Impressionen von der Vienna Autoshow

Das neue Jahr fängt gut an – mit Neuigkeiten von der Vienna Autoshow und in den Worten der Veranstalter “die starke, lebendige Faszination, Automobil”. Nichts wie hin!

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Foto: Carmen Bischof

Die erste Vienna Autoshow

Die Vienna Autoshow mag ich seit Jahren, obwohl sie so gut besucht ist, dass man Platzangst bekommt, und der Start schwierig war. 2005 brachte Alfa Romeo mit dem Brera endlich wieder ein heißes Sportauto auf den Markt. Nach den ersten Fotos war klar: Den muss ich sehen.

Damals bin ich das erste Mal auf die Vienna Autoshow gepilgert, und zu meinem Erstaunen war ich keineswegs die einzige, die mit dieser guten Idee zum Messegelände aufgebrochen ist. Die zeitgleich stattfindende Ferienmesse lockt zusätzlich Publikum an, und die meisten scheinen die Messe nach dem Motto zu besuchen, dass sie auf alle Fälle den Eintrittspreis wieder hereinholen und wirklich alle Messestände ablaufen müssen.

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Foto: Messe Wien Pressefoto

Schnurstracks zu Alfa ging aufgrund der Menschenmassen nicht, aber nach einer guten Stunde war ich dort. Endlich. Nur ich, der rote Brera, ein paar Autoverkäufer von Alfa Romeo und – Messegirls. Letztere waren von Alfa ausgesucht worden und wiesen ähnliche Kurven auf wie der Brera. Die Outfits waren in “Rosso Alfa”, dem klassischen Rot, gehalten und zeigten am Dekolleté dasselbe tiefe V mit Querstreben und Logo wie die Front des Autos. Die Aufgabe der Mädchen: sich mit den in der Schlange stehenden Autofans ins Auto setzen, freundlich lächeln und gut aussehen.

Auch ich stelle mich in der Schlange an. Schließlich ist die Reihe an mir.

Der Autoverkäufer räuspert sich.
"Beifahrer- oder Fahrerseite?", fragt er.
"Fahrerseite natürlich, drüben seh' ich ja nix", antworte ich.
"Soll sich eine unserer Damen zu Ihnen setzen?", hakt er überflüssigerweise nach.
"Wenn sie möchte", antworte ich großzügig, "mich interessiert jedenfalls das Auto."

Wieso Autohersteller sich hartnäckig und hirnrissig darauf kaprizieren, auch das schönste Auto mit Marketingmethoden aus den frühen Fünfzigern unters Volk zu bringen, wird mir ewig schleierhaft bleiben.

Die Vienna Autoshow 2018

Auch heuer wartet die Vienna Autoshow mit einigen Leckerbissen auf. Alfa ist da, Abarth auch - und Alpine. Und damit sind wir noch nicht einmal bei B wie Bentley und Bugatti!

Schon nach den ersten Schritten ist klar: Auch heuer ist vermutlich wieder ein Besucherrekord zu erwarten. Der Statistik nach hat die Vienna Autoshow jedes Jahr 150.000 Besucher, und heuer haben sich alle entschlossen, gemeinsam mit mir am Sonntag den Besuch einzuplanen. Draußen auf den Wiener Straßen liegt der Schnee auf den Autos, in den Messehallen werden sie im Minutentakt poliert. Es ist schwer, sich im Gewimmel seinen Weg durch die Menschenmenge und hin zu den Automobilen zu bahnen.

Gleich nach dem Eingang trumpft Volkswagen auf und zeigt auf großzügig bemessener Fläche den gesamten verfügbaren Fuhrpark gleich mehrmals. Von A wie Amarok bis V wie Variant sind alle da, der Touareg gleich mehrmals in unterschiedlichen Ausstattungen und Motorisierungen. Daneben lockt eine wirklich hübsch geratene i-Studie. Der Dieselskandal? Längst vergeben und vergessen.

Weiter geht es mit Audi, Seat, Skoda, Porsche – also eigentlich auch Volkswagen. Wir kämpfen uns in die nächste Halle durch. Das Konzept der Autoshow folgt demokratischen Prinzipien. Die Autos stehen zwar nach Marken geordnet, aber wie im echten Straßenverkehr findet man Maserati neben Dacia, Renault neben Ford. Bei Ford zeigt man von Kleinwagen wie dem Fiesta bis hin zu Größen wie Kuga alles, was das Herz begehrt - auch einen orange-farbenen Mustang und gleich daneben einen von allen Unnötigkeiten befreiten Rallye-Ford. In letzteren darf man zu meinem größten Bedauern nicht einsteigen, nur durch das kleine Schiebefenster kann man ins Wageninnere schnuppern, in dem es nach Benzin, Schweiß und Tränen riecht. Auch ein wunderbar poliertes Wagenherz präsentiert Ford.

