Ruf der Freiheit - Reisen und Leben im Auto

Lange war es nur ein entfernter Wunsch, dem konventionellen Leben zumindest zeitweise Adieu zu sagen und einen neuen Weg einzuschlagen. Doch wie soll das vonstattengehen? Welche Möglichkeiten gibt es überhaupt, und worauf möchte ich keinesfalls verzichten? Das Ergebnis des "Gedanken-Wirrwarrs": Wir kaufen einen Transporter und machen ihn zu unserem Lebensmittelpunkt. Das war genau vor einem Jahr, und seitdem verbringen wir (mein Freund Niko und unser Hund Benji) viele aufregende Tage und Nächte "on the road".

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Indoorküche, Benji's Höhle Foto: Katrin Ostleitner

Die Idee war geboren ...

... nun ging es an die Umsetzung. Nachdem wir uns für einen Toyota Hiace, der schon ein paar Jahre als fahrbare Werkstatt auf dem Buckel hatte, entschieden haben, kamen die Tüfteleien am Innenausbau und der Technik. Zum Glück habe ich mit Niko einen Allrounder als Partner, der für jede Aufgabe sogleich eine Lösung parat hat. Vielleicht anfangs noch etwas zögerlich kamen die ersten Ausbauarbeiten in Gang.

Es entstanden Truhen, die als Stauraum für sämtliches "Kleinzeugs" und gleichzeitig als Kleiderschrank dienen sowie eine ausziehbare Platte, die ebenso als Unterlage für das 140 Zentimeter breite Futonbett als auch als Küchentisch/Bar/Theke verwendet wird. 

Für die nötige Stromversorgung stehen zwei LKW Batterien bereit. Diese betreiben den Kühlschrank, die Sound-Anlage und Ladegeräte für Handy, Laptop und Co. Da wir dadurch allerdings immer noch auf externe Lademöglichkeiten angewiesen sind, liegt unser momentanes Augenmerk auf der Umsetzung einer autarken Versorgung mittels Solarpanel.

Kurzum: mit ein paar wenigen Handgriffen haben wir ein kleines 2,5 Quadratmeter großes Refugium geschaffen, das uns von der Indoor-Küche bis zum bequemen Doppelbett jeglichen Komfort bietet.

Auch Benji hat einen tollen Kuschelplatz gefunden, den er, sobald es in die Garage geht, sofort einnimmt. Immer mit einem Blick als wolle er sagen: "Und, wie sieht's aus? Wo geht's diesmal hin? Lasst uns doch endlich losfahren!"

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Foto: Katrin Ostleitner

Das "Warum" und wie es funktionieren kann

Da wir leidenschaftlich gerne wandern und neue, außergewöhnliche Orte bereisen, liegt es quasi auf der Hand, mit unserem selbstgebauten "Magic Bus" die Welt zu erkunden. Nachdem wir uns noch in der Test- und Verbesserungsphase befinden, wählen wir vor allem Destinationen in und um Österreich aus. So haben wir gerade ein paar tolle Tage im steiermärkischen Schöcklland hinter uns.

Der Schöckl

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Schöckl Foto: Katrin Ostleitner

Von St. Radegund, einem kleinen Kurort direkt am Fuße des 1445 Meter hohen Grazer Hausbergs, ging es los. Natürlich nicht einfach nur auf der Forststraße - nein, es musste der Alpinsteig sein. Die "Kraxlerei" (Seil und Sicherung sind nicht notwendig) durch die Dolinen wurde mit einer herrlichen Aussicht über das steirische Bergland belohnt. Oben angekommen ging der Spaß gleich weiter. So kann man vom Orientierungslauf über den Motorik-Park, der ausgiebig getestet wurde, bis hin zum "Hexenexpress", einer Sommerrodelbahn, einiges erleben. Auch auf kulinarische Gelüste muss nicht verzichtet werden. Beim Alpengasthof direkt an der Bergstation der Seilbahn gibt's sowohl kleine Snacks als auch deftige Hüttenjausen und gutbürgerliche Küche.

Wer lieber mit dem Rad unterwegs ist, wird auch hier nicht enttäuscht von dannen ziehen, denn neben dem 35 Kilometer langen Radrundweg kann man auch dem Adrenalin-Rausch fröhnen und sich die Downhill-Strecke zurück zur Talstation "hinunterstürzen".

Wieder unten angekommen genossen wir die frühe Abendstimmung im Radegunder Kneipp Meditationsgarten, ein kleiner Rundwanderweg mit etlichen Kneipp-Stationen, Quellen und Kraftorten. Da 18 Uhr anscheindend die perfekte Zeit für den Hundespaziergang ist, hatte auch Benji jede Menge Gelegenheit, neue Bekanntschaften zu schließen.

Unseren Übernachtungsort wählten wir zentral neben der Kirche in St. Radegund. Eine öffentliche Toilette und der "Nah und Frisch"-Markt ums Eck boten somit den nötigen Komfort. Einzig und allein das Läuten der Kirchenglocken konnte die friedliche Nachtruhe ein wenig stören.

Bärenschützklamm

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Foto: Katrin Ostleitner

Noch nicht genug der Wanderungen machten wir uns am nächsten Tag auf die viel beworbene Bärenschützklamm in Mixnitz, eine der schönsten Felsenklammen in Österreich, zu erklimmen.

Im wahrsten Sinne des Wortes, denn von da an ging es über Leitern und Stege steil bergauf. Der Bach, der diese Klamm formt, zog uns förmlich in seinen Bann. Ein wunderbarer Ort, um im Getoße des Wassers neue Energie zu tanken. Gerade an heißen Sommertagen ein Genuss. Am oberen Ende der Klamm lässt die Gegend jedes Wanderherz höher schlagen. So gibt es unzählige Wege, die noch beschritten werden wollen. Wir entschlossen uns, dem steirischen Jokl und Schüsserlbrunn, einer Wallfahrtskirche auf 1363 Meter Höhe, die direkt auf einem Fels-Plateau errichtet wurde, einen Besuch abzustatten. Auch hier wurden wir mit einem spektakulären Fernblick in die Region Sölkpass belohnt.

Da es leider schon später Nachmittag war, mussten wir den Aufstieg zum Gipfelkreuz des Hochlantsch auf ein anderes Mals verschieben, und so wird uns die Region Bruck an der Mur bestimmt bald wieder sehen.

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Gasthaus Steirischer Jokl, Schüsserlbrunn Foto: Katrin Ostleitner

Weekend-Bloggerin Katrin und ihr Freund Niko sind die meiste Zeit des Jahres in ihrem Transporter unterwegs, den sie zu einem Wohnmobil umgebaut haben. Von ihren Eindrücken und Erlebnissen, die die Burgenländerin unterwegs sammelt, berichtet sie regelmäßig auf weekend.at.

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