Thailand – das Land des Lächelns und des tosenden Verkehrs

Wem Gott will rechte Gunst erweisen, so sagt man, den schickt er ihn die weite Welt. Und diejenigen, die er für ein besonders anstrengendes Jahr entschädigen möchte, entsendet er im Winter ins warme Südostasien.

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Foto: Carmen Bischof

Alles, was Räder hat, fährt

Jede Fernreise beginnt mit einer Fahrt. Nach einer mehr oder weniger durchwachten Nacht im Flugzeug landet man endlich und schaut gespannt aus der kleinen Fensterluke in ein fremdes Land. Schon die Landebahnen sehen anders aus: Vorbei ist es mit der Dominanz der gelb-blauen Lufthansa-Kraniche. Am Flughafen Bangkok stehen vor allem Fluglinien, die wir mit Urlaub und Erholung verbinden und nicht mit dem Rote-Augen-Morgen-Geschäftsflug von Wien nach Frankfurt.

Unser Jumbojet rollt gemählich vorbei an ähnlich großen Kollegen von Thai Air, Singapore Airlines, Vietnam Airlines, Hong Kong Airlines, Emirates, Air Asia, ANA. Sogar eine Air Seychelles und eine Thai Smile gibt es. Die Fahrt hat ein Ende, wir docken an und steigen aus.

Der erste Mensch, dem ich in Thailand begegne, ist eine zierliche Frau, die am Gate steht und deren Funktion anscheinend darin besteht, die bleichen Europäer zu begrüßen und auf das Land einzustimmen. "Hot!" fasse ich für den schwedischen Liebsten meinen ersten Eindruck zusammen. Das Ein-Frau-Empfangskomitee faltet die Hände vor der Brust zum Gruß und lacht: "Veeeeryyyy hoooooooot!"

Im Taxi erhalten wir einen ersten Eindruck vom Verkehr in Thailand. Seit dem letzten Mal scheint sich nichts geändert zu haben.

Asien plus England ergibt linksgedrehtes Chaos

Auf allen Reisen bisher hat sich Thailand als wundervolles, warmes und freundliches Land erwiesen. Es hat nur drei Nachteile, alle davon verkehrsbedingt.

Der erste Nachteil ist gleich der größte: Wie viele andere schöne Länder blickt auch Thailand auf eine längere Zeit unter britischem Einfluss zurück. Der Verkehr fließt also linksherum – eine Richtungsverwirrung, die mir schon beim Walzertanzen gröbste Probleme bereitet. Im thailändischen Verkehrsgewirr gibt es nur leider keine Bar, an die man sich jederzeit flüchten kann, wenn einem schwindlig wird.

Der zweite Nachteil verstärkt den ersten: Die Teilnahme am Verkehr ist sehr demokratisch. Alles, was Räder hat, fährt. Ob es nun eine elegante Limousine mit schwarzgetönten Scheiben ist, ein buntes Taxi, ein mutiges Zweirad, ein fahrbarer Essensstand auf dem Weg von oder zur Arbeit oder ein verrückter Tourist auf dem Fahrrad.

Der dritte Nachteil liegt in einer Gemütshaltung, die wir als Mischung aus buddhistischer Gelassenheit und grenzenlosem Optimismus interpretiert haben. Nur so ist es zu erklären, dass sich bis dato stehende Gefährte schlagartig zur Beteiligung am Geschehen entschließen und todesmutig in den Verkehr werfen.

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Foto: Carmen Bischof

Das macht sich nicht unbedingt bezahlt: Im Verhältnis zur Einwohnerzahl liegt Thailand in der Unfallstatistik mit Todesfolge an dritter Stelle. Nur in der dominikanischen Republik und einem kleinen Inselstaat namens Niue sterben mehr Menschen im Straßenverkehr. Wir beschließen, uns fahren zu lassen.

Ein buntes Taxi von vielen bunten Taxis

Im klimatisierten Taxi erholen wir uns vom wunderbaren Schock der plötzlichen Wärme. In Europa rüstet man sich bei frostigen Temperaturen für Weihnachten, in Thailand herrschen 30 Grad und kompletter Festtagswahnsinn. Die Christbäume, an denen wir vorbeifahren, sind zwar aus Plastik, dafür aber höher und blinkender als  in der Heimat. Das künstliche Material verleitet auch zu Farbspielen. Wieso soll ein Christbaum immer nur dunkelgrün sein, wenn er auch silberweiß, knallpink, türkisblau oder goldglänzend sein kann?

Unser Taxilenker führt uns sicher durch den Verkehr, den wir aus dem kühlen Wageninneren vorsichtig beäugen. Taxis sind in Thailand nicht beige, schwarz oder silber, sondern in gut sichtbaren Farben. Pink-metallic ist sehr beliebt, ebenso gelb-grün.

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Foto: Carmen Bischof

Wie die anderen Autos sind auch die Taxis meist asiatischer Herkunft: Toyota, Daihatsu, Nissan, Suzuki und Honda dominieren die Straßen. Damit zwischen den Autos nicht zuviel Platz bleibt, mischen auch Zweiradfahrer und TukTuks kräftig mit – aber die schauen wir uns beim nächsten Mal an.

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Foto: Carmen Bischof

 

Carmen Bischof ist gebürtige Murauerin ("die Stadt mit dem besten Bier", betont sie!), beruflich und privat gerne auf Reisen, beruflich in Sachen Vertriebssteuerung für die Senzor Industries AB aus Schweden unterwegs und privat auf der Suche nach schönen Orten, gutem Bier und lässigen Aktivitäten.

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