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Foto: Carmen Bischof

Mini erinnert sich mit einer Verbeugung an die große beziehungsweise kleine Vergangenheit und hat auch dem Urgroßvater der heutigen Minis einen Platz am Messestand eingeräumt. Auch hier: Menschenmassen. Hier ganz besonders: selige Gesichter. Es macht Spaß, den Leuten zuzusehen. Sie stellen sich geduldig an, um in einem Auto zumindest probesitzen zu dürfen. Dann lassen sie sich in den Sitz gleiten, streicheln das Lenkrad, atmen tief den Geruch von neuem Auto ein und lächeln.

Wer auch immer sich vornimmt, unsere Liebe zum Auto und zum Individualverkehr zu beeinflussen, muss an unseren Emotionen ansetzen. Rationale Fragen a la "Wie oft brauchen Sie in Wien Ihr Auto schon? Wieviel Prozent der Zeit steht es nur herum? Brauchen Sie es überhaupt oder können Sie es nicht einfach bei Bedarf ausborgen?" führen zu nichts. In einer solchen Diskussion habe ich einen besonders renitenten Vertreter des Car-Sharings einmal ketzerischerweise gefragt, wieviel Prozent seiner Wachzeit er denn üblicherweise mit seiner Frau verbringt, und ob er sich für die Dreiviertelstunde am Morgen, die zwei Stunden am Abend vor dem TV-Gerät und den halben Samstag und den ganzen Sonntag nicht einfach eine Frau ausborgen möchte. Er hat das gar nicht lustig gefunden.

Mein Humor kommt bei rational denkenden Menschen immer schlecht an, weil sie immer gleich denken, ich will sie verändern. Nichts liegt mir ferner, die Menschen sollen bleiben wie sie sind, sie sollen nur mich in Ruhe lassen.

Wenn ich hingegen das Konzept der Messe beeinflussen könnte, würde ich zwei Dinge ändern.

Erstens: die gleichzeitig stattfindende Ferienmesse abkoppeln. Nicht falsch verstehen – ich liebe das Reisen und will die Messe nicht umbringen. Ich finde nur, dass sowohl das Thema Autos als auch das Thema Urlaub eine eigene Messe und mehr Platz verdienen. Derzeit zwängen sich zu viele Aussteller auf zu wenig Platz, und bei vielen Besuchern hat man das Gefühl, dass sie auf eine Messe gehen wollten und dann zwangshalber desinteressiert auch durch die zweite schlendern, um den Eintrittspreis zu amortisieren.

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Foto: Carmen Bischof

Zweitens träume ich von einer reinen Erwachsenenmesse. Wenn ich Kinder mit einem Überraschungsei in der Hand und Schokofingern in brandneue Autos steigen und mit den Schuhen auf die feinen Ledersitze klettern sehe, tun mir die Autos leid. Die wohlwollend dreinblickenden Eltern, die auch noch stolz auf ihren Nachwuchs sind, verstehe ich schon gar nicht. Meinetwegen soll jeder in seinem eigenen Auto tun, was er will, aber in neuen Autos bitte lieber nicht. 400 Neuwagen von 40 Automarken, und in jedem der Neuwagen sind zumindest 100 Leute pro Tag gesessen.

Für den Schluss habe ich mir den Abstecher zu den Italienern aufgehoben. Alfa Romeo hat sich gottlob von Damen in engen Kleidern verabschiedet und stellt die Autos in den Vordergrund. Mit den Highlights Giulia und 4C könnten aus meiner Sicht auch nicht einmal die schönsten weiblichen Reize mithalten, aber ich bin ja befangen, wenn es um gut geformtes Blech geht. Zum Abschied also ein letzter wehmütiger Blick auf die heiße Front der Giulia.

Auf Wiedersehen und bis nächstes Jahr, Vienna Autoshow!

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Foto: Carmen Bischof

 

Carmen Bischof ist gebürtige Murauerin ("die Stadt mit dem besten Bier", betont sie!), beruflich und privat gerne auf Reisen, beruflich in Sachen Vertriebssteuerung für die Senzor Industries AB aus Schweden unterwegs und privat auf der Suche nach schönen Orten, gutem Bier und lässigen Aktivitäten.

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