Neuberg Mürz - Zwischen Glas, Literatur und Almen

Wie? Ihr kennt den Ort nicht? Wir bis vor kurzem auch noch nicht. Das ändert sich allerdings als wir mit unserem "Magic Bus" auf dem Weg nach Mariazell sind. Schon bei der Durchfahrt der kleinen, idyllischen Gemeinde im Mürzer Oberland ist klar: Hier bleiben wir! Der Ötscher muss warten.

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Ausblick von der Schneealm Foto: Marktgemeinde Mürz
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Unser Schlafplatz beim Münster Foto: Kat
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Foto: Kat
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Kaiserliche Glasmanufaktur Foto: Kat

Der Schlafplatz

Wie immer drängt sich die Frage auf, wo können wir übernachten ... Nach einer kurzen Inspektion der Ortschaft werden wir fündig. Direkt neben dem imposanten Münster gibt es Gratis-Parkplätze, eine sehr saubere öffentliche WC-Anlage und nur 100 Meter entfernt einen Spar fürs leibliche Wohl. Perfekt!

Einziger Wermutstropfen: Es schüttet wie aus Eimern. Auch egal, es ist Abend, die Akkus von Laptop und Kindle sind voll, also ab unter die kuschlige Decke, den Camping-Herd gestartet und schon breitet sich der heimelige Kaffeeduft im Bus aus. Danke liebe Bialetti!

Die Ruhe währt allerdings nicht lange, Benji versteht einfach nicht warum heute Faulenzen angesagt ist. Was ist mit dem Abendspaziergang? Damit ist er, wie mir schnell klar wird, nicht alleine. Nikos Bewegungsdrang ist anscheinend ebenfalls noch nicht gestillt. Na toll … dabei will ich doch nur in Ruhe mein Buch lesen und dem Regen lauschen, aber wer kann schon still sitzen, wenn es so herrliche Berge ringsum gibt.

Tja, so ergibt es sich, dass Mann und Hund mit Stirnlampe, Regenjacke und Croqs bewaffnet den Aufstieg zum nahegelegenen Rabenstein antreten, 1.000 Höhenmeter bei strömendem Regen und Dunkelheit. Respekt.

Währenddessen bleibe ich mit meiner Lektüre daheim und genieße das Prasseln des Regens auf dem Autodach. Irgendwann bin ich wohl eingeschlafen, denn als ich aufwache ist da nur der penetrante Geruch nach nassem Hund - herrlich. Man muss eben auch ein paar Abstriche machen, wenn man dem Luxus der Freiheit fröhnen will.

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Unser Schlafplatz beim Münster Foto: Kat

Die Schneealm

Am nächsten Tag haben sich die Wolken verzogen, nur noch leichter Nebel hängt in den Bergen und die einzelnen Sonnenstrahlen lassen auf einen wandertauglichen Tag schließen. Also nichts wie los!

Die Wanderkarte im Ortszentrum zeigt zahlreiche Wege in verschiedensten Schwierigkeitsgraden, und so entscheiden wir uns spontan für eine Tour zum Schneealm-Plateau mit dem weithin sichtbaren Schneealpen-Schutzhaus auf 1.740 Meter. Die erste Etappe startet gemütlich über Kuhweiden zu der "Siebenquelle" und mündet in den steil ansteigenden Karlgraben, den es zu bewältigen gilt. Serpentinenartig schlängelt sich der Steig durch Wälder über Felsformationen bis zur Baumgrenze. Nach anstrengenden drei Stunden Aufstieg endlich eine Trinkmöglichkeit beim "Karl-Bründl". Rasch sind die Wasserflaschen gefüllt und wir wollen schon weiter, als uns plötzlich aus dem Nichts zwei Mountain-Biker entgegen kommen. Man muss sich das mal vorstellen, da wo wir gerade teilweise auf allen Vieren hinaufgeklettert sind, wollen diese beiden Wagemutigen mit dem Bike hinunter "hoppeln" (denn nichts anderes ist auf dieser Strecke möglich).

Nach gut einer weiteren Stunde erreichen wir das Hochplateau. Völlig erschöpft aber überglücklich. Ein traumhafter Ausblick und das Rufen eines Murmeltiers empfangen uns in dieser unwirklichen Landschaft. Durch Latschenfelder geht es zu den angrenzenden Hütten (Michlbauer – und Halterhütte), die zu einer Rast einladen.

Gut gestärkt machen wir uns wenig später an den Abstieg über den Farfelsteig. Anfangs durch eine Geröllhalde steil bergab mündet der Weg in einen gemütlicheren Pfad durch den Wald. Gespickt mit einigen Aussichtspunkten, an denen wir noch einmal den Blick über das Mürzerland in uns aufnehmen können.

Nach dieser siebenstündigen Tour wollen wir nur noch ausrasten. Keine weiteren Strecken mehr fahren. Also entscheiden wir uns, noch eine Nacht in Neuberg zu verbringen und den darauffolgenden Tag mit einem Kulturprogramm zu versehen.

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Foto: Kat

Neuberger Münster und Kaiserhof Glasmanufaktur

Da wir schon direkt neben dieser riesigen Hallenkirche parken, wollen wir sie natürlich auch von innen besichtigen. Die gotische Architektur wirkt schlicht und beeindruckend zugleich. Sie trägt den größten Holzdachstuhl Österreichs, den man in einer Führung bestaunen kann. In der Stiftergruft findet man die sterblichen Überreste von Herzog Otto des Fröhlichen, der 1327 das Zisterzienerstift in Neuberg gründete.

Weiter geht's zur Glasmanufaktur im angrenzenden Kaiserhof. Schon der Garten lässt auf die Vielfalt an bunten Kunstwerken schließen. In liebevoller Handarbeit werden hier generationsübergreifend Glasartikel aller Art hergestellt. Wer will, kann sich auch selbst am Glasblasen probieren oder einfach nur der Herstellung von Wasserspeiern, Kugeln, u.v.m. zusehen.

Allerdings ist eine gewisse Hitzebeständigkeit von Vorteil, denn die Temperaturen in der Schauglasbläserei steigen durch den mittig platzierten Ofen ziemlich an. Gut, dass wir einen kühleren Tag erwischt haben. Wir verbringen einige Zeit staunend über die Schnelligkeit und Routiniertheit der Glasbläser in der heimeligen Manufaktur und machen uns dann auf, um den ebenfalls im Kaierhof beginnenden Literaturlehrpfad zu erkunden. Auf 1,5 Kilometer  kann man dank des Mönchs Andreas Kurzmann, der diesen Weg gestaltet hat, durch Verse ins 15. Jahrhundert entschwinden.

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Kaiserliche Glasmanufaktur Foto: Kat

Zum Abschied lassen wir, ganz traditionsbewusst, die erlebnisreichen zwei Tage bei einem steirischen Backhendelsalat im Gasthof Borkenkäfer Revue passieren und können nicht umhin, uns schon Gedanken über den nächsten Aufenthaltsort zu machen. Diesmal soll es aber dann wirklich der Ötscher werden … sofern uns nicht wieder ein Ort wie Neuberg an der Mürz in seinen Bann zieht.

 

Weekend-Bloggerin Katrin und ihr Freund Niko sind die meiste Zeit des Jahres in ihrem Transporter unterwegs, den sie zu einem Wohnmobil umgebaut haben. Von ihren Eindrücken und Erlebnissen, die die Burgenländerin unterwegs sammelt, berichtet sie regelmäßig auf weekend.at.

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