Unterwegs in Vietnams buntem Norden

Nicht nur, weil der Norden Vietnams die geschichtsträchtigste und älteste Region des Landes ist, sondern vor allem wegen ihrer traditionsbewussten Einwohner und deren besonderer Kultur ist sie einen Besuch wert.

Reisfelder in Sapa
Reisfelder in Sapa Foto: Laura Engelmann

Etwa 50 Prozent der Einwohner Vietnams leben in dem 800.000 km2 großen nördlichen Teil des Landes. Malerische, sattgrüne und endlos erscheinende Reisterrassen schlängeln sich durch die Hügel im Norden von Vietnam. Etwa 300 Kilometer entfernt von der lauten, quirligen Millionenstadt Hanoi an der Grenze zu China liegt Sa Pa, die Hauptstadt des gleichnamigen Hinterlandes. Zwischen den beiden Orten liegt nicht nur eine fünf Stunden lange Fahrt über holprige, enge Straßen, sondern auch eine ganze Welt. Schon die Anreise ist ein wahres Highlight (wenn man nicht von Reiseübelkeit geplagt ist).

Von der Großstadt in die Natur

Der Großstadttrubel, der eher westliche und moderne Lebensstil und die Enge von Hanoi weichen einer weitläufigen und naturbelassenen Landschaft. Die Lebensformen, wie auch die Vietnamesen selbst, scheinen mit jedem Kilometer, den man hinter sich bringt, traditioneller und bescheidener zu werden. Bei einem Blick aus dem Busfenster wird sofort klar - hier haben Traditionen und Brauchtum einen viel höheren Stellenwert als im Rest von Vietnam. 

Von Europäisierung und vietnamesischen Trachten

Auf den Reisfeldern arbeiten die Einheimischen, ihre Köpfe bedecken sie mit dem Non La, einem aus Reispflanzen geflochtenen Kegelhut. Trug man den Non La früher noch in ganz Vietnam, so wurde er in den Großstädten bereits durch Kappen europäischer und amerikanischer Marken ausgetauscht. Doch nicht nur die Kopfbedeckung ist hier anders, auch die Kleidung der verschiedenen Ethnien im Norden Vietnams ist von Tradition geprägt. Unterscheiden lassen sich die vielen verschiedenen Bergvölker (für uns) vor allem durch die Muster und Farben der Trachten. So tragen die Red Daos beispielsweise Röcke und Kleider mit roten und weißen Nähten, silbernen Münzen und Quasten. Während sich die Garderobe der Hmong durch Neonfarben und Streifen auszeichnet.

In mühevoller Kleinstarbeit besticken vietnamesische Frauen die bunten Kleidungsstücke, wobei die Muster keinesfalls willkürlich gewählt werden. Die Motive auf den Stoffen erzählen meist Geschichten über das Land oder die Familie. "Die Kleider müssen so zum Menschen passen, wie der Mensch zur Landschaft passen muss", sagte einmal der chinesische Gelehrte Li Liweng. Und das tun sie hier in Vietnam. Mehr als sonst wo. Statt der wenig individuellen Mode, die wir in den meisten europäischen Städten oft sehen, den schwarzen Hosen und weißen Blusen, tragen die Menschen hier bunte Kleidung, die von ihrem Leben erzählt, die ihre Verbundenheit zur Natur, ihre Werte und Traditionen widerspiegelt.

Frau mit Non La
Der Kegelhut Non La Foto: Laura Engelmann

Sa Pa: Touristenhochburg und Erholungsoase mit Tradition 

Sa Pa ist längst kein Geheimtipp mehr, sondern mittlerweile (leider) zu einer Touristenhochburg geworden. Die schlichte Lebensweise, die wunderschönen Reisfelder und Trachten, die Kunstwerken ähneln, ziehen jedes Jahr Millionen von Reiselustigen an. Doch trotz der vielen Touristen hat man hier in den Bergen immer noch das Gefühl, dass die Uhr stehen geblieben ist - oder zumindest ein bisschen langsamer tickt, was die Region zu einer wahren Erholungsoase macht. Traditionen und Werte werden hier noch gelebt, andere Generationen respektiert und die Umwelt wertgeschätzt - und all das drücken die Vietnamesen durch ihre farbenprächtige Kleidung aus. 

Frauen in Nordvietnam
Ureinwohner der Region Sapa Foto: Laura Engelmann

Weekend-Redakteurin und -Bloggerin Laura Engelmann hat ein Faible für Südostasien. Ihre Reisen, die sie mit ihrem Rucksack bestreitet, führten sie bereits in verborgene Ecken und abgeschiedene Winkel beliebter Länder. In ihrem Blog hält sie ihre Eindrücke und Erlebnisse fest.

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