Mobilität ganz nah: Ein Ausflug ins Technische Museum

"Mobilität – das verspricht Abenteuer, Geschwindigkeit und Fortschritt! Mit Stillstand wird hingegen Langeweile und Resignation assoziiert", so lockt das Technische Museum, und ich folge dem Ruf.

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Das Technische Museum  Foto: Carmen Bischof

Näher gibt es Mobilität nicht

Als ich davon höre, dass ich im Technischen Museum ein ganzes Stockwerk der Mobilität gewidmet ist, entscheide ich sofort, dass ich mir das dringend ansehen muss. Aller Liebe zum Auto zum Trotz fahre ich nicht hin. Es wäre auch vermessen, denn von mir bis zum Eingangstor sind es diesmal nur wenige Schritte. Ein Katzensprung eigentlich. Wenn ich mit dem Auto fahren würde, müsste ich vermutlich die dreifache Zeit einplanen, nur um einen Parkplatz zu finden.

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Ford A Foto: Carmen Bischof

3.000 Quadratmeter widmet das Technische Museum der Ausstellung, erfahre ich vor dem Besuch online. Der Hinweg ist leider zu kurz, um mir im Detail auszurechnen, wie viele schöne Autos man auf diesem Platz unterbringen könnte und welche das nun sein würden. Viele, auf alle Fälle. Ein Blick auf den Lageplan belehrt mich, dass die Ausstellung im obersten Stockwerk zu finden ist. Ich gehe zu Fuß, einerseits um die schöne neue Tradition fortzusetzen und andererseits, weil ich zwischen all den riesigen Exponaten aus Stahl und Eisen schlichtweg den Lift nicht finde.

Mobilität. Oder: Alles, was Flügel hat, fliegt.

Oben angekommen, bin ich erst einmal verwirrt. Unter der Glasdecke hängt eine Art Satellit. Daneben ein Doppeldecker-Flugzeug, eine Art sehr entschlackter Hubschrauber und ein Segelflieger. Offensichtlich geht es um Mobilität im weiteren Sinne. Daneben steht ein Christophorus Hubschrauber, der mich schon mehr interessiert. Im echten Leben bekommt man den schließlich nicht so oft zu Gesicht – Gott, viel Glück und vorsichtiger Fahrweise sei Dank.

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Christophorus, Schutzpatron der Autofahrer Foto: Carmen Bischof

Es geht weiter mit der erweiterten Definition von Mobilität. Findige Ausstellungs-Designer haben große Leuchtwürfel mit Slogans über die einzelnen Ausstellungsbereiche gehängt. Über dem Modell eines beeindruckenden Segelschiffs hängt "beherrschen". Offensichtlich sind die Weltmeere gemeint.

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Schiffe, die Weltmeere beherrschen Foto: Carmen Bischof

Über dem Bereich Bahn prangt das Wort "pünktlich", das ich nie im Leben mit der Eisenbahn in Verbindung gebracht hätte. Aber weiter, irgendwo müssen sie doch Autos versteckt haben.

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Pünktlich, schreibt man über die Bahn Foto: Carmen Bischof

Endlich Autos!

Da sind sie. Standesgemäß beginnt man mit einem Ford A. Dieses Auto hat anscheinend die Gunst der Ausstellungsgestalter erworben, weil es mit Alban Berg in Verbindung und somit legitimiert ist.

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Ford A im Instrumentenkasten Foto: Carmen Bischof

Von Steyr und Österreichs ehemaliger Größe im Autobau zeugen vier historische Modelle, darunter ein Steyr Baby und natürlich ein Pucherl. Ein kleines Mädchen an der Hand der Oma liest mit großen Augen. "1938, schau einmal, was war da?" Auf die historisch und politisch korrekte Antwort bin ich gespannt und höre indiskret zu. "Da war die Urli-Oma 21", erklärt die Oma.

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Aus dem Hause Steyr Foto: Carmen Bischof

Ein elektrischer Phaeton zeugt von der langen Geschichte elektrisch getriebener Automobile. Danach warnt das Museum wieder vor den Gefahren und Nachteilen des Autoverkehrs. Ich wandere weiter.

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Endlich Autos! Foto: Carmen Bischof

Ein knallgelber Käfer steht in einer Nische. Ein Auto, das normalerweise im Stadtverkehr jedem ein Lächeln ins Gesicht zaubert. Hier gerät es zur mahnenden Figur. Werden wir Autos bald nur mehr im Museum bewundern dürfen?

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Ein sonnengelber Käfer Foto: Carmen Bischof

Gleich daneben protzt ein Tesla und verlockt die Besucher zu Selfies. Breit lächeln Jugendliche, Frauen und Männer neben dem Luxusschlitten in die Kamera. Auch das Auto grinst. Kurz halte ich Zwiesprache mit ihm und will wissen, ob es ihm im Museum gefällt.

"Selbstverständlich", meint der Tesla, "am besten gefällt mir, dass ich euch nach wie vor mit dem Sexappeal des Autos verführe."

"Deine Kurven."

"Genau. Die inneren Werte, das ist nur zur Gewissensberuhigung. Wichtig ist bei einem Auto, dass es cool und heiß zugleich ausschaut."

"Find ich auch."

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Ein Muskelprotz auf elektrische Art Foto: Carmen Bischof

Dass ich bei meiner ersten Begegnung mit einem Tesla ebenso angetan war vom Äußeren erwähne ich besser nicht. Sonst müsste ich noch erzählen, wie enttäuscht ich auf der Suche nach dem Motor in einen zweiten Kofferraum geblickt habe. Ich lasse die Ausstellung, das Museum und die lärmenden Schülergruppen hinter mir.

Rückweg

Auch der Rückweg ist ein Katzensprung und damit zu kurz, mich lange über diese seltsame Ausstellung zu wundern. Im Internet lese ich nach und bin schlauer: "Um das Thema Mobilität in all seinen Facetten zu vermitteln, zeigen wir Objekte, die unterschiedlicher kaum sein können: Fahrräder und Hubschrauber, Ballonkörbe und Transportpaletten, Jogginghosen und Turnschuhe, Autos und Wackeldackel, Fischbauchschienen und Drohnen, Schiffsmodelle und Eisenbahnwaggons."

Nur ein Petrol Head wie ich kann auf die Idee kommen, dass mitten in Wien ein Museum tatsächlich die Faszination Fahren mit dem Thema Mobilität verbinden darf.

 

Carmen Bischof ist gebürtige Murauerin ("die Stadt mit dem besten Bier", betont sie!), beruflich und privat gerne auf Reisen, beruflich in Sachen Vertriebssteuerung für die Senzor Industries AB aus Schweden unterwegs und privat auf der Suche nach schönen Orten, gutem Bier und lässigen Aktivitäten.

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