Vergessene Gemüsesorten: Helft den Pflanzen!

Topinambur Bianca, Zuckerwurzel, Knollenziest, Langer Erwin: Wer kennt diese Gemüsesorten? Vielen sind sie unbekannt. Der Rottenbacher Pflanzenbörse ist es seit 24 Jahren ein Anliegen, diese alten Sorten wieder bekannt zu machen.

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Blüte der Haferwurzel, der Wurzel essbar ist. Ein leckeres Wintergemüse! Foto: Kons. Mag. Claudia Ortner
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Bild von der Rottenbacher Pflanzenbörse 2012 Foto: Kons. Mag. Claudia Ortner

"Helft den Pflanzen" heißt ein Buch von Nancy Arrowsmith, der Begründerin des Vereins Arche Noah – der Gesellschaft zur Erhaltung der Kulturpflanzenvielfalt. Als ich dieses Werk vor über 26 Jahren las, war mir klar, dass ich als Biologin und Gärtnerin in diese Richtung unbedingt aktiv und bei der Arche Noah Mitglied werden wollte. Bald darauf beantragte ich die Mitgliedschaft bei diesem Verein. Und zum Aktiv-werden erhielt ich bereits ein paar Monate später Gelegenheit. Ich fand in meinem neuen Wohnsitz in Rottenbach/OÖ Mitstreiter und gemeinsam mit dem damaligen VS-Direktor Lettner Rudolf, Greinegger Walter, Reichenwallner Sonja und Kroiss Doris wurde 1994 die 1. Rottenbacher Pflanzenbörse organisiert.

Alte, in Vergessenheit geratene Sorten sollten ganz im Sinne der Arche Noah beschützt, gehegt und gepflegt und weiter vermehrt werden. Als wir weitere Helfer bzw. Aussteller/Gärtner suchten, meinte eine Dame, so ein Markt sei in Rottenbach nicht notwendig, die Menschen würden eh über den Gartenzaun zusammentauschen. Dies ließ uns anfangs an unserem Vorhaben zweifeln. Würden wir wirklich genügend Interessierte und Besucher finden? Aber wir ließen uns von dieser und manch anderen negativen Meldungen nicht abhalten. Witzig war, dass gerade diese oben zitierte Frau dabei ertappt wurde, wie sie am Börsentag mit einer ganzen Scheibtruhe von Pflanzen von unserem Markt heimmarschierte. Aber das war auch verständlich, denn was da an Besonderheiten aus den alten Bauerngärten dargeboten wurde, war echt eine Sensation. Die Sammelleidenschaft wurde bei vielen geweckt und die grünen Daumen zuckten ganz verrückt.

Diese erste Börse war ein Erfolg. Wir machten weiter. Und die steigenden Besucher- und Ausstellerzahlen in den kommenden Jahren zeigten, dass die Menschen mehr als grünen englischen Rasen und eintönige Thujenhecken wollten. Alte Bauerngartenpflanzen, wie Mutterkraut, seltene Glockenblumen, Astern und winterharte ausdauernde Sonnenblumen-Sorten wurden getauscht, genauso wie Wildpflanzen, Kürbisse, Zier- und Wildsträucher, Zimmerpflanzen und alte Gemüsesorten, wie Topinambur, Knollenziest und Haferwurzel.

Für die Wildpflanzen entwickelte sich die junge, mittlerweile leider schon verstorbene Rebecca Rössler zur Expertin. Überall in Österreich war sie auf Sammeltour. Seltene Wildpflanzen, vor allem die Wildrosen hatten es ihr angetan, und wurden in ihrem Reich in der Tolleterau vermehrt. Ihre Mutter Maria hat ihr Werk fortgesetzt. Beide waren von Anbeginn bei unserer Pflanzenbörse dabei.

Auch sie bemerkten wie unser Team die Sehnsucht der Menschen nach den alten Sorten, nach mehr Grün und mehr bunten Blumen ums Haus. Unsere Pflanzenbörse konnte diese Sehnsucht stillen. Kamen die Besucher dazu auch von weit her, ebenso wie einige Aussteller. Sogar aus dem Mühlviertel, sogar aus dem Salzkammergut reisten sie an. Und in vielen Orten folgten Nachahmer. Andere hat es schon vorher gegeben, von denen erfuhren wir schön langsam. Dies sollte uns nur recht sein, denn damit konnte man den Pflanzen helfen. Auch die Gartenzeitschriften, die Gärtnereien und die Gartencenter erkannten diesen Trend.

