R wie Dornbirn

Mit diesem Eintrag möchte ich euch einen Blick hinter die Kulissen der wohl schrägsten integrativen Theatergruppe Österreichs gewähren. Ihr Name lautet "Lichtpunkt". Im Oktober feierten wir die Premiere unseres neuen (selbstgeschriebenen) Stücks "R Wie Dornbirn". Was sich währenddessen auf und hinter der Bühne abspielte, erfahrt ihr hier.

Theaterspielen Coverbild 1
Foto: Herma Raid

Die Theatergruppe besteht aus sechs Schauspielerinnen mit geistiger/körperlicher Behinderung, meiner Mutter (Regisseurin, Leiterin, Organisatorin ...) und mir. Es gibt es schon seit einigen Jahren. Es kamen immer wieder neue Leute dazu, und manche gingen auch wieder. Für die jetzigen Spielerinnen habe ich mir Namen ausgedacht, um ihre Identität zu schützen. Darf ich vorstellen: Die Diva, Frau General, Die Fee, Der Metalhead, Die Punkrockerin, Der Star.

Vor der Aufführung herrscht bei uns immer großer Trubel, und alle sind wahnsinnig nervös. Zum Glück durften wir das Stück vor der Aufführung noch einmal auf der Bühne proben. Es lief dort zwar nicht alles nach Plan, aber macht doch nichts - wenn die Generalprobe schlecht ist, dann wird die Aufführung gut. Heißt es zumindest im Theater. Vermutlich nur, damit die Schauspieler wenigstens den winzigen Teil ihrer Nerven, den sie während den Proben noch nicht verloren haben, nicht auch noch wegschmeißen.

Wir warteten also gespannt im Backstage- Bereich. Die einen wurden geschminkt, die anderen zogen sich um, und ich aß Schokolade, während ich gemeinsam mit dem Techniker versuchte, unseren Laptop an die Lautsprecher anzuschließen (klingt leichter als es war!). Aber nicht lange, denn bald kamen Freunde von mir, und ich unterhielt mich mit ihnen. So verging die Zeit bis zum Beginn der Aufführung wie im Flug. Die Punkerin und ich saßen gemeinsam mit dem Metalhead am Rand der Bühne, und wir versuchten, nicht komplett durchzudrehen. So kurz vor dem Auftritt liegen die Nerven bei uns immer endgültig blank. Mir wurde dann auch wie immer schlecht, und ich wollte es einfach hinter mich bringen.

Nach unserem traditionellen Gruppen-Glückwunsch-Ding war der Moment gekommen, auf die Bühne zu gehen und eine super Performance hinzulegen. Ob das gelang, kann ich nicht beurteilen. Was ich jedoch sagen kann ist: Wir spielten teilweise - ebenso wie bei den Proben - nicht nach dem Skript. Immerhin können wir - wenn schon nicht den Text - wenigstens improvisieren. Das Stück endete damit, dass wir alle unsere Zettel fortschmissen und zu dem Lied "Tanz um dein Leben" wie wild auf der Bühne herumhüpften. Natürlich mit Rosen und Sekt.

Wir bekamen sehr viel Lob für unseren Auftritt. Das tat uns allen gut. An diesem Abend hatte noch eine Theatergruppe nach uns einen Auftritt. Es war eine Senioren-Theatergruppe. Von dieser konnten alle ihren Text komplett auswendig. Sie gaben ihre lange vorher einstudierten Zeilen zum Besten und überzeugten mit einer perfekten Darstellung. Mir persönlich ist jedoch ein bisschen Chaos und Leben im Stück lieber. Wie seht ihr das?

 

Kunst, Musik, Schreiben und Reisen sind die großen Leidenschaften von Weekend-Bloggerin Luna Levay. Die aus Bregenz stammende Schülerin begeistert sich für Sport und sammelt Schallplatten. Für weekend.at schreibt sie über ihre Erlebnisse und Eindrücke - auf Reisen wie daheim.

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