Wellness in Guglwald für Fahrer und Auto

Im oberösterreichischen Mühlviertel kann man sich nach allen Regeln der Kunst verwöhnen lassen. Nach ein paar Stunden ist die Entspannung perfekt.

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Einfahrt: Gelb und Gelb gesellt sich gern Foto: Carmen Bischof

Wieder daheim

Eine kleine Rechenübung und Nachschauen in alten Kalendern und Fotoalben haben es an den Tag gebracht: Seit einem Dutzend Jahren pilgere ich halbwegs regelmäßig nach Guglwald für ein paar Tage totaler Entspannung. Mittlerweile fühlt es sich fast an wie ein weiteres Zuhause, nur halt ein ziemlich perfektes. So picobello sauber ist es bei mir selten, aber ich putze auch nicht täglich die ganze Wohnung. Und leider kochen wir zwar passabel, aber noch immer nicht auf diesem hohen Niveau. Zumindest haben wir immer genügend Gründe, um wiederzukommen.

Hier oben an der oberösterreichischen Grenze wird man zu einem zufriedenen Menschen: Nach verwöhnenden Kosmetikbehandlungen ist das Gesicht faltenfrei und dank warmem Wasser und einer schönen Saunalandschaft ist der ganze Körper entspannt. Das köstliche Essen und die hauseigenen Weine sorgen dafür, dass man auch von innen gewärmt wird. Wellness hat schließlich nichts mit Fastenkuren zu tun, sondern mit Wohlbefinden. Das gilt auch und nicht zuletzt für den Bauch. Dass das Hotel herrlich abgelegen liegt, sorgt auch für eine schöne Anfahrt: Die kurvigen Straßen des Mühlviertels sind eine Freude für Auto und Fahrer. Gut gelaunt kommen wir an und fahren mit dem kleinen gelben Auto durch das gelbe Tor.

Schon nach einem halben Tag in unserer Wahlheimat sind wir angenehm beruhigt: Die ganzen Annehmlichkeiten, die wir so lieben, werden den Gästen nach wie vor angeboten. Das abendliche Gala-Dinner mit sieben Gängen schaffen wir wie jedes Mal – es ist zwar eigentlich zu viel, aber andererseits zu gut, um irgendwas übrig zu lassen.

Was gibt es Neues?

Fast noch schöner als ein Wiedersehen mit Altbekanntem ist es aber, zusätzliche neue Überraschungen zu entdecken. Bei jedem Besuch stellen wir fest, dass umgebaut, erneuert, renoviert wurde. Grundsätzlich lebe ich ja eher nach dem Motto "If it’s not broken, don’t fix it" ("Wenn’s nicht hin ist, dann reparier's auch nicht") und stehe jeder Art von Renovierungsarbeiten skeptisch gegenüber. Wieso bohren, wenn man auch einen einfachen Nagel einschlagen kann, und wieso überhaupt ein Bild auf einem Nagel aufhängen, wenn man es auch an die Wand lehnen kann? Ich schiebe es auf den österreichischen Hang zum Improvisieren und die Langlebigkeit aller Provisorien, aber vielleicht ist es auch eine persönliche Eigenschaft oder gar ein Laster. Eins ist auf alle Fälle klar: Ich hätte Guglwald schon vor zwölf Jahren für perfekt erklärt und so gelassen, wie es damals war.

Gott sei Dank habe hier nicht ich das Sagen, sondern die äußerst umsichtige Eigentümerfamilie, die jährlich investiert. In Guglwald wurde im letzten Jahrzehnt ständig etwas verbessert und erweitert, und das bisherige Ergebnis ist mehr als überzeugend. Bei jedem Besuch entdeckt man etwas Neues: Diesmal waren es ein neu gestalteter Ruhebereich. Der schwedische Liebste meint, es sieht aus wie ein Wohnzimmer in Manhattan. Ich bin nicht sicher, was er meint, ich weiß nur: Es ist das höchste Lob, das er zu vergeben hat.

