marke bewegt sich also seit jeher am obersten Qualitätslevel. Das schätzen Sammler. Bei Christie’s kam zum Beispiel 2008 eine Patek aus einem Nachlass zur ­Versteigerung, die auf 1,5 bis 2,5 Millionen Franken geschätzt wurde. Die Erben erhielten am Ende für die Platin-Mondphasen-Uhr den Rekordpreis von drei Millionen Franken. Gerechnet hatte die Familie ursprünglich nur mit ein paar Tausend Franken Erlös.

Vintage-Uhren
Rolex Daytona – Baujahr 1986. Begehrtes Sammlerstück, eines der gesuchtesten Modelle. „Daytona“ ist eine Hommage an die Rennstrecke in Florida. Je nach Zifferblatt bis zu 100.000 € und mehr. Foto: Time Lounge / Knittel

Beim Dorotheum in Wien wurde 2005 eine Goldene 18-karätige Patek Philippe Herrenarmband-Uhr aus dem Jahr 1910 um 384.000 Euro versteigert – ein Rekordpreis. Doch worauf sollte man achten, wenn man heute in eine Uhr investieren will, die ihren Wert steigern soll? Wie in der Kunst oder auf dem Aktienmarkt gibt es keine eindeutigen Regeln, die zum Erfolg führen. Interessant ist aber, dass Uhren eine enorme Wertsteigerung erfahren haben, die zum Zeitpunkt ihrer Herstellung nicht gerade angesagt waren. „In den 80er- und 90er-Jahren kaufte kaum jemand eine Rolex Daytona. Beginn der 90er-Jahre bekam man eine Daytona um 5.000 Euro, heute beträgt der Kaufpreis an die 30.000 Euro“, so Heinz Winterer.

Gut zu wissen

Beim Kauf gibt es einige Punkte zu beachten (siehe Kasten). Der Zustand und die dokumentierte Historie sind ausschlaggebend für den Preis. Winterer:
„Die gleiche Uhr in einem getragenen, polierten Zustand und die gleiche, ungetragen mit Papieren kostet das Doppelte.“ Das bestätigt auch Astrid Fialka-Herics, Leiterin der Juwelen- und Uhrenabteilung im Dorotheum: „Der Idealzustand einer Uhr ist eine servicierte Originaluhr mit Papieren über Kauf, Wartung und Garantie.“

Vintage Uhren
Heuer Monaco – Eine der populärsten Uhren der 70er-Jahre. Steve McQueen trug eine während der Dreh­arbeiten zu „Le Mans“. Schätzpreis Dorotheum: 3.000 €. Foto: Time Lounge / Knittel

Die Leidenschaft zählt

Wie beim Kauf von Kunstwerken sollte auch bei Uhren die Leidenschaft im Vordergrund stehen. Winterer: „Der ideale Sammler hat Freude an seiner Uhr. Er ist sich bewusst, dass er eine Antiquität am Handgelenk trägt und geht sorgfältig damit um. Aber er hat auch Freude am tagtäglichen Nutzen. Nur darauf zu hoffen, dass die Uhr irgendwann ihren Wert steigert, ist der falsche Zugang. Man soll sich an der Uhr erfreuen.“ Vintage-­Uhren sind in erster Linie indivuell, exklusiv und wertbeständig. Emotion und Leidenschaft zählen.

Interview mit Heinz Winterer

Inhaber Timelounge Wien

In welche Marken lohnt es sich zu investieren, wenn man zu sammeln beginnt?
Winterer: Am Sammlermarkt sind zwei Marken – in Bezug auf die Historie und die Vielfalt der Modelle – über alle anderen zu stellen: Das ist Rolex und Patek Philippe. Diese beiden Marken machen fast 50 Prozent aller internationalen Auktionen aus. Diese Modelle erzielen auch enorme Preise von mehr als einer Million Schweizer Franken. Danach folgt Omega mit einem regen Vintage-Markt. Vacheron ist in den letzten Jahren stark im Wert zurückgegangen. Die waren schon einmal fast so teuer wie Patek Philippe, sind aber in den letzten Jahren nicht mehr so gefragt.

Vintage Uhren
Heinz Winterer trägt einen Patek Philippe Nautilus Chronograph. Das Design stammt aus den 70er-Jahren, heute gibt es ­ verschiedene Modelle davon. Foto: Time Lounge / Knittel

Gibt es unverkäufliche Marken?
Winterer: Alle Marken, die heute nicht mehr existieren, sind quasi unverkäuflich. Es braucht schon den Bezug zu heutigen Modellen. Und alle Uhren, die unter einem Preis von 1.000 Euro liegen, sind auch nicht interessant. Es muss sich schon um eine höhere Qualitätsstufe handeln.

Worauf sollte man im Design achten?
Winterer: Klassische, bekannte Modelle, die es vielleicht heute in einer abgeänderten Form noch gibt. Die klassischen Rolex-Sportmodelle wie Submariner, Sea-Dweller oder GMT Master gibt es seit den 1950er-Jahren und heute noch immer. Immer wieder adaptiert, aber im Wesentlichen ist es das gleiche Modell.

Ein Beispiel für eine enorme Wertsteigerung?
Winterer: Die Rolex Daytona hat sich beispielsweise in den letzten Jahren bis zu verzehnfacht. Je seltener, desto größer die Wertsteigerung.

Welches Jahrzehnt hat die schönsten Modelle hervorgebracht?
Winterer: Eindeutig die 1950er- und 60er-Jahre. Hier sind die ganz klassischen und schnörkellosen Designs entstanden, die auch heute wieder von den Manufakturen produziert werden. Es gibt viele aktuelle Modelle, die damals designt wurden.

Wie viel kostet ein Service einer ­Vintage-Uhr?
Winterer: Bei uns im Geschäft zwischen 300 und 500 Euro ohne großem Ersatzteilaufwand. Ganz wichtig zu beachten ist, dass das Zifferblatt einer Uhr nie nachgeschrieben werden darf. Es muss sich immer um das Original handeln. Auch das Gehäuse darf nie unfachmännisch poliert werden. Bei Goldenen Uhren ist besondere Vorsicht geboten. Bei einer schlechten Polierung verschwindet die Punzierung, was einen großen Unterschied im Wert ausmacht.

Info
www.timelounge.at

Weekend Deluxe

Die neue Ausgabe erscheint am 23. Mai 2014

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