Trip to Paradise – aus dem Leben einer Digitalen Nomadin

Von schmerzhaften Abschieden und warum ich trotzdem nicht darauf verzichten möchte.

Rafaela Khodei
Foto: Rafaela Khodei

Es ist gerade mal eine Woche her. Eine Woche, seit ich die Hafenstadt Da Nang in Vietnam verlassen habe. Die Stadt, die für nur drei Monate mein Zuhause war, und die zu verlassen mir so viel schwerer gefallen ist als damals die Abreise von Wien – wo ich ganze zwei Jahre verbracht habe.

Seit fünf Monaten bin ich quasi heimatlos, ziehe durch Südostasien, mit meinem Laptop und einem zum Bersten vollgestopften Koffer als Gepäck. „Digitale Nomadin“, das ist die hochtrabende Bezeichnung für Menschen wie mich, die langsam reisen, von unterwegs arbeiten, monatelang an einem Ort verweilen, bevor sie schließlich weiterziehen. Ich bewege mich zwischen Einheimischem und Reisendem, Tourist und Expat. Sind es die besten Seiten dieser Charaktere, die ich erlebe, oder die schlechtesten? Ich weiß es nicht, noch nicht.

Lokaler Markt und Zuhause-Gefühl

Einerseits habe ich jede Menge Zeit, um die Gegend, in der ich lebe, auch wirklich zu erleben. Habe eine Gemüsefrau am lokalen Markt und ein Lieblingsrestaurant, in das sich üblicherweise keine Touristen verirren. Schließe Freundschaften, die sich nicht ortsbedingt auflösen, während sie noch am Entstehen sind. Kann Ausflüge in die Fremde machen und am Abend in die eigenen vier Wände heimkehren, nicht in den Un-Komfort eines anonymen Hotelzimmers.

Rafaela Khodei
Foto: Rafaela Khodei

Andererseits sind die Abschiede umso schmerzhafter, je länger ich an einem Ort verweile. Sobald ich mich orientiert habe, Lieblingsspots gefunden und lokale Kniffe erlernt habe, bitte und danke in der Landessprache sagen kann, breche ich meine Zelte ab und ziehe weiter. An einen neuen Ort, mit neuen Herausforderungen, neuen Gepflogenheiten, einer neuen Sprache.

Neuorientierung gefordert

Bali, das ist der neue Ort für mich. Und trotz der postkartenperfekten Strände, der chilligen Surfer-Mentalität und des guten Essens denke ich wehmütig an mein letztes Zuhause, an Da Nang, zurück. An die Freundschaften, die dort entstanden sind. Den sauren Geschmack der Passionsfrüchte, die Süße der gelben Mangos. Das Gefühl der Freiheit, wenn ich mit meinem Roller über den Wolkenpass fuhr, irgendwohin, an einen Strand, in eine fremde Stadt, neuen Abenteuern entgegen, wissend, dass mein Zuhause auf Zeit auf mich warten würde. An die winzig kleinen Kätzchen, die ich für eine Weile hatte. An den romantischen Charme der Laternenstadt Hoi An, erlebt mit meinem Freund, an unserem letzten gemeinsamen Wochenende.

Rafaela Khodei
Foto: Rafaela Khodei

Warum ich nicht einfach geblieben bin? Warum ich jetzt in Canggu, Bali, in einem Cafe sitze, mit Blick auf steinerne Tempel und Reisterrassen, und der Vergangenheit nachtrauere? Weil sich die Welt weiterbewegt, weil ich mich weiterbewegen will. Weil unsere Erinnerungen eindimensional sind, nur das Schöne herausheben, oder nur das Schlechte. Weil ich mich in Da Nang auch mal so verloren gefühlt habe wie jetzt in Canggu. Weil alles Gute Zeit und Arbeit und Motivation braucht – und weil ich weiß, dass ich dieses Zuhause, das ich jetzt hier habe, irgendwann ebenso schmerzhaft vermissen werde wie das in Vietnam. Weil ich irgendwann, in drei Monaten, in Borneo, sitzen und sehnsüchtig an Bali denken werde.

 

Weekend-Bloggerin Rafaela Khodai ist als freie Journalistin und Autorin tätig. Ihre große Leidenschaft ist das Schreiben, ihre Lieblingsdestination Südostasien. Ihre Reise-Eindrücke und -Erlebnisse hält sie in ihren Beiträgen fest.

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