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Der neu gestaltete Ruheraum Foto: Carmen Bischof

In besagtem Wohnzimmer sind zu unserem Entzücken perfekte kleine Nischen eingelassen. Wir probieren eine davon aus und richten uns mit zwei Büchern, sieben Zeitschriften, vier Badetüchern, zwei Bademänteln und einer Badetasche häuslich ein. Nach diesen umfassenden Einrichtungsarbeiten schlafen wir fünf Minuten später erschöpft ein – wir sind einfach keine Einrichtungsprofis. Die Nische hat unser Gütesiegel.

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Nische im Ruheraum Foto: Carmen Bischof

Im Atrium, einem hübschen Zubau voller Saunen im Erdgeschoss und einem weiteren großen Ruheraum im ersten Stock, wurden die Liegen ersetzt. Wer sich traut, kann eine Doppelliege erklimmen, die an vier Stricken hängt. Man fragt sich anfangs besorgt, ob die Stricke wohl das eigene Gewicht aushalten und wird dann vom sanften Schaukeln – richtig: in Tiefschlaf versetzt.

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Atrium Foto: Carmen Bischof

Außerdem gibt es eine hochtechnisierte Neuerung: In jedem Zimmer wartet ein sogenanntes Suite-Pad. Hier stehen nicht nur die wichtigsten Informationen zum Hotel bereit, sondern auch die Weiten des Internets. Wir surfen kurz im Netz und beschließen dann, dass warmes Wasser doch verlockender ist als der Cyberspace. Die wichtigsten Informationen haben wir schon gefunden: Frühstück von frühmorgens bis fast mittags, Wellness-Buffet ab 14:30, Abendessen ab 18:00. Es ist bei weitem nicht so, als ob man irgendwann der Gefahr ausgesetzt wäre, auch nur im mindesten ein Hungergefühl zu verspüren, aber man will schließlich das engagierte Küchenteam nicht enttäuschen.

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SuitePad in Guglwald Foto: Carmen Bischof

Die wichtigste Information findet sich täglich ab Mittag an einer kleinen Tafel vor der Rezeption: das tägliche Abendmenü. Andächtig stehen kleine Grüppchen im Bademantel vor der Tafel und lernen die Abfolge an Köstlichkeiten auswendig. Tief zufrieden mit dem Nachmittagsbuffet liegen wir im Whirlpool und prüfen uns gegenseitig.

"Was gibt es heute für einen Aufstrich?"

"Tomaten-Walnuss-Topfen und Olivenöl. Danach?"

"Rote Rüben und Kren, klingt super. Weißt du noch, was für eine Suppe sie kochen?"

"Die Suppe hab' ich vergessen."

"Nach der Sauna gehen wir nachschauen."

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Schaukel für zwei Personen im Ruheraum Foto: Carmen Bischof

So vergehen die Tage, und nach einem Urlaub voll intensivster Entspannung streift man den Bademantel ab, wundert sich darüber, wie viel Kleidung man normalerweise so am Körper trägt und sperrt das Auto wieder auf. Der Mini blinzelt in die Landschaft und bedankt sich für ein paar Tage Ruhe und Sonne, Fahrer und Auto freuen sich auf ein paar Kurven und fahren vom Zauberberg wieder hinunter in die Niederungen des Donautals und des Alltags.

Ein nächstes Mal?

Was für eine Frage. Natürlich gibt es ein nächtes Mal. Vielleicht fahren wir tatsächlich einmal in der warmen Jahreszeit hin, genießen Lagerfeuerromantik und den Kabarettsommer. Dann lese ich etwas von Oldtimer-Fahrten. Ein besseres Argument gibt es wohl nicht, oder?

 

Carmen Bischof ist gebürtige Murauerin ("die Stadt mit dem besten Bier", betont sie!), beruflich und privat gerne auf Reisen, beruflich in Sachen Vertriebssteuerung für die Senzor Industries AB aus Schweden unterwegs und privat auf der Suche nach schönen Orten, gutem Bier und lässigen Aktivitäten.

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