Arztbesuche in Zeiten des 2-Klassen-Systems: So spart man Ärger

Wie gestaltet sich die Zukunft der Ärzte? Werden wir Patienten künftig je nach finanziell verfügbaren Mitteln für Arztbesuche in zwei Klassen eingeteilt? Wie kommt man zu Terminen, ohne zu lange darauf warten zu müssen? Hier drei bewährte Tipps.

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Gerade fällt mir ein, wenn ich so auf den Bildschirm meines Notebooks schaue, dass ein Kontrolltermin beim Augenarzt schon längst überfällig ist. Kaum die Nummer des Arztes gewählt, sagt die freundliche Stimme der Empfangsdame am Tonband, dass für das laufende Kalenderjahr keine Termine mehr vergeben werden, und aktuell ein Aufnahmestopp für neue Patienten besteht.

Anderes Beispiel, selbes Problem: einen Kinderarzt suchen mit zwei kleinen Kindern. Die wenigen Kinderärzte, die es am Land noch gibt, haben Patienten ohne Ende – nicht nur in der Kartei, sondern dann auch im Wartezimmer. Die privaten Ärzte leisten sich im Gegensatz zu den leidtragenden Kassenärzten sogar einen Patienten-Aufnahmestopp.
Dieses Kinderarzt-Problem kostet mich viele Telefonate, zu viele Nerven und einiges an Überzeugungsarbeit. Schlussendlich wurde ich fündig, und kann nun vor allem meine neugeborene Tochter guten Gewissens vom Arzt meiner Wahl untersuchen lassen kann.

Spreche ich dieses Thema unter Freunden an, rede ich mit Gleichgesinnten. Mein Beispiel ist längst kein Einzelfall, das 2-Klassen-System kein Geheimnis mehr. Habe ich keine Zusatzversicherung für mich oder meine Kinder, muss ich auf die Kassenärzte zurückgreifen, außer ich kann aus meiner eigenen Tasche teils hohe Honorarnoten begleichen. Doch selbst bei Wahlärzten ging es mir schon so, dass ich als Patient keinen Termin bekommen habe, weil es schlichtweg keine Termine mehr gibt. Aber wo führt das hin?

Oftmals merke ich beim Arztbesuch – der sich Gott sei Dank bei uns Erwachsenen in Grenzen hält, dass man nur eine Nummer ist, der Arzt unter Druck steht, weil das ganze Wartezimmer voll ist, und man am besten schon selbst zuhause abgezapftes Blut mitnimmt, um die Untersuchung zu beschleunigen. Auch ich fühle mich teilweise so gestresst im Wartezimmer, dass ich mir ernsthaft überlege, nachhause zu gehen und ein anderes Mal wieder zu kommen. Leider nicht so einfach, wenn man eigentlich alle Symptome einer typischen Sommergrippe verspürt und einfach nur entsprechende Medikamente haben will, um sich endlich wieder ins Bett legen zu können.

Sprechen wir jetzt hier von einem Ärztemangel, da es ja anstatt nur einem Augenarzt doch mehrere in einer größeren Gemeinde geben könnte bzw. müsste? Oder geht es einzig und allein darum, dass die gut betuchte Klientel mit Zusatzversicherung ja sowieso zum Wahlarzt geht, und die anderen eben auf die Kassenärzte zurückgreifen müssen? – Sofern es noch verfügbare Termine gibt.

Über dieses Thema lässt sich bestimmt streiten, und auch ich kann die Frage nicht wirklich beantworten. Wir zum Beispiel haben weder für uns Erwachsene noch für unsere Kinder eine Zusatzversicherung. Das heißt, wir sind größtenteils bei Kassenärzten. Mir ist es aber auch schon passiert, dass mein Arzt des Vertrauens plötzlich nicht mehr Kassenarzt war. Er informierte alle Patienten lange im voraus darüber und stellte es ihnen frei, weiterhin bei ihm zu bleiben oder nicht. Er begründete diesen Wechsel ganz offen und ehrlich damit, dass er auf eine Patientenreduktion hofft. Klingt im ersten Moment unfair – nicht aber im Sinne des Arztes. Denn er wollte damit genau das erreichen, was ich vorher bereits angesprochen habe: Patienten nicht als irgendeine Nummer zu behandeln, sondern als Mensch, für dessen Angelegenheiten man sich Zeit nimmt und vor allem auch nehmen kann.

