"Bleibst du beim kranken Kind daheim oder ich?"

Glücklich, wer Oma oder Opa in Pension hat, die auf den kranken Nachwuchs aufpassen können. Aber was, wenn diese Möglichkeit nicht besteht? Dann wird's mühsam.

528290460_RIDOFRANZ_ISTOCK_THINK.jpeg
Foto: Ridofranz/istock/Thinkstock

Wenn der Nachwuchs am späten Sonntagvormittag merkbar matschig wirkt, ist das schon das erste Alarmzeichen – vor allem, wenn der Kleine in der Nacht davor wie ein Stein geschlafen hat und bestens gelaunt munter wurde. Ein Griff auf die Stirn scheint die ersten Befürchtungen zu bestätigen: Oje oje. Zur Sicherheit nochmal mit dem Fiebermesser kontrollieren: Tatsächlich, 38 komma nochwas Grad. Na toll.

Oma hat auch nicht immer Zeit

Meine Frau und ich sind in solchen Situationen derzeit noch in einer vergleichsweise komfortablen Lage: Sie ist noch in Elternteilzeit und an Montagen ohnehin daheim. Aber wenn es danach immer noch nicht besser ist: Was dann? Das Kontingent an Pflegeurlaub ist, wie alle Eltern wissen, begrenzt.

Es hat ja auch nicht jeder Omas und Opas in Pension, die helfen könnten.

Wenn man Glück hat, ist es nur eine kurzzeitige, erhöhte Temperatur und nach ein, zwei Tagen Ruhe kann der Kleine wieder in die Krabbelstube, den Kindergarten oder in die Schule – je nach Alter – und die Frage stellt sich dann nicht mehr. Aber wenn nicht, ist Koordination gefragt.

Nicht nur fremdes Spielzeug

Dann heißt es abwägen: Welchen Elternteil bzw. wessen Arbeitgeber werfen gerade ein paar Tage daheim weniger aus der Bahn? Wer hat noch wie viele Pflegeurlaubs-Tage übrig? Wie sieht die Lage in Zukunft aus? Und vor allem: Ist der Vater überhaupt bereit dazu, zur Betreuung des Nachwuchses daheim zu bleiben?

Das ist ja leider auch nicht in allen Familien selbstverständlich.

Wenn der Nachwuchs in Krabbelstube oder Kindergarten geht, ist die Gefahr naturgemäß besonders groß, dass die Kids nicht nur fremdes Spielzeug mit nach Hause bringen, sondern auch die eine oder andere Krankheit. Wohl dem, der ein robustes Kind mit starkem Immunsystem hat. Mitleid mit jenen, die da nicht so glücklich sind.

Gut, wenn man Reserven hat

Und es muss nicht mal hohes Fieber beim Junior sein, das einen als Elternteil zum Daheimbleiben zwingt. Wenn etwa die Läuse zuschlagen, muss der/die Kleine drei Tage lausfrei sein, ehe er/sie wieder unter Kinder darf. Da ist schon mal ein großer Batzen (Pflege)-Urlaub weg, ohne dass der Nachwuchs wirklich krank gewesen wäre.

Gottlob ist uns selbst das bisher erspart geblieben. Schnell auf Holz klopfen!

Aber aus genau diesem Grund ist es mir auch wichtig, reguläre Urlaubstage in Reserve zu haben. Man weiß ja nie – und man kann ja den (mehr oder weniger) kranken Nachwuchs nicht alleine daheim lassen. Und wirklich Nachbarn und/oder Freunde fragen? Nur mit Bauchweh und als aller-aller-allerletzten Ausweg.

Nicht auf dem Radar

Ähnliches gilt natürlich auch, wenn es um die Betreuung des Nachwuchses in den nun beginnenden Schulferien geht. Gerade die Frage „Was ist, wenn Junior krank ist?“ ist eine, die man als Jungpapa bzw. Jungmama eher nicht auf dem Radar hat, wenn man sich auf sein Dasein als Familie freut. Die kleinen Ärgernisse des Alltags, die auch dazugehören, die das Leben aber nicht direkt bereichern.

Irgendwie geht's dann schon. Aber schön ist das nicht.
 

Weekend-Redakteur Philipp Eitzinger ist mit Herz und Seele Fußball-Fan, Ehemann – und Vater. Und wie es sich für einen wahren Sport-Anhänger gehört, ist der Oberösterreicher auch wenn es um seine Familie geht mittendrin statt nur dabei. Exklusiv für weekend.at schildert er den gleichermaßen erfüllenden wie hektischen elterlichen Alltag zwischen Krabbelstube und Kinderzimmer, Badewanne und Warteraum – heiter bis nachdenklich.

Alle Blog-Artikel von Philipp Eitzinger

Alle Magazin-Artikel von Philipp Eitzinger

Mehr zum Thema:

Kommentare 0