Unterwegs nach Guglwald: Alte Liebe rostet nicht

Ein Ausflug nach Guglwald an die oberösterreichisch-tschechische Grenze regeneriert Fahrer und Auto.

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Guglwald tiefwinterlich Foto: Carmen Bischof

Der schwedische Liebste und ich feiern ein Jubiläum. Eigentlich ist es nicht nur ein Jubiläum, sondern etwas ganz Neues, Zweistelliges, Unbekanntes. Was tun? Damit die neuen Erlebnisse nicht überhandnehmen, entscheiden wir uns für etwas sehr Vertrautes. Ins Hotel Guglwald im malerischen Mühlviertel bin ich schon gefahren, da war ich noch Single.

Gottlob ist das wunderbare Haus für Mädelswochenenden ebenso gut geeignet wie für Zweisamkeit mit einem Mann. Daher gönnen wir uns alle paar Jahre einen Abstecher ins Wellness-Paradies, um die eingerosteten Knochen ins warme Wasser zu hängen.

Wellness unter Mädchen

Ohne eine oberösterreichische Freundin hätte ich anno 2005 vermutlich nicht die erste Fahrt nach Guglwald angetreten. Von Guglwald hatte ich noch nie gehört, und damals hätte ich mich auch schwer getan, das Mühlviertel auf einer Österreichkarte zu finden. Aber wenn die beste Freundin begeistert ist, ihre ausgezeichneten Fahrdienste anbietet und unter Garantie schnell hinfindet, dann nichts wie los.

Guglwald war Liebe auf den ersten Blick: ein zuckersüßes knallgelbes Schlösschen, in dem sie dich erstklassig massieren, dein sorgenfaltiges Gesicht wieder glattcremen, deinen Bauch mit wunderbarem Essen füllen. Was könnte besser sein?

Auch das Auto bekommt eine Dosis Wellness

Noch dazu war gleich die Anreise fantastisch. Eine unerschrockene Frau, die dringend wellnessen muss, holt mit ihrem Alfa 147 auf den kurvenreichen Straßen so viel Vergnügen heraus, dass man noch zwei Tage lang auf der Liege davon träumen kann.

Nach Guglwald führt eine Straße, die immer enger und kurviger wird, je weiter und höher man kommt. Mit zunehmender Entfernung von Linz entfernt steigt auch die Dichte an einheimischen Kennzeichen. Mit Menschen, die seit ihrer Kindheit jede Kurve kennen, teilt man sich die Straße gern, denn sie wissen haargenau, was sie tun. Der kleine Alfa schnurrt vor Vergnügen und streckt sich wie eine Katze.

Am Ende ist man fast in Böhmen, was mittlerweile dank Schengen kein Problem ist. Nicht einmal Roaming-Gebühren muss man mehr fürchten, wenn sich das Handy ins muskulöse tschechische statt ins schwächelnde österreichische Netz einwählt.

Knapp vor Weihnachten 2005 bin ich bei grauem Frost in Wien weggefahren, in Linz hat es genieselt. Guglwald war schon von Schnee überzuckert. Dann kamen weitere Schneeflocken. Draußen Schneetreiben, drinnen überall Weihnachtskekse. Man stellt das Auto ab und verschwindet für drei Tage, während denen es ununterbrochen schneit. Romantischer geht es nicht. Das einzige, was noch besser gewesen wäre: Anreise mit dem Beetle, dann hätten wir wenigstens ganz sicher gewusst, welches Auto wir ausschaufeln müssen.

Wellness unter Paaren

Das erste Mal Zuckerschlösschen mit Mann war ungefähr so wie die unvermeidliche Vorstellrunde bei den Eltern. Hoffentlich geht alles gut, hoffentlich fühlen wir uns alle miteinander wohl, hoffentlich …

"Sehr gelb", kommentiert der schwedische Liebste drei Jahre später, also 2008, zu Beginn seiner Guglwald-Karriere. "Komm", ziehe ich ihn schnell ins Haus. Zwei Begrüßungsgetränke, ein mehrgängiges Dinner und etliche Behandlungen später wird der Kommentar erweitert: "Sehr gelb, sehr schön." Vielleicht war der Kommentar auch länger, aber ich bin auf der Liege eingeschlafen.

Seither kommen wir immer wieder in die kuschelige gelbe Welt der Harmonie und des Wohlbefindens. So gestresst kann man gar nicht sein, dass man nicht nach einem halben Tag in Guglwald wieder an das Gute im Menschen glaubt. Ein winziges Fünkchen haben wir uns in den Alltag gerettet: Wann immer einer von uns erklärt, "Du, ich mach’ jetzt Guglwald", dann weiß der andere, es geht ins Bad zu einer privaten Schönheitsbehandlung, und nichts darf diese Ruhe stören.

Nächste Woche ist es wieder soweit. Ich freue mich schon aufs Kurvenräubern bei der Anreise und hoffe, dass ich beim Auslosen gewinne und fahren darf. Ob sie schon Weihnachtskekse gebacken haben?

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Guglwald tiefwinterlich Foto: Carmen Bischof

 

Carmen Bischof ist gebürtige Murauerin ("die Stadt mit dem besten Bier", betont sie!), beruflich und privat gerne auf Reisen, beruflich in Sachen Vertriebssteuerung für die Senzor Industries AB aus Schweden unterwegs und privat auf der Suche nach schönen Orten, gutem Bier und lässigen Aktivitäten.

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