Hände weg vom Handy am Steuer

Gemeinsam mit einer Freundin machen wir eine Spritztour. Gut, wir fahren nur von Schönbrunn in die Wiener City, aber auch das genießen wir.



“Was machst denn?”, will sie wissen, als ich vor der Fahrt am Handy eine App starte. “Find’st leicht den Weg zu den Ringstraßengalerien nimmer ohne Navi?”
“GoSmart”, sage ich. Die App ist gestartet, wir können losfahren.

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GoSmart: Wer das Handy nicht nutzt, sammelt Punkte. Foto: Carmen Bischof

Autofahren muss sich endlich wieder lohnen

"Go was?" fragt sie nach. "Aber wir fahren doch."

"Davon hab ich dir schon einmal erzählt. Eine App, die dich dafür belohnt, dass du beim Fahren nicht mit dem Handy herumtust."

"Kann mich nimmer erinnern. Wie geht das noch einmal?"

Bevor ich antworten kann, muss ich mich konzentrieren. Ein kleiner weißer Lieferwagen hat es sehr eilig: Der Herr Installateur muss offensichtlich nicht nur auf der Schönbrunner Straße über zwei Spuren ganz nach links wechseln, damit er später am Gürtel richtig abbiegen kann, sondern gleichzeitig mit seinem Kunden am Telefon noch dringend etwas ausmachen. Wer die Wiener Handwerkerszene aus eigener leidvoller Erfahrung kennt, tippt darauf, dass er gerade erklärt, wieso er heute beim besten Willen nicht mehr vorbeischauen kann. Dass er daneben auch noch mit Rauchen beschäftigt ist, macht die Sache mit dem Spurhalten nicht unbedingt leichter.

"Um Blödsinn wie den hier zu vermeiden", sage ich genervt und lasse den Lieferwagen passieren. Mein Tag läuft besser, wenn der Kerl nicht mehr meine Wege kreuzt.

"So, jetzt geht’s, und ich kann mich konzentrieren. Also, GoSmart. Du installierst die App, startest sie vorm Wegfahren und greifst das Handy beim Fahren nicht mehr an. Solltest du sowieso nicht machen, siehe Lieferwagen."

"Also nur das tun, was der Gesetzgeber ohnehin von mir will", fasst sie zusammen.

"Genau, nur dass du dafür belohnt wirst, wenn du etwas richtig machst. Ansonsten bist du als braver Bürger ja immer nur der Depp, wenn du dich an alles hältst, was der Rest der Welt gnädig ignoriert."

"Klar, wir sind die Nettozahler der Nation.

"Hier wirst du nicht fürs Schlimmsein bestraft, sondern kriegst Punkte fürs Bravsein."

"Und die Punkte?"

"Tauscht du in nette kleine Geschenke um. Kaffee an der Autobahnraststätte, diverse Ermäßigungen, Cola, Marmelade."

Sie lacht. "Das erklärt die Armee von Coladosen in deinem Kühlschrank. Ich hab schon befürchtet, du hast einen Rückfall in deine Jugend und steigst wieder auf Cola-Rot um."

"Ich bin nicht lebensmüde, nur manchmal halt so müd', dass ich ein bisserl Koffein brauch'."

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Foto: Carmen Bischof

Mit den Punkten ist es mit den Wünschen: Sie vermehren sich munter

Der kleine Fiat Brava vor uns meint, unbedingt vor uns eine Vollbremsung hinlegen zu müssen. Der Möchtegern-Racer ist mir vorhin schon aufgefallen. Am Samstagmorgen halten sich meine Geschwindigkeitsambitionen in Grenzen. Bis wir unseren Shopping-Tag starten, kann nicht alles ausverkauft sein, also brauchen wir uns nicht hetzen. Trotzdem überholen wir den Brava jetzt lieber, damit wir ihn hinter uns haben. Beim Anblick des Fahrers ist alles klar.

"Noch so einer. Hörer am Ohr, Hirn aus."

"Telefoniert sicher mit der Mama, so wie der ausschaut", grinst sie vom Beifahrersitz.

"Lach' ihn nicht auch noch an, dann schafft er das mit dem Autofahren gar nimmer. Punkte sammelt der jedenfalls keine. Auf GoSmart nicht, und bei mir auch nicht."

"Braucht das eigentlich viel Strom?"

"Geht so. Seit iOS 11 frisst mein Handy sowieso mehr Strom."

"Aber es funktioniert?"

"Du hast das Cola-Lager gesehen."

"Also ja. Cool. Wär super, wenn man für die Punkte auch Strom für eine Schnellladung an der Tankstelle bekommen könnte. Oder Prosecco statt Cola. Oder gleich ein Bier."

"Dann kannst aber nicht mehr fahren."

"Dann fährst halt du. Taxigutscheine wären auch super", sinniert sie. "Oder ein Abendessen im Grand Ferdinand. Oder eine Fußmassage, wenn der rechte Fuß durchs Gasgeben erschöpft ist. Oder Eintritte in den Zoo, ich möcht' wieder einmal in den Zoo. Oder…"

"Ich hätt gern meine Jahreskarte 2018 im Schönbrunner Bad, alle 14 Tage eine Autowäsche und ein generelles Parkplatz-Abo überall dort, wo ich grad hinfahren will. Es mögen uns die Wünsche nie ausgehen", stimme ich in das Wunschkonzert ein.

"Und die Punkte auch nicht."

"Keine Sorge, so viel wie wir fahren, passiert das nie."

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Endlich fürs Autofahren belohnt werden Foto: Carmen Bischof

 

Carmen Bischof ist gebürtige Murauerin ("die Stadt mit dem besten Bier", betont sie!), beruflich und privat gerne auf Reisen, beruflich in Sachen Vertriebssteuerung für die Senzor Industries AB aus Schweden unterwegs und privat auf der Suche nach schönen Orten, gutem Bier und lässigen Aktivitäten.

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