Phils Papa-Blog: Wie viel Fernsehen ist genug?

Ich bewundere Bob den Baumeister für den besonnenen Umgang mit seiner Chaos-Truppe. Deutlich weniger besonnen sind dagegen die Diskussionen zum Thema „Kinder und TV“.

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Foto: Red Pepper82/Istock/Thinkstock

Baggi, der übermotivierte Tollpatsch. Buddel, der verspielte Kindskopf. Mixi, die überdrehte Enthusiastin. Was sie gemeinsam haben? Dass sie allesamt herzige Figuren sind und ohne ihren Chef, Bob den Baumeister, ziemlich verloren wären.

Die ewige Diskussion

Die Kinder finden sich in den quirligen, sprechenden Baumaschinen wieder, der besonnene Ruhepol Bob und seine Partnerin Wendy verkörpern quasi die Eltern. Der Umgang ist bei allem Blödsinn, den Baggi und Co. anstellen, immer respektvoll. Deutlich weniger respektvoll wird hingegen die Gretchen-Frage unter den echten Eltern diskutiert:

Wie hältst du's mit dem Fernsehen lassen?

Zwischen Totalverweigerern (TV ist das ultimative Böse!) und Der-Fernseher-ist-unser-Babysitter-Eltern (die das aber nie öffentlich zugeben würden) sind alle Schattierungen und Zwischenstufen vertreten. In der Begründung ihrer Position sind sie mal pragmatisch, mal dogmatisch; mal argumentativ, mal leidenschaftlich.

Kein Reiz des Verbotenen

Meine Frau und ich haben uns dafür entschieden, unserem Junior das Fernsehgerät als Gebrauchsgegenstand zu vermitteln: Schauen ist etwas Normales, aber nichts, was in Dauerschleife geschieht – und der Fernseher läuft nicht zur Berieselung, sondern nur, wenn man auch tatsächlich schaut.

Zumindest für uns und unseren Kleinen passt das.

Unser Zweijähriger schaltet das Gerät sogar tatsächlich selbst aus, wenn er nicht mehr schauen will (und, wenn ihn nicht interessiert, was meine Frau und ich schauen). Wir wollten dem Fernseher den Reiz des Verbotenen nehmen, denn je mehr Tamtam um ein Verbot gemacht wird, umso interessanter wird das Untersagte. Wir haben den Eindruck, dass das für uns funktioniert.

Nicht nur Schrott

Oft hört man, dass das Kinderprogramm früher (sprich: in unserer Kindheit) besser war und den Kids heute nur noch Schrott vorgesetzt würde. Dazu möchte ich zwei Dinge anmerken. Erstens: Ich bin überzeugt, dass unsere Eltern auch nicht immer eine große Freude mit „Sailor Moon“ und „Mila Superstar“ hatten.

Saltos schlagen in Volleyball-Spielen gegen Roboter. Eh klar.

Und zum anderen ist es natürlich richtig, das dieser Tage auch viel Blödsinn unter der Dachmarke „Kinderprogramm“ ausgestrahlt wird. Aber: Es gibt auch solche Serien, die man seinen Kindern guten Gewissens vorsetzen kann – und manche, die auf spielerische Weise sogar etwas wie einen Bildungsauftrag erfüllen.

Achtung aufs Tempo

Damit sind natürlich eher die „kleinen Einsteins" gemeint als der unsagbar nervtötende Alvin und seine Chipmunks. Es empfielt sich, erst einmal selbst vorzufühlen, was man dem Nachwuchs zu sehen geben möchte. Ein guter Indikator ist – neben dem eigenen Geschmack – auch das Tempo der Handlung.

Man will ja seine Kleinen nicht überfordern.

Und man ist richtig erstaunt darüber, wie schnell und auch schrill manche Sendungen sind, die sich an die ganz jungen Seher richten. Es schadet auf keinen Fall, den Nachwuchs nicht einfach irgendwas vorzusetzen; und wenn man selbst einigermaßen im Bilde ist, kann man mit den Kids auch über das Gesehene reden. Das fördert wiederum die Kommunikation.

Selbst auch mal wieder Kind sein

Hinzu kommt: Man ist ja auch als Mama oder Papa hin und wieder gerne mal wieder ein Kindszapfen. Ich finde, es ist überhaupt kein Makel, wenn man für sich selbst das Genre auch nach dem eigenen Gusto durchforstet. Ich bekenne: Unser Junior ist noch zu klein dafür, aber ich selbst liebe „Gravity Falls“ und finde „Phineas & Ferb“ sehr unterhaltsam.

Verflucht seist du, Perry das Schnabeltier!

Weekend-Redakteur Philipp Eitzinger ist mit Herz und Seele Fußball–Fan, Ehemann - und Vater. Und wie es sich für einen wahren Sport-Anhänger gehört, ist der Oberösterreicher - auch wenn es um seine Familie geht - mittendrin statt nur dabei. Exklusiv für weekend.at schildert er den gleichermaßen erfüllenden wie hektischen elterlichen Alltag zwischen Krabbelstube und Kinderzimmer, Badewanne und Warteraum – heiter bis nachdenklich.

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