Die Super-Schweden: Zwei neue Filme über Ikonen des Sports

Hurra, wir gehen ins Bio! "Bio" ist ein wunderbares Wort. In Schweden ist es noch viel wunderbarer als in Österreich, denn dort bedeutet es nicht "halb so schönes Gemüse zum doppelten Preis", sondern "Kino". Und weil es zwei neue tolle Filme über legendäre schwedische Sportler gibt, pilgern wir eben genau dorthin.

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Das Plakat zum Film Foto: Nicedrama Sweden

"The Superswede": Ronnie Peterson

Schon als mir Youtube vor ein paar Wochen einen Trailer namens "Superswede" vorgeschlagen hat, war ich hellauf begeistert. Als bekennender Fan des Nordens finde ich ohnehin meist alles super, was mit Schweden zu tun hat.

Der Trailer versorgte mich aber nicht nur mit einer gehörigen Dosis aus groß und blond und nordisch, sondern führte direkt in die beste Epoche der Formel 1: die Siebziger. Eine Zeit, in der die Rennfahrer noch die coolsten Hunde waren und der Sport eine Extradosis Glamour hatte. Damals konnten die Fahrer selbst der Box sagen, was mit dem Auto los ist. Heute bitten sie über den Boxenfunk um Auskunft zu, welche Einstellungsknöpfe sie drücken müssen, damit die Elektronik zu spinnen aufhört.

Einer der wilden Hunde war Ronnie Peterson aus Örebro. Sohn eines Bäckers, der selbst Hobby-Rennfahrer und Bastler war und mit dem Sohn gemeinsam die ersten Karts konstruierte. Der Film ist eine Dokumentation, und gemeinsam mit einem Kinosaal voll nostalgischer schwedischer Rennfans lassen wir uns in die Zeit der Schlaghosen zurückversetzen.

Wenn man mit Schweden über Autorennen spricht, fällt früher oder später Ronnie Petersons Name, mit einer großen Portion an echtem Bedauern. Den Film muss ich sehen, ebenso wie ich den Film über den großen Ayrton Senna schon unzählige Male sehen musste. Da es leider noch ungewiss ist, ob "Superswede" es überhaupt in die österreichischen Kinos schafft, also im schwedischen Bio.

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"Bio" heißt auf Schwedisch Kino. Foto: Carmen Bischof

"We all know how he died, this is the story of how he lived"

Leider wissen wir nur zu gut, wie Ronnie Peterson gestorben ist. Die Start-Ziel-Gerade von Monza haben wir vor Jahren im Publikum ein Rennwochenende lang vor Augen gehabt. Bei aller Begeisterung meines schwedischen Liebsten für den Rennsport hat auch er kurz innegehalten: "Dort drüben war es. Ronnie Peterson." Ich nicke, denn ich kenne die Aufzeichnung des Rennens von 1978 nur zu gut. Auch dass Peterson nicht an seinen Verletzungen gestorben ist, sondern an Komplikationen im Mailänder Spital, weiß ich. Es gibt noch Interviews von Niki Lauda, und der hat sich schon damals kein Blatt vor den Mund genommen.

Die Dokumentation ist eine wunderbar gemachte Zusammenstellung von Sequenzen aus alten Rennen, beginnend mit den ersten Runden auf der Kart-Bahn. Dazwischen kommen Ronnies Weggefährten zur Sprache, teilweise auch seine Familie – seine Tochter, sein Bruder, seine Freunde. Emerson Fittipaldi kommt häufig zu Wort, in alten Filmausschnitten und neuen Interviews. Einen fröhlicheren und herzlicheren Biographen kann man sich nicht wünschen.

Sie alle beschreiben Ronnie als Ausnahmetalent. Als Autonarren, der sich durch jahrelange Mechaniker-Arbeiten bestens auskannte. Als sicheren Tipp für einen zukünftigen Weltmeister. Als bescheidenen, ruhigen, fast schüchternen Kerl, der plötzlich den Status eines Superstars erreicht hat. Als Teamplayer, der geduldig die Stallorder eingehalten hat, hinter Mario Andretti die Nummer zwei gab und auf Fragen, ob er nicht schneller als Andretti fahren könne, gemeint hat: vielleicht nächstes Mal.

Seine Frau Barbro sieht man nur in historischen Aufnahmen. Ihr früher Tod im Jahr 1987 wird im Film nur kurz erwähnt. Die bewegendste Szene zeigt Barbro bei einem Interview, als Peterson am Höhepunkt seiner Karriere war. "Zu einem Rennfahrer bist du immer nett", sagt Barbro, und ihre schönen blauen Augen werden dunkel und ernst. "Du weißt nie, ob er wieder zurückkommt."

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Auf der Tribüne in Monza Foto: Carmen Bischof

Niki Nationale!

Ronnie steigt vom Kart in die Formel 3 um, dann fährt er Rallye und schließlich Formel 1. Dort sucht er sich unter all den gefährlichen Autos eines der unsichereren Teams aus, nämlich Lotus.

Dann plötzlich, ohne  Vorwarnung, knallt dir der Film Niki Laudas Unfall in Deutschland hin. Das sind Bilder, die ich noch immer nicht ansehen kann, ohne Beklemmung zu bekommen. "Niki", sage ich laut, und der Schwede vor mir dreht sich um. Es ist ein ruhiges Land, Gefühlsausbrüche fallen auf. "Österrike" flüstere ich und zeige auf mich. Der Schwede nickt mit etwas mehr Wohlwollen.

Niki selbst kommt auch zu Wort. "Es gibt Leute im Leben, und du merkst gar nicht, dass sie da sind. Und dann gibt es andere, die nie verschwinden." Dann erzählt er, wie Peterson ihm beigebracht hat, mit links zu bremsen, um noch ein paar Sekundenbruchteile schneller zu werden.

Wenn Ronnie Peterson die Art Mensch war, die ein Niki Lauda nie vergisst, dann muss er tatsächlich ein Superschwede gewesen sein.

Nächste Woche gehen wir übrigens wieder ins Bio, wieder zu einem weiteren Superschweden des Sports - Björn Borg.

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Start-Ziel in Monza Foto: Carmen Bischof

 

Carmen Bischof ist gebürtige Murauerin ("die Stadt mit dem besten Bier", betont sie!), beruflich und privat gerne auf Reisen, beruflich in Sachen Vertriebssteuerung für die Senzor Industries AB aus Schweden unterwegs und privat auf der Suche nach schönen Orten, gutem Bier und lässigen Aktivitäten.

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