Eine kleine Stadt ganz groß

Sie ist eine hübsche und gepflegte Stadt mit rund 680.000 Einwohnern. Immer wieder wurde sie kritisiert und man wollte ihr den Titel streitig machen. Fast tagtäglich steht sie durch Berichte über neue haarsträubende Vorhaben Trumps im Fokus der Medien. Und trotz alledem darf sich Washington D.C. Hauptstadt der Vereinigten Staaten von Amerika nennen.

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Foto: Sandra Leitner

Wer hier ein Hauptstadt- oder Großstadtfeeling à la New York City erwartet, wird enttäuscht. Hat man allerdings eine Vorliebe für Grünflächen, Museen und Monumente, so hat die Stadt so einiges zu bieten. Es ist vielleicht etwas überspitzt ausgedrückt, doch man könnte fast sagen, dass man hier zu jedem vergangenen Ereignis der Geschichte ein Denkmal vorfindet. Vietnam Veterans Memorial, Korean War Veterans Memorial, World War II Memorial und Lincoln Memorial sind nur ein paar wenige darunter. Für den Fall also, dass es zu Bücherverbrennungen kommen sollte oder das Internet verboten wird, ist hier der Ort, an dem sich die Geschichte Amerikas rekonstruieren lässt.

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Foto: Sandra Leitner

Zu Washington D.C. gehören selbstverständlich auch das Weiße Haus sowie das Kapitol. Das weiträumig abgesperrte Weiße Haus konnte ich als Nicht-Amerikanerin leider nicht besuchen und komischerweise war ich auch weder auf ein Gläschen mit Donald noch zu einer gemeinsamen Shoppingtour mit Melania eingeladen - da müssen wohl Gespräche zum mexikanischen Mauerbau dazwischengekommen sein. Beim Kapitol beeindruckten mich vorrangig die Sicherheitsvorkehrungen: viel mehr als die Kleidung, die man am Körper trägt, darf man nämlich nicht mit hinein nehmen. Und so füllte sich der große Müllcontainer vor dem Eingang mit Lebensmitteln, Getränken und sonstigem Kleinkrams, von dem sich die Touristen trennen mussten … eine Live-Vorstellung der amerikanischen Verschwendung. Von der Führung durch das Kapitol hatte ich mir etwas mehr erwartet, als in alten, nicht mehr genutzten Räumen Bilder und Statuen zu betrachten. Ein Kurzfilm über den Werdegang der Staaten und die beeindruckende Architektur konnten mich aber halbwegs positiv stimmen.

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Foto: Sandra Leitner

Wer nach noch mehr Ruhe sucht, sollte sich den Arlington Cemetery nicht entgehen lassen. Nach einer weiteren Sicherheitskontrolle am Eingang zum Friedhof - als könnte man den Toten noch etwas antun - kann man hier durch ein riesiges Areal schlendern und Gräber von Admirälen, Generälen und gefallenen Soldaten besuchen. Die meisten Besucher zieht es aber vor allem zur Grabstätte des ermordeten US-Präsidenten John F. Kennedy und dessen Frau Jackie Kennedy Onassis.

Washington D.C. hat mir für ein paar Tage eine nette Abwechslung geboten, doch im Vergleich zum nur ein paar Autostunden entfernt gelegenen New York City ist Washington D.C. definitiv ein ruhiges, nahezu totenstilles Dorf.

 

Sandra Leitner ist gerne und viel unterwegs. Auf ihren Reisen erlebt sie so manches Abenteuer. In ihrem Blog auf weekend.at lässt sie die Leser an ihrem abwechslungsreichen Alltag teilhaben.

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