Zugegebenermaßen ist mir dann auch schon mal in den Sinn gekommen, ob es auch Qualitätsunterschiede von Wahlärzten und Kassenärzten gibt. Auch mit diesen Anmutungen stehe ich nicht alleine da. Aber was führt uns zu dieser eigenartigen Denkweise? Werden wir von der Gesellschaft in diese Schublade gesteckt, um das zu denken? Führen die öffentlich ausgetragenen Ärztestreiks zu dieser Denkweise? Wird es in Zukunft zu wenige Ärzte geben? Oder werden die Patienten einfach gerecht auf die zwei Klassen aufgeteilt, und alles regelt sich von selbst?

Eine unvorhersehbare Entwicklung. Vor allem sollte auch jeder für sich selbst entscheiden, wie er schlussendlich zu dem Thema steht. Und ich denke auch, dass man diese Gedanken oftmals auch ganz offen und ehrlich mit dem Arzt absprechen sollte.

Ich persönlich kann nur sagen, dass ich mich sowohl von Kassenärzten als auch von Wahlärzten gleich gut behandelt fühle. Lediglich der Faktor "Wartezeiten" bringt mich häufig sehr zum Grübeln, vor allem wenn es um Ärzte geht, die ich mit meinen Kindern besuchen muss. Denn da zählt oftmals jede Sekunde. Aber davon abgesehen befinden wir uns in einer sehr glücklichen Lage, und sind bisher immer noch behandelt worden.

Dennoch kann ich euch ein paar hilfreiche Tipps mitgeben, um das ganze Termintheater so gut es geht im Rahmen zu halten und euch eventuell im vorhinein etwas Ärger zu sparen.

Hier meine 3 Tipps für euch:

1. Termine lange Zeit im voraus vereinbaren
Dies geht natürlich nur bei Routine-Rkontrollen wie zum Beispiel beim Augenarzt, Hautarzt, Zahnarzt etc. Ich vereinbare die Termine immer gleich für das nächste Mal – sei es ein halbes Jahr, oder gar ein Jahr im voraus. Oftmals heißt es dann, dass sie noch keinen neuen Kalender haben, dann lasse ich mich aber anrufen, sobald die neuen Termine verfügbar sind bzw. ich rufe nochmals an und erkundige mich laufend.

2. Sich nach Tagen ohne Termine erkundigen
Viele Ärzte bieten bereits an ein oder mehreren Tagen an, dass Patienten ohne Termin vorbeikommen können und in einem gewissen Zeitraum auf eine Behandlung warten können. Dies kann oftmals von Vorteil sein, wenn für einen längeren Zeitraum keine Termine vergeben werden.

3. Abwägen, ob Wahlarzt oder Kassenarzt
Ist man bereit, für die Kontrolle beim Augenarzt alle zwei Jahre ca. 100 Euro zu bezahlen, kann man sich bestimmt auch für einen Wahlarzt entscheiden. Hat man jedoch keine Zusatzversicherung für das Kind, wird es bestimmt auch in Ordnung sein, es von einem Kassenarzt behandeln zu lassen. Hier entscheidet wahrscheinlich schlussendlich die Sympathie oder Reputation.

Dieses Thema sollte uns aber dennoch vor Augen halten, wie gut es uns in Österreich hinsichtlich der medizinischen Versorgung geht. Denn brauchte ich bisher einen Arzt, war immer einer zur Stelle, und das ist schlussendlich das was zählt. 

 

Als verheiratete Mutter von zwei Kindern ist Weekend-Bloggerin Daniela Sponring-Tötsch mit den Herausforderungen des Alltags und der Selbstorganisation bestens vertraut. Für weekend.at teilt sie ihre Tipps und Empfehlungen zur Erleichterung des Alltags.

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