Verbindungen wurden gleich zu Beginn zur Arche Noah in Schiltern geknüpft. Auf der Börse gibt es natürlich immer einen Info-Tisch über diesen tollen Verein. Viele Arche-Noah-Mitglieder und Erhalterinnen fanden sich seither bei der Börse ein und bereichern mit ihren Raritäten an alten Tomaten- und Gemüsesorten, Duft-Pelargonien, Heilkräutern und vom Aussterben bedrohten Wildpflanzen unsere Rottenbacher Pflanzenbörse.

Eine riesige Pflanzen-Vielfalt!

So tauschen die Rottenbacher und ihre Freunde nun seit 24 Jahren jeden letzten Samstag im September, was in den Gärten der privaten Aussteller prächtig gedeiht. Aber nicht nur das Tauschen von Pflanzen, Samen, Gartenfrüchten usw. steht am Programm. Auch Gartengespräche und Fachsimpeln über die Blumen und Gartenwissen, Pflanzenbestimmungen, Umweltthemen kommen dabei auch zu kurz. Und mancher Besucher schwärmt von der netten familiären Atmosphäre, die es hier bei uns gibt.

Da ist was Wahres dran!

Da sind die Aussteller – die Urgesteine, von denen manche seit Anbeginn dabei sind. Da sind die Besucher – manche von ihnen mittlerweile zu guten Bekannten oder gar zu Freunden geworden, von denen man einige wenigstens zu diesem Termin wieder trifft. Etwas ganz Besonderes ist es, wenn uns zu Vorträgen oder unserem 10- und 20-Jahr-Jubiläen der Biogärtner der Nation, Karl Ploberger besuchte. Da verzeichnet man natürlich einige Besucher mehr. Und die Gäste, sowie der Stargast bleiben gerne etwas länger, fachsimpeln intensiver und merken dabei gar nicht wie die Zeit vergeht.

Nächstes Jahr also Silbernes Jubiläum! 25 Jahre Rottenbacher Pflanzenbörse.

Schon eine tolle Leistung. Eine Leistung, die sogar schon mal von "oben" gewürdigt wurde. 1995 erhielten wir vom Land Oberösterreich im Rahmen des "Wettbewerbs der Ideen" den 2. Platz zuerkannt. Darüber und über viele positive Rückmeldungen darf man sich schon freuen.

Aber es sind nicht nur die Pflanzen und die Menschen mit den grünen, bunten Daumen, die diesen Pflanzenmarkt zu etwas Besonderem machen. Zu dieser gemütlichen Atmosphäre trägt natürlich auch ein tolles Buffet mit hausgemachten Mehlspeisen und der traditionellen Kürbiscremesuppe bei. Und natürlich ein hervorragendes Pflanzenbörse-Team, das großartig zusammenhält und dem viele weitere Rottenbacher als Helfer beim Aufbau und beim Buffet zur Seite stehen. Selbstverständlich schenken wir beim Buffet nur biologisch angebauten und fair gehandelten Kaffee aus.

Nachhaltigkeit, Regionalität, Saisonalität, Fairer Handel und Ökologie sind uns ein großes Anliegen und daher schauen wir auch bei der Wahl  unserer Sponosoren auf diese Werte.

Aber am besten wär es, wenn sich jeder selbst ein Bild macht und vorbeischaut. Und falls Rottenbach von Eurer Heimat zu weit weg ist: Vielleicht findet sich ja ein Pflanzenmarkt auch in eurer Gegend, oder ihr organisiert selbst einen mit Freunden und Gleichgesinnten.

Und absolut empfehlenswert: Schaut im Schaugarten der Arche Noah in Schloß Schiltern im wunderschönen Waldviertel vorbei. Die Kittenberger Gärten könnt ihr zum Drüberstreuen auch gleich mitnehmen. Und ich bin mir sicher, dass ihr von diesem wunderschönen, pflanzenreichen Tagesausflug für immer begeistert sein werdet.

 

Die Kraft der Natur zu nutzen, um mit sich und der Umwelt ins Reine zu kommen, ist Weekend-Bloggerin Claudia Ortner ein besonderes Anliegen. Auf weekend.at gibt die Oberösterreicherin Tipps, damit ein Leben im Namen der Nachhaltigkeit besser gelingt.

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