Phils Papa-Blog: Was wir von Kindern und Baggern lernen können

Mein Sohn liebt Bagger. Und Kräne. Und Walzen. Und Kipplaster. Im Umgang mit diesen Vorlieben können auch wir Erwachsene noch etwas lernen.

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Foto: doublediamondphoto/iStock/Thinkstock

Wie an einer Perlenkette aufgereiht sitzen sie am großen Fenster. Mein Zweijähriger kann kaum so lange ruhig in der Garderobe sitzen, bis ich ihm die Schuhe ausgezogen habe – er läuft sofort zu den anderen Kids am Fenster. Warum? Vor der Krabbelstube ist gerade eine große Baustelle. Bagger, Walzen, Kipplaster. Ein Traum.

Faszination für (fast) alle

"So wenig zu tun wie derzeit hatten wir schon lange nicht mehr", lachen die Betreuerinnen. Die meisten Kinder wollen einfach nur den Tag am Fenster verbringen. Und wenn dann auch noch der große Kran auf dem Parkplatz steht, ist es um die Kids dann endgültig geschehen. Da ist jedes andere Spielzeug völlig uninteressant.

So eine Baustelle ist besser als jeder Fernseher.

Das bestätigte mir jüngst auch eine Mitarbeiterin in meinem Stamm-Supermarkt: Ja, als bei uns der Parkplatz asphaltiert wurde, haben die vom benachbarten Kindergarten auch gefragt, ob sich die Kleinen nicht neben die Kassa stellen und die Baustelle anschauen dürften. Natürlich war auch das kein Problem, erzählt sie.

In die Welt der Kleinen eintauchen

Kinder sehen die Welt mit anderen Augen als wie Erwachsene. Sehen wir Baufahrzeuge, denken wir an Stau, Verzögerungen, Lärm, Dreck. Für die Kleinen bedeuten Baufahrzeuge allerdings: Boah, toll, groß, faszinierend. Man muss sich als Mama oder Papa auf die von uns selbst abweichende Denkweise der Kids einlassen können.

Davon haben dann auch beide Seiten etwas davon.

Die Kleinen merken, dass ihre Meinung und ihre Sicht der Dinge wahrgenommen werden, was erwiesenermaßen ihr Selbstwertgefühl steigert und einen positiven Anreiz gibt, sich einzubringen. Und wir Großen lernen dadurch, dass es auch andere Sichtweisen als die eigene gibt und dass diese auch absolut ihre Berechtung haben – nicht nur Kindern gegenüber, sondern generell im Umgang mit Mitmenschen.

Interagieren lernen

Und ist es nicht auch einfach nur schön, wenn man zusehen kann, wie unsere Kinder mit ihren eigenen Augen die Welt entdecken? Selbst wenn es nur so etwas Banales wie eine Baustelle ist – für unsere Kids ist das eben nicht alltäglich. Sie entwickeln ihre eigenen Interessen und ihren eigenen Kopf und das sollte man sie auch tun lassen.

Es fördert außerdem die Kommunikation untereinander.

Eine ebenso süße wie spannende Beobachtung ist es, wenn die Kids da nebeneinander am Fenster sitzen und miteinander kommunizieren. Der eine zeigt auf etwas, der andere antwortet, die dritte sagt auch etwas dazu. In diesen Momenten sind die Kleinen ganz bei sich, fast wie im Tunnel, und lernen bei gemeinsamen Interessen zu interagieren.

Auch Zeit braucht's

Was man als Eltern in solchen Situationen übrigens auch mitbrigen sollte – neben Offenheit dem Kind gegenüber – ist Zeit. Schon einmal versucht, den Nachwuchs beispielsweise beim Abholen vom Kindergarten oder von der Krabbelstube von der Baustelle loszueisen?

Viel Glück.

 

Weekend-Redakteur Philipp Eitzinger ist mit Herz und Seele Fußball-Fan, Ehemann – und Vater. Und wie es sich für einen wahren Sport-Anhänger gehört, ist der Oberösterreicher auch wenn es um seine Familie geht mittendrin statt nur dabei. Exklusiv für weekend.at schildert er den gleichermaßen erfüllenden wie hektischen elterlichen Alltag zwischen Krabbelstube und Kinderzimmer, Badewanne und Warteraum – heiter bis nachdenklich.

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