Heiße Liebe wie im Film? Nicht bei meinem 1. Mal

Ich dachte, Thaddl und ich würden so cool und modern wie Justin Timberlake und Mila Kunis im Film sein, wenn wir das erste Mal miteinander schlafen. Denkste ...

Marie Obst
Verbotene Früchte? Sehen manchmal besser aus als die schmecken Foto: Marie

Ich war 19 Jahre jung, als ich das erste Mal Geschlechtsverkehr hatte. Ich hatte zu dieser Zeit einen platonischen Freund, und wir beiden waren Single. Ich nenne diesen Freund jetzt einfach mal Thaddäus. Will ja keiner seinen Namen in der Zeitung lesen und an peinliche Ereignisse erinnert werden. Hahahahahahaha. Ich lach mich schlapp. Thaddäus. Thaddl. Gut.

Platonische Bett-Beziehung

Thaddl und ich waren also seit knapp einem Jahr ziemlich eng befreundet und wirklich auf einer Welle. Egal ob über den Sinn des Lebens oder über die nächste coole Party, man konnte über alles mit ihm reden. Meistens fuhr ich nach der Arbeit zu ihm und wir lagen dann nebeneinander im Bett und schauten einen Film. Film gucken also. Die jungen Leser unter Ihnen wissen Bescheid. Aber es kam nie zum Sex. Das Filmschauen endete meistens mit etwas Rummachen, mehr nicht. Ich weiß gar nicht mehr, wie wir auf diesen Blödsinn überhaupt gekommen sind. Jedenfalls beschlossen wir eines Tages miteinander zu schlafen. So quasi Freundschaft mit Extras, Freundschaft + … Sie wissen schon. Ich dachte mir, wir würden so cool und modern wie Justin Timberlake und Mila Kunis im Film sein. Denkste.

Party oder Liebe: Wie wird er sich entscheiden?

Schon allein bei der Vorstellung meines 1. Males wurde ich leicht nervös. Ich denke, deshalb wollte ich die Sache auch irgendwie planen, um mich etwas darauf vorbereiten zu können. Ich machte den Vorschlag, uns am Freitag um 19.00 Uhr bei ihm zu treffen. Er sagte, an diesem Abend steige eine mega-fette Party, auf die er sich schon ewig freue, aber er würde sie gerne für mich sausen lassen … Juhuuu, no pressure at all … Spüren Sie den gefühlsechten Hauch Sarkasmus?

Der große Akt

Besagter Freitag, 17:00 Uhr. Ich schon seit Stunden am "Vorbereiten" des Aktes. Den ganzen Tag versucht, nichts zu essen was irgendwie aufbläht oder mir einen Pups entweichen ließe. Extra vor dem Duschen noch ein intensives Workout bestehend aus drei Sit-ups eingeschoben. Haare gewaschen, Haare gefönt, Haare geglättet. Mich aalglatt rasiert. Ganze 45 Minuten lang mein schönstes Make-up aufgespachtelt und mich in meine heißesten Klamotten geschält. Heiß = erotisch = attraktiv. Nicht heiß wie heißer Wollpulli und so. Jedenfalls war ich pünktlich fertig mit meiner „Vorarbeit“ und konnte los.

Puls bei 200 - geht noch mehr?

Gott im Himmel, war ich nervös. Ihr dürft nicht vergessen, ich stand kurz vor meinem 1. Mal. Während mein Puls bei gefühlten 200 war, entspannte sich Thaddl gerade mit einem seiner Kumpels bei einer Zigarette, wie er mich per SMS wissen ließ.

Wer öffnet die Tür? Seine Mutter!

