Vom Transporter zum rollenden Wohnzimmer

Nun war es soweit: Unser "Magic Bus" kam endlich nach Hause. Die Euphorie war groß, und wir überschlugen uns vor Ideen. Denn auf dem Plan stand eine Fahrt zum Königssee in Berchtesgarden – und das schon in zwei Wochen!

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Foto: Kat

Startschuss für den Bus-Ausbau

Jetzt hieß es – ranhalten! Keine Zeit für Farbkonzepte und Deko-Vorschläge, die ich doch so gerne gleich verwirklicht hätte. Immerhin brauchen wir Mädels ja auch was für's Auge. Aber nix da. Als Erstes kam die Technik dran. Ich musste mich damit begnügen auf später vertröstet zu werden.

Ganz der Stratege ging mein Freund Niko an die Sache heran. Welches Material eignet sich am besten für den Bau des Interieurs? Woher bekommt man es und wieviel will man investieren?

Auswahl des Holzes

Auf der Suche nach passenden Möglichkeiten durchstreiften wir unzählige Baumärkte. Juhu, wir waren definitiv in unserem Element! Hier eine Auflistung der infrage kommenden Platten:

Spanplatte:

Die günstigste Variante – ohne Oberflächenbeschichtung nimmt sie allerdings Umgebungsfeuchtigkeit leicht an und quillt im schlimmsten Fall auf. Alternativ gibt es sie mit Furnier, das eher kratzempfindlich ist, oder Kunstharzbeschichtung. Durch die Verwendung von feinen Spänen ist sie obendrein nicht sehr stabil. Für größere Stücke oder Regale, die schwerere Lasten zu tragen haben, daher nicht so gut geeignet.

OSB-Platte:

Mit 600 bis 700 Kilogramm/pro Kubikmeter "relativ leicht" und in 16 oder 19 Millimeter erhältlich. Ca. 10 Euro pro Quadratmeter kann man rechnen. Die robuste, feuchtigkeitsbeständige Oberfläche muss nicht zusätzlich behandelt werden. Durch die groben Späne ist sie nicht nur tragfähiger, sondern hat auch dekorativen Charakter.

Sperrholz- oder Multiplexplatte (MPX):

Mehrschichtig verleimtes Holz mit sehr schöner aber empfindlicher Oberfläche - daher sollten unbedingt ein Lack aufgetragen oder die melaminharz-beschichtete Variante verwendet werden. Diese ist extrem biegefest und hat spanfreie, glatte Schnittkanten. Wer also etwas tiefer in den Geldbeutel greifen will, ist damit sicher am besten bedient. Ca. 20 bis 40 Euro pro Quadratmeter sollten eingeplant werden.

Alle drei Holzvarianten sind jederzeit in gängigen Baumärkten verfügbar und werden auf Wunsch sogar noch in die richtige Form und Größe gebracht. Wir entschieden uns für OSB-Platten mit 19 Millimeter Stärke und sind bisher sehr zufrieden damit. Die Liegefläche bleibt formstabil, und auch die Abnutzung nach einem Jahr Belastung ist nicht nennenswert. Sogar Tee- und Kaffeeflecken lassen sich ganz einfach entfernen, ohne unschöne Ränder zu hinterlassen.

Der Einbau

Nun ging es an Zuschnitt, Anpassung und Montage. Nikos Skizzen waren zwar nicht ganz so präzise wie man sich das von einem Bauplan erwartet, aber sie erfüllten bravourös ihren Zweck!

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Truhenbau Foto: Kat

Es entstanden zwei Truhen mit aufklappbarem Deckel über den Radkästen (in weiterer Folge haben wir die hinteren Seitenteile entfernt, um auch ohne Bettumbau Zugriff zu haben), zwei kleine entnehmbare Seitenplatten im vorderen Bereich, eine Mittelplatte, die sowohl als Bettgestell als auch als ausziehbarer Tisch genutzt werden kann, und eine Trennwand zur Fahrerkabine mit Wartungsluke, hinter der sich die Technik verbirgt.

Da wir beide keine großartigen Kenntnisse im Möbelbau haben, stand also "Learning by Doing" am Programm. Ganz zum Leidwesen unserer Finger, die sich schon mal den einen oder anderen Span eingezogen hatten. ABER: Das Ergebnis kann sich sehen lassen!

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Innenausbau Foto: Kat

Unter dem Bettgestell befindet sich jede Menge Stauraum für die strombetriebene (12 oder 220 Volt) Kühltruhe von Camry, ausgestattet mit einer Schnellkühl- als auch einer ECO-Funktion und Boxen in unterschiedlichen Größen, um weitere Kleinigkeiten verkehrssicher zu verwahren. Durch die beiden kleineren Seitenplatten im Frontbereich können wir zusätzlich auf einen Indoor-Essplatz zurückgreifen. Sehr angenehm, wenn es draußen regnet und stürmt.

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Stauraum, Verpfelgungsstation und ausziehbare Theke Foto: Kat

Das Bett – kuschelig und gemütlich soll es sein …

… zumindest ist das meine Anforderung an ein Nachtlager, Niko sah das natürlich aus einem anderen Blickwinkel, und so wurde auch die Funktionalität zu einem wichtigen Auswahlkriterium. Von der "normalen" Matratze über Schaumstoffauflagen und klappbare "Besucher -Ungetüme" kamen wir zu der für uns optimalen Lösung: eine Futonmatratze. Entdeckt im Internet bekamen wir sie auch noch völlig gratis. Nur die Abholung aus der schönen Mondsee-Region mussten wir selbst übernehmen. Sie ist zwar nicht ganz so leicht wie manch andere Matratze, hat aber den Vorteil, dass sie sich ganz einfach zusammenklappen lässt und somit auch als Sofa fungiert. Wir lehnen einen Teil an die Innenseite des Busses und haben so eine bequeme Lehne.

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Wohlfühlbett, Benji testet die neue Schlafstätte Foto: Kat

Zum Schlafen verwenden wir Kopfpolster und Decken, haben für den Ernstfall (manchmal wird es nachts ja doch etwas kühl) aber immer unsere Schlafsäcke mit, die wir mittels Zipp zu einem Doppelschlafsack umfunktionieren können. Mit nur 700 Gramm und einem Packmaß von 25 cm x 14 cm werden sie uns auch bei der geplanten Salzkammergut- Seen-Weitwanderung  kommendes Jahr gute Dienste leisten.

In weiterer Folge wird uns das Thema "Heizung" aber sicher noch einiges Kopfzerbrechen bereiten. Welche Heizmöglichkeiten gibt es? Und welche Belüftung bzw. Dämmung ist für eine bestmögliche Wärmeverteilung notwendig? Schließlich wollen wir unseren Bus ganzjährig nutzen können.

PS: Wir konnten übrigens unseren knappen Zeitplan einhalten, und so stand der Reise zum Königssee nichts mehr im Weg.

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Foto: Kat

 

Weekend-Bloggerin Katrin und ihr Freund Niko sind die meiste Zeit des Jahres in ihrem Transporter unterwegs, den sie zu einem Wohnmobil umgebaut haben. Von ihren Eindrücken und Erlebnissen, die die Burgenländerin unterwegs sammelt, berichtet sie regelmäßig auf weekend.at.

Alle Blog-Beiträge von Katrin Ostleitner

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