London vs. zu Hause - Unterschiede und Eigenheiten der Londoner

London liegt nicht am anderen Ende der Welt. Eineinhalb Stunden mit dem Flieger und eine Zeitzone entfernt ist es nicht unerreichbar. Es liegt in Europa, und doch gibt es gravierende Unterschiede und Eigenheiten, die mir aufgefallen sind, und die ich euch natürlich nicht vorenthalten möchte.

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Foto: Lisa Krempl

1. In London fährt man links ... und geht links

Eine Eigenheit, die sicher die meisten kennen. So richtig bewusst werden tut es einem aber erst, wenn man sich mitten im Verkehrstrubel Londons befindet und die Straße überqueren möchte, aber nicht weiß, in welche Richtung man zuerst schauen soll. Oder wenn man Beifahrer spielen soll und sich plötzlich auf der Fahrerseite wiederfindet. Nicht selten ernte ich genervte Blicke am Gehsteig von dem Gegenstrom an Menschen, weil ich mal wieder auf der falschen Seite gehe.

2. Cheddar ist die einzige Käse-Sorte, die gegessen wird

Und Ham die einzige Wurstsorte. Punkt. Mehr kann man dazu nicht sagen. Gerade als Österreicherin leide ich natürlich sehr an diesem Reizentzug. Zu Hause leben unsere berühmten "Jausen" ja gerade von der reichlichen Vielfalt an Wurst, Käse und Co. Und nicht selten wird uns das Genießertum nachgesagt. Hier ernähre ich mich durchgehend von dem einem, und obwohl es am Angebot nicht scheitern würde, findet man nur in äußerst seltenen Fällen einen Camembert oder eine Salami im Kühlschrank. Also dann eben Cheddar und Ham ...

3. Das Pub ist der Club

Wo es bei uns doch noch einen Unterschied zwischen Bar und Diskothek gibt, so machen die Briten beim Feiern anscheinend keinen. An jeder Ecke findet sich ein Pub, in dem am Wochenende die Post abgeht. Da wird gegessen, getrunken, ferngesehen, getanzt und gefeiert - alles in einem, und wer keinen Tisch oder Sitzplatz mehr ergattert, der steht einfach. Obwohl es heiß und stickig und laut ist, ist die Stimmung in Pubs immer auf dem höchsten Level und nach ein paar Cider stört es einen selbst nicht mehr, zwischen Menschenmassen eingequetscht zu sein.

4. Einkaufen gehen ist out

Hier wird Essen bestellt. Was es bei uns zwar schon gibt, aber sich noch nicht wirklich etabliert hat, ist hier gang und gebe. Statt jede Woche beim Spar seine Einkäufe zu erledigen, bestellen die Londoner ihr Essen einfach online, was ihnen dann bequem bis vor die Haustür geliefert und von dem netten Lieferanten gleich noch zum Kühlschrank getragen wird. Auch meine Gastfamilie macht das so und scheint das wirklich zu genießen ...

5. No DIY allowed!

Auch im Haushalt lassen es sich die meisten Londoner gut gehen. Statt der fleißigen Hausfrau daheim hat sich hier die "Karriere-Mama" schon völlig durchgesetzt, und die meisten Familien haben mittlerweile zumindest ein AuPair und/oder eine Putzfrau bei sich eingestellt. Manche unterhalten dann auch noch Nannys, die bei besonderen Anlässen zum Einsatz kommen. Doch das ist nicht alles. Wer hier eine Aussicht auf schnelles Geld sucht, der kann als professioneller Hunde-Spazierführer ("dogwalker") sein Glück versuchen. Denn Londoner lieben ihre Hunde und halten sie auch fleißig, doch kommt es erst mal zum Gassigehen, wird schnell ein Dogwalker engagiert. Diesen begegnet man dann im Park mit bis zu sieben Hunden an der Leine. Mehr dürfen es nicht sein - das steht auf Verkehrsschildern deutlich zu lesen. Ja es gibt Schilder dafür!

Zum Glück sind die Gartenquadratmeter recht begrenzt, sonst würde da sicher auch noch ein Gärtner herumlaufen.

6. Nochmal zurück zu Londons Verkehr

Ich bin erstaunt, wie wenig Unfälle in London passieren, wenn man bedenkt, wie die Leute hier unterwegs sind. Rote Ampeln speziell für Fußgänger könnte man genauso gut gegen dauer-grün-leuchtende austauschen, da darauf sowieso keine Rücksicht genommen wird. Die Busfahrer haben eindeutig ein Spezial-Training absolviert, denn nicht ohne Grund klammere ich mich gern am Sitz oder der Reling fest, wenn sich das rote Ungetüm in die Kurve legt oder sich an Autos vorbeischlängelt, die danach nur zufällig noch alle Seitenspiegel haben. Eine weitere Verrücktheit sind die Fahrrad- und Motorradfahrer, die nicht selten als Lieferdienst fungieren. Sie riskieren praktisch ihr Leben, um die Pizza oder Nudelbox rechtzeitig an die Frau/den Mann zu bringen ...

Ihr seht, obwohl London sich in unmittelbarer Nähe befindet, gibt es doch mehr oder weniger kleinere Unterschiede aufzudecken. Und an die muss man sich erst einmal gewöhnen, glaubt mir!

 

Weekend-Bloggerin Lisa Krempl liebt es, den Globus zu erkunden und ihre Eindrücke und Erlebnisse schriftlich festzuhalten. Als Au Pair lässt die frisch gebackene Maturantin ihre Leser auf weekend.at an ihrem Alltag teilhaben.

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