Ich klingelte genau um 19:00 Uhr. Kein Thaddl, der mir die Wohnungstür öffnete - stattdessen seine Mutter. Jetzt wäre Zeit für einen Lacher. Ich war kurz mal baff, aber versuchte es mir nicht anmerken zu lassen. Sie wusste nicht, dass wir verabredet waren, bat mich aber trotzdem herein. Ein paar Sekunden später läutete es wieder an der Tür. Ich stand noch im Flur, also machte ich auf. Es war Thaddl. Gut. Wir lachten. Die Komik des Moments wischte die leichte Unsicherheit meinerseits weg wie nichts. Trotzdem war ich nervös wie vor einer Prüfung und in meinem Kopf schwirrten nur er, ich und der bevor stehende Akt umher.

Raus statt rein?

Weil es Sommer war und noch warm und hell draußen, wollte Thaddl noch rausgehen. Ich dachte nur: Was ist los mit dir? Was bist du für ein Junge? Bist du überhaupt ein Junge? Mit Sexualtrieb? Unglaublich oder? Ein geplantes Sextreffen zwischen zwei 19-Jährigen, und der Typ möchte ernsthaft noch nach draußen gehen. Ich weiß ja natürlich, dass das sowas von nett war und es definitiv mehr solcher Burschen geben sollte, aber in diesem Moment wollte ich es einfach nur hinter mich bringen. Ich wollte endlich keine Jungfrau mehr sein. Das stundenlange Rumsitzen im Park half mir keineswegs mich zu entspannen. Die Nervosität blieb - wie die Fliege auf dem Marmeladebrot.

Bin ich schön genug für Sex mit ihm?

Als wir endlich im Schlafzimmer angelangt waren, schlug mein Herz bis zum Kopf. Scheiße, ich kann das nicht! Scheiße, was mach ich? Scheiße, er soll nicht merken, dass es mein 1. Mal ist. Sehen meine Oberschenkel aus seiner Perspektive dick aus? Ist mein Unterhöschen immer noch perlweiß? Alles Fragen, die mich fast irre machten. Oh Mann und dann war der Moment da. Er war drin …

Und schon wieder vorbei

Aha … Aha … Aha. So so. Ich fand's ehrlich gesagt nicht so geil. Ich dachte mir, das kann's ja wohl jetzt nicht sein, oder? Das kann ja wohl nicht wirklich SEX sein. Nach dem fast die ganze Menschheit süchtig ist. Er merkte natürlich, dass ich nicht so leidenschaftlich war. Ich lag ja großenteils nur dumm da. Reglos, fast tot. Ladys, ein Tipp: Liegt nie nur einfach so da! Zum Sex gehören immer zwei!

Jetzt wusste ich: Er ist wie ein Bruder für mich ...

Jedenfalls probierte er es von vorne, auch von hinten. Bis auf die Stellung Doggystyle, in der ich mich mega-heiß fand, weckte der Sex so rein gar nichts in mir. Vom Orgasmus brauchen wir erst gar nicht anzufangen. Nach einiger Zeit wurde mir die Situation immer unangenehmer und ich sagte: “Thaddl, wir sollten aufhören. Das wird nichts mehr. Du bist irgendwie wie ein Bruder für mich.“

Habe ich das Richtige getan? Ja!

Das ist jetzt keine Lüge. Das sagte ich wirklich. Genau so! Und in diesem Moment glaubte ich beinhart mit diesen (schwachsinnigen) Worten alles richtig gemacht zu haben. Sie denken jetzt wahrscheinlich, ich ticke nicht ganz richtig. Zu diesem Zeitpunkt absolut berechtigt!

Hollywood ist anderswo

Er redete kein Wort mehr mit mir an diesem Abend. Würdigte mich keines Blickes mehr. Ich hatte sein männliches Ego zutiefst gekränkt. Und mir war es noch nicht einmal bewusst. Fazit: Plant niemals, wirklich NIEMALS euer 1. Mal oder überhaupt Sex. In den wenigsten Fällen läuft es so cool und leidenschaftlich ab wie in Filmen.

Eure Marie

 

Unter dem Pseudonym "Marie" schreibt die Weekend-Bloggerin über amouröse Abenteuer und alles, was das Leben sinnlich, schön und reizvoll macht.

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