Ein Abstecher zu den Zweirädrigen

Gleich vorweg: Ein ordentliches Fortbewegungsmittel, das mein Herz schneller klopfen lässt, braucht nicht nur einen Motor, sondern auch vier Räder und ein Dach. Schon das Radfahren war nicht so richtig meins – nicht nur dass man mit zwei Rädern umfallen kann, man ist auch dem Wetter und allen seinen Widerwärtigkeiten wie Regen, Kälte, Schnee und Hitze ausgesetzt ...

Harley Handle - Cover
Foto: Carmen Bischof
Harley Johannes Fischer - Cover
Road Captain Horst Reschl und Johannes Fischer Foto: Carmen Bischof

... aber dann kommt die Information, dass die diesjährige Harley Davidson Tour zufällig fast bei mir ums Eck wegfährt. Mein nächster Gedanke gilt einem finnischen Freund – außen wortkarge finnische harte Schale, innen butterweicher Kern, unterm Hintern eine Harley in der schönen Farbnuance mit dem noch schöneren Namen “Amber Whiskey”. Schon ihm wär’ ich es schuldig, die Harley Charity Tour mit ein paar Worten zu würdigen. Dann fallen mir der verrückte Dennis Hopper und der manisch grinsende junge Jack Nicholson ein, gleich darauf der unwiderstehliche Peter Fonda, Steppenwolf fängt an zu singen und schon bin ich auf dem Weg.

Born to Be Mild

Wenn die legendären Herren der Zweiräder sich für den guten Zweck auf ihre Harleys schwingen, dann muss man schon ein Ignorant erster Güte sein, wenn man das nicht einer Erwähnung wert findet. Das Motto “Born to Be Wild” weicht dem “Born to Be Mild” – beziehungsweise mildtätig.

Bei der Charity Tour geht es nämlich darum, Geld für muskelkranke Kinder zu sammeln, nebenbei bekommen Harley und Fahrer noch landschaftliche Schönheiten und weitere Harley-Kollegen zu sehen, was ja auch nicht zu verachten ist.

Vor Ort geben mir Road Captain Horst Reschl und Johannes Fischer, Juniorchef des legendärsten Harley-Ladens, Auskunft auf Fragen, die nur ein reinrassiger Autofahrer stellen kann. Nach nur einer Viertelstunde bin ich beeindruckt.

2.500 Bikes (also 5.000 Räder) bewältigen in sechs Tagen rund 3.000 Kilometer zwischen Wien und Tirol. Insgesamt sind alle Harleys rund 60 Millionen Euro wert, und das sieht man auch. Sowohl liebevoll gepflegte Veteranen als auch brandneue Gustostückerln wurden vor Beginn der Tour auf Hochglanz poliert.

Der Mythos Harley

Gut, der Mythos Harley ist auch an mir nicht spurlos vorübergegangen. Der Sound ist phänomenal, die konsequente und liebevolle Markenpflege auch. Für einen Harley-Fahrer findet man immer ein wunderbares orange-schwarzes Geschenk.

Sager wie der berühmte Satz "I’d rather see my sister in a whorehouse than my brother on a Japanese motorcycle." (“Ich seh’ meine Schwester lieber im Bordell als meinen Bruder auf einem japanischen Motorrad”) tun ihr Übriges.

Wer noch Zweifel hat, dem sei “Easy Rider” auf DVD oder Blu-Ray empfohlen. Spätestens, wenn Peter Fonda im Bonusmaterial zugibt, nach den ersten Tagen vor lauter Muskelkater nicht einmal mehr ein Glas zum Mund gebracht zu haben, weiß man: Eine Harley Davidson ist mehr als ein Motorrad – sie ist Metall und Leder gewordenes Lebensgefühl.

Nach sechs Tagen sind die Harleys wieder glücklich in der Garage. Der Tachostand ist um einige stolze Kilometer höher, und der Kontostand gleich um stattliche 230.000 Euro. Auch wilde Hunde können ganz, ganz mild und gut sein.

 

Carmen Bischof ist gebürtige Murauerin ("die Stadt mit dem besten Bier", betont sie!), beruflich und privat gerne auf Reisen, beruflich in Sachen Vertriebssteuerung für die Senzor Industries AB aus Schweden unterwegs und privat auf der Suche nach schönen Orten, gutem Bier und lässigen Aktivitäten.

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