Surprise: Es muss ja doch nicht Asien sein

Unverhofft kommt oft: Wie ich plötzlich am anderen Ende der Welt gelandet bin und woher mein verkehrter Kulturschock kommt.

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Foto: Rafaela Khodai

"Der beste Plan ist es, keinen Plan zu haben." Als ich Ende Jänner dieses Jahres zu meinem Digitale-Nomaden-Abenteuer aufbrach, beschloss ich, soweit wie möglich nach diesem Motto zu leben. Aber eine grundsätzliche Idee hatte ich schon im Hinterkopf: Dieses Jahr Asien, zu Weihnachten ein kurzer Heimaturlaub, und dann weiter nach Mittelamerika. Das schien mir vernünftig, sowohl aus finanzieller als auch aus zeitlicher Sicht. An diesem groben Zeitplan wollte ich auch auf jeden Fall festhalten. Und von wo aus schreibe ich diese Zeilen jetzt, blicke ich auf meinen Nicht-Plan, der doch ein Plan war, zurück?

Kleiner Tipp: Als ich mein Cafe des Tages betreten habe, wurde ich mit Good day begrüßt. Ganz genau, Australien. Newtown, Sydney, um genau zu sein. Irgendwie bin ich am anderen Ende der Erde gelandet, zurück in der westlichen Welt nach neun Monaten Asien.

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Foto: Rafaela Khodai

Lost in Down Under

Dabei war Australien eigentlich das Land, bei dem ich schwören hätte können, dass ich mich in den nächsten Jahren nicht mehr dort wiederfinden werde! Myanmar, Laos, vielleicht Kambodscha, das stand auf meiner Liste. Spottbilliges asiatisches Streetfood, schmutzige, ungepflasterte Gassen, in denen sich tausend exotische Gerüche vermischen, ein Chaos aus Rollern, zerkratzten Autos und Tuktuks auf den Straßen. Tempel, Dschungel, Strände, Temperaturen, bei denen sich die meisten Leute nichts als ein klimaanlagen-gekühltes Zimmer wünschen - oder ein Strandtuch, von dem sie sich den ganzen Tag nicht wegbewegen (abgesehen vom gelegentlichen Sprung ins badewannenwarme Wasser).

Was wie die Rückkehr in ein normales Leben klingt, stellte für mich in den ersten beiden Wochen die Herausforderung schlechthin dar - ganz besonders, weil der australische Frühling mich mit empfindlich kalten Temperaturen begrüßte. Meine Strandkleider und Tanktops waren plötzlich jedes Nutzens beraubt, und nach drei Tagen, in denen ich die Hälfte meiner Garderobe übereinander trug und trotzdem endlos fror, sah ich mich gezwungen, mir Jeans, eine langärmlige Bluse und einen Sweater zu kaufen. Die australischen Preise, die ich dafür bezahlte, drückten meine Stimmung ebenso wie der kalte Regen und graue Himmel, der mir nach neun sonnigen Monaten mit Temperaturen über 30 Grad umso stärker zusetzte.

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Foto: Rafaela Khodai

Sonne macht Laune

Aber mittlerweile hat der Frühling in Sydney überhand genommen, die Sonne scheint, ich fange an, die hippen Stadtviertel und den chilligen Vibe der Australier besser zu schätzen. Und mein Heimweh nach Asien - von dem ich nie gedacht hätte, dass ich es überhaupt mal verspüre - lässt langsam nach. Ob ich Anfang nächsten Jahres trotzdem nach Mittelamerika gehen oder noch ein bisschen länger Down Under bleiben werde? Ich habe absolut keine Ahnung. Denn der beste Plan ist schließlich kein Plan!

 

Weekend-Bloggerin Rafaela Khodai ist als freie Journalistin und Autorin tätig. Ihre große Leidenschaft ist das Schreiben, ihre Lieblingsdestination Südostasien. Ihre Reise-Eindrücke und -Erlebnisse hält sie in ihren Beiträgen fest.

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