Zwangspause – "Crowd control to Major Tom"

Als Mütter werden wir nicht krank. Wir haben Schnupfen, Fieber oder hängen über der Kloschüssel. Aber Alltag ist Alltag. Eine Scherbe am Fuß hat mich dann schlussendlich doch die Bedeutung des Wortes Bettruhe gelehrt.

first-aid-1732529_1920.jpg
Ist die Hausapotheke für den Notfall gerüstet? Foto: pixabay.com

Blog-mäßig war ich jetzt quasi offline. Für mich schien es in den letzten Wochen leichter, Instagram-Fotos zu teilen als sich auf einen Blog-Beitrag zu konzentrieren. Denn vor zwei Wochen hatte ich zu Hause einen kleinen Unfall. Lächerlich eigentlich - im Müll war eine Scherbe, ich bin mit dem Fuß seitlich vorbeigerammt, und so schnell konnte ich gar nicht schauen, hing ein ordentlicher Lappen Haut von meinem Fuß.

Und dann kam der Mama-Automatismus

Typisch Mama habe ich zuerst mal die Blutung gestillt, um dann humpelnd mit zugeklebtem Fuß mein Kind vom Kindergarten zu holen. Denn ich hatte es ja versprochen, und er hatte für den Tag kein Mittagessen mitbekommen. (Es ist leichter, einem Kind mit Weizen- und Milchallergie das Mittagessen mitzugeben als einem Catering oder Gasthaus am Land zigmal zu erklären, dass er wirklich allergisch darauf reagiert, und wir nicht aus modischen Gründen ohne diese Nahrungsmittel leben).

Erst dann rief ich die Oma an, die glücklicherweise nichts vorhatte, fuhr mit dem Taxi zum Arzt, und von dort mit der Rettung weiter ins Krankenhaus. Es musste genäht werden. Mir war nicht klar, in welchem Ausnahmezustand ich die ganze Zeit war. Bis zu dem Zeitpunkt, als alles erledigt war, die Wunde gesäubert, genäht und verbunden, und ich quasi fertig und abholbereit. Kurz war ich unsicher, ob ich mit einer Rettung oder sonst wie nach Hause kommen würde, da sank plötzlich mein Adrenalin in den Keller, mein "Überlebens-Modus" runter und ich bekam einen Heulanfall wie selten in meinem Leben. Ich konnte einfach nicht mehr aufhören.

Die Verletzung war per se nicht schlimm, aber irgendwie doch. Noch nie zuvor hatte ich mir so tief in meine Haut geschnitten, dass ich genäht werden musste. Plötzlich wurde mir klar, dass ich wahnsinniges Glück gehabt hatte, dass keine Nerven oder pulsierenden Adern getroffen waren. Was wäre gewesen - das Kind im Kindergarten, hungrig und müde, wartet auf seine Mutter, die liegt zu Hause mit einem blutenden Fuß und kann nicht auf. All diese Gedanken sprudelten aus meinen Tränendüsen. Und ich machte zum ersten Mal in meinem Leben die Erfahrung, wie sehr man in einem Notfall alle unwesentlichen Dinge ausblendet und sich nur noch auf das Wesentliche konzentriert. Und offensichtlich war es mir als Mutter überlebenswichtig notwendig, dass mein Kind versorgt ist, bevor ich dann doch an mich denke.

Das musste passieren, damit ich Ruhe gab

Das Ereignis selber war also nicht schlimm, aber die Gefühle und Mechanismen in mir waren für mich neu. Danach gab‘s verordnete Bettruhe, damit die Wunde sich schließt, und ich hielt mich auch wirklich daran. Ich glaube, in meinem Kopf war immer noch dieses Bild von der offenen Wunde, und ich wollte das nicht nochmal sehen. Eigentlich hätte ich diese Zeit nutzen können um zu schreiben - für den Blog, mein Buchprojekt, Bewerbungen. Aber dieser Schnitt hat mich tatsächlich gebremst. Ich glaube einfach meine Seele brauchte die Zeit, um sich zu erholen. 

Warum es wichtig ist, für den Notfall gerüstet zu sein

Ich muss gestehen: Das war mir eine ordentliche Lektion. Ich habe gelernt, dass man als Mama im Notfall immer zuerst ans Kind denkt. Dass die meisten Unfälle im Haushalt passieren, und deswegen ein aktuelles Notfall-Set immer am selben Ort zur Verfügung stehen sollte. Dass ich im Kindergarten ein Extra-Mittagessen eingefroren lassen muss für den nächsten Notfall, der hoffentlich nie kommt. Dass ein Erste-Hilfe-Kurs nicht nur fürs Kind sinnvoll ist, sondern auch für die Mutter. Und dass nach einer Verletzung das Adrenalin in die Höhe steigt, nur um danach in den Keller zu sinken.

Jetzt ist wieder alles gut, die Wunde ist verheilt, meine Aktivität ist wieder da. Und ich werde jetzt definitiv ein paar Dinge ändern, damit ich das nächste Mal keine Spur hinterlasse auf der Suche nach Jod und einer keimfreien Wundauflage.

 

Katharina Gindra-Vady ist Mutter, Pädagogin, Bloggerin, Model, Moderatorin, ehemalige Flugbegleiterin. Die große Leidenschaft der Steirerin ist das Schreiben.

Alle Blog-Beiträge von Katharina Gindra-Vady

Mehr zum Thema:

Kommentare 0