200 Jahre nach Jane Austen: Was hat sich wirklich geändert?

2017 ist das "Jane Austen"- Jahr. Am 18. Juli vor 200 Jahren starb sie in Winchester. Ich finde, sie war eine außergewöhnliche Frau und eine der bedeutendsten Schriftstellerinnen dieser (und auch unserer) Zeit. Was hat sich in der Zwischenzeit verändert? Was ist heute noch so wie früher?

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Foto: Luna Levay

In der Schule schauten wir im Rahmen des Englisch-Unterrichts den Film "Pride and Prejudice" (deutsch: "Stolz und Vorurteil") an. Ich war vom ersten Moment an wie verzaubert. Die Kostüme, das Benehmen, die Bälle, die Dinner-Abende, die Charaktere oder die Briefe, die sich schrieben - alles daran zog mich in seinen Bann. Ich beschloss, das Buch zu lesen, damit ich noch mehr in diese Welt eintauchen kann.

Worum gehts?

Bevor ich weiter über dieses Werk Jane Austens schreibe, habe ich hier eine kleine Inhaltsangabe für diejenigen unter euch verfasst, die das Buch nicht kennen.

Die Familie Bennet hat fünf Töchter, von denen keine Einzige verheiratet ist. Diesen Umstand will Mrs. Bennet unbedingt ändern und so sieht sie (wie jede Mutter einer unverheirateten Tochter in der Umgebung) in der Niederlassung des jungen Mr. Bingley in der Nähe ihres Anwesens die Chance, ihre älteste Tochter Jane unter die Haube zu bringen. Mr. Bingley zeigt auch auffällig großes Interesse an Ihr, jedoch stehen der jungen Liebe einige Hindernisse im Wege. Eines davon ist groß, reich und auf den ersten Blick arrogant und stolz: Es trägt den Namen Mr. Darcy. Dieser wirft im Laufe des Buches ein Auge auf Elizabeth (die zweitälteste Tochter der Bennets), doch auch da läuft nicht alles nach Plan. Als dann auch noch Lydia (die zweitjüngste Tochter) mit dem ominösen Mr. Wickham (einem Soldaten) davonläuft, ist das Chaos komplett. Die Familie ist verzweifelt und weiß nicht mehr wieter. Doch zum Glück bekommen sie bei der Suche nach den beiden große Unterstützung von einem uns sehr bekannten, stolzen Herren ... Kann sich das Blatt doch noch wenden? Können all die Missverständnisse, die im Laufe der Zeit entstanden sind, geklärt werden? Können die jungen Leute, die wie für einander gemacht sind, letzten Endes doch noch zueinander finden?

Wenn ihr das Buch gelesen (oder den Film gesehen) habt, dann kennt ihr das Ende bereits. Wenn nicht, möchte ich euch nicht schon zu viel verraten ...

200 Jahre später

Doch was von alldem ist heute noch aktuell?

Beginnen wir mit den Briefen. Die meisten Menschen fürchten sich schon, wenn sie einen Brief in ihrem Postkasten finden, denn Post wurde zum "Boten des Bösen": Klagen, Rechnungen, Suspendierungen sind die Inhalte der meisten Umschläge. So gut wie nie findet sich dazwischen ein Brief derselben Art, wie sie die Menschen in "Stolz und Vorurteil" tagtäglich schreiben. Das finde ich sehr schade, denn Briefe sind etwas Wunderschönes. Ich liebe es, handgeschriebe Zeilen zu lesen, von denen ich weiß, dass sie extra für mich geschrieben wurden. Jemand nahm ein Blatt Papier und einen Stift zur Hand, setzte sich nieder und überlegte, was er/sie mir schreiben soll. Auch wenn es nur wenige Worte sind: Darauf kommt es nicht an. Es geht viel mehr darum, dass sich jemand Zeit dafür genommen hat, mir etwas zu schreiben. Und das nicht so nebenbei durch "WhatsApp". Briefe sind viel persönlicher, und man kann sie aufbewahren und immer wieder lesen. Ein Brief ist etwas, das von Herzen kommt und eines kann ich euch sagen: Keine WhatsApp- Nachricht, egal wie viele Herzen und Kuss-Smileys sie enthält, ist so romantisch und wird so gern gelesen wie ein Liebesbrief auf Papier!

Ein wichtiger Bestandteil der damaligen Kultur war die Abendunterhaltung. Bälle, Dinner & Co. waren die ultimativen Gelegenheiten, um Geschäfte abzuschließen, Hochzeiten zu arrangieren, neue Leute kennenzulernen, Bekanntschaften zu vertiefen oder zu erneuern. Heute wird man eher selten zu Bekannten nach Hause zum Abendessen eingeladen und wenn doch, dann nur in kleiner Runde. Zu Jane Austens Zeit waren meist relativ viele Menschen zu Gast beim Dinner (natürlich nur in gehobener Gesellschaft). Bälle laufen heutzutage auch anders ab als früher. Man geht mit einer Gruppe von Leuten hin, redet, lacht, tanzt, trinkt, isst geschlossen und zu anderen Menschen nimmt man so gut wie keinen Kontakt auf, es sei denn, man wird einander durch einen gemeinsamen Bekannten vorgestellt. Wie in "Stolz und Vorurteil".

Manieren waren damals sehr wichtig, und auch heute wird in gewissen Situtationen sehr scharf beobachtet, ob man sich angemessen benimmt: bei Vorstellungsgesprächen, Staatsbesuchen oder dem ersten gemeinsamen Abendessen mit den zukünftigen Schwiegereltern ...

Was jedoch auf jeden Fall noch immer gleich ist, sind die Gefühle der Menschen. Jane Austens Figuren fühlen genau denselben Schmerz, denselben Kummer, dieselbe Liebe, dieselbe Freude wie wir heute. Denn im innersten Kern seinerselbst ist der Mensch schon immer gleich gewesen und wird es immer bleiben. Daran ändern auch 200 Jahre nichts.

Seid ihr zum selben Schluß gekommen wie ich? Was seht ihr gleich, was anders? Schreibt es in die Kommentare. Oder besser: Schickt mir einen Brief! ;-)

 

Kunst, Musik, Schreiben und Reisen sind die großen Leidenschaften von Weekend-Bloggerin Luna Levay. Die aus Bregenz stammende Schülerin begeistert sich für Sport und sammelt Schallplatten. Für weekend.at schreibt sie über ihre Erlebnisse und Eindrücke - auf Reisen wie daheim.

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