Phils Papa-Blog: Der Ton macht die Musik, auch bei den Kleinen

Ein benachbartes Eltern-Paar kennt nur den harschen Befehls-Ton. Ich selbst möchte lieber, dass mein Junior zwischen wichtig und unwichtig zu unterscheiden lernt.

Kind Tablet
Nicht immer sind es nur die Worte, die Kinder verletzen Foto: Khosrork/iStock/Thinkstock

"Kumm jetzt her do!" ... "Wos hob i denn g'sogt?" ... "Jetzt tua amoi, wos wir sog'n!"

Mit der Familie, deren Garten an unseren grenzt, haben wir nicht viel zu tun. Ich kenne nicht einmal ihre Namen – sie wohnen eine Straße weiter, man sieht sich also praktisch nie. Aber über die meterhohe Hecke tönen die Umgangsformen der Eltern mit ihren Kindern natürlich sehr wohl durch.

Andere Vorstellungen

Ob man will oder nicht, ganz entziehen kann man sich den Erziehungsmethoden, der Wortwahl und dem Tonfall anderer Eltern nicht. Und wenn sie den eigenen Vorstellungen diametral gegenüber stehen, fallen sie einem umso mehr (unangenehm) auf. Und es schließt sich die Frage an: Was tun – ist es genug, nur den Kopf zu schütteln?

Man will ja auch selbst nicht, dass einem Fremde in die Erziehung reinreden.

In diesem speziellen Fall machen die Kids auf mich dennoch einen relativ fröhlichen Eindruck – nur, wenn ihnen beim Fußballspielen im Garten ein Ball auf unsere Seite fliegt, kommen sie doch nicht zu uns, sondern warten im Zweifel lieber, bis fünf Bälle herüben liegen oder wir sie entdeckt haben und wieder zurückwerfen.

Ich halte mich raus

Der Westentaschen-Psychologe in mir hätte genug Interpretationen dieses Verhaltens auf Lager, die allesamt stimmen könnten oder auch nicht; es wäre aber in jedem Fall unseriös diese zu äußern und vor allem ein Unding, die Nachbarn – so sehr ich auch ihre Umgangsformen missbillige – damit zu konfrontieren. Was soll ich auch sagen?

"Tschuldigung, ich kenne Sie eigentlich gar nicht, aber ich halte Sie für ...?"

Also: So sehr es mich befremdet, dass da drüben ohne Genierer für die ganze Nachbarschaft deutlich hörbar ein nicht gerade liebevoller Ton herrscht: Ich habe in Wahrheit keine Berechtigung, in irgendeiner Form einzugreifen. Darum lasse ich es auch bleiben. Ich kann nur versuchen, es bei meinem Junior anders (und hoffentlich besser) zu machen.

Unterscheiden können

Mir ist es grundsätzlich egal, was andere von mir halten. Es geht mit hierbei vor allem um die Vorbildwirkung – und auch, dass ich für meinen Zweijährigen berechenbar bin und bleibe. Wenn ich in erhöhter Lautstärke und scharfem Ton "Stop!" rufe, dann weiß er, dass er wirklich stehen bleiben muss. Das funktioniert auch.

Etwa, wenn er ohne zu schauen auf die Straße zu rennen droht.

Wir wohnen gottlob in einer Wohnstraße, wo nur alle heilige Zeiten mal ein Fahrzeug vorbeifährt, aber da geht es um's Prinzip. Aber soll ich ihn wirklich scharf anpflaumen, wenn er im Garten spielt, und ich will, dass er hereinkommt? Das kann man wirklich entspannter lösen, finde ich. Da geht's nicht um Gefahrenvermeidung, sondern um Befindlichkeiten.

Der Ton macht die Musik

Wenn ich mit der gleichen Schärfe spreche, egal ob etwas wirklich wichtig ist oder nicht – wie soll mein Sohn dann jemals zu unterscheiden lernen? Zumal ihm die Vielfalt der Kommunikationsformen ja auch im Umgang mit anderen Kindern bzw. ganz generell anderen Menschen weiterbringt. Die Kleinen sollen ruhig wissen, dass es der Ton ist, der die Musik macht.

Das hilft beim Spielen im Sandkasten genauso wie im späteren Leben, finde ich.
 

Weekend-Redakteur Philipp Eitzinger ist mit Herz und Seele Fußball-Fan, Ehemann – und Vater. Und wie es sich für einen wahren Sport-Anhänger gehört, ist der Oberösterreicher auch wenn es um seine Familie geht mittendrin statt nur dabei. Exklusiv für weekend.at schildert er den gleichermaßen erfüllenden wie hektischen elterlichen Alltag zwischen Krabbelstube und Kinderzimmer, Badewanne und Warteraum – heiter bis nachdenklich.

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