Über Anis, Zimt, Kurkuma und Co.

Die Tage sind kürzer. Die Sonne kaum zu sehen. Unsere Stimmung ist oft mieser als im Sommer. Was liegt näher als mehr Gewürze in der Küche zu verwenden und bekömmliche Genussrezepte zu zaubern.

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Foto: Kons. Mag. Claudia Ortner
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Foto: Kons. Mag. Claudia Ortner

Adventszeit/Winterszeit -  Zeit des Glühweins, des Punsches, der Lebkuchen und Kekse !

Eines meiner Lieblingsthemen ist die Heilkraft der Gewürze; die ja gerade in der kalten Jahreszeit ein große Rolle spielen. Kein Punsch ohne Zimt und Nelken! Kein Glühwein, der nicht zumindest die vorher genannten sowie Sternanis oder Kardamon erhält. Und erst die vielen Kekse. Wer könnte sich einen Lebkuchen ohne diese exotischen Gewürze vorstellen?

Wie geht’s es euch im Umgang mit Gewürzen? Werden sie links liegen gelassen? Vergesst ihr darauf beim Kochen, so nach dem Motto "schnell etwas Salz und Pfeffer", aber für mehr bestehen weder Zeit noch Interesse? Oder seid Ihr ein Gewürz-Junkie, der/die immer und überall fleißig würzt?

Ich jedenfalls liebe den Duft und Geschmack von Kardamom, Zimt, Nelken, Ingwer, Vanille und Sternanis und Co. sehr. Ganz egal, in welcher Form. Sei es in den leckeren Nerven-Keksen nach Hildegard von Bingen, in Lebkuchen, im Punsch, in der neuerdings so beliebten Goldenen Milch oder auch in der Duftlampe.

Aber warum ist es gerade die Weihnachtszeit, während der wir vermehrt zu Getränken und Speisen greifen, die diese exotischen Gewürze enthalten? Und ist es nicht verwunderlich, dass wir in wärmeren Zeit weniger an diese denken, dafür aber mehr zu frischen Kräutern greifen? Ja! Einige werden schon vermuten, dass dies einfach auch mit den kürzeren Tagen zusammenhängen könnte. Im Herbst und Winter haben wir einfach weniger wohltuendes Sonnenlicht zur Verfügung. Außer der eine oder andere ist gerade irgendwo Sonnentanken in einer wärmeren und sonnigeren Erdregion. Aber dieses Glück haben wohl die wenigsten von uns.

Scheint die Sonne, erstrahlt unser Gemüt. Mangelt es uns an Wintertagen an Sonnenlicht, sinkt die Stimmung. Tageslicht unterdrückt nämlich den Abbau von Serotonin. Ein wichtiger Botenstoff, der für unsere gute Laune zuständig ist. Dieser Stoff wird auch hinaufgepuscht, wenn wir Zucker, Koffein oder das Theobromin im Kakao zu uns nehmen. Aber scheinbar reichen diese Stimmungsaufheller alleine in der kalten Jahreszeit nicht aus. Und die Menschen erkannten schon sehr früh, dass ihnen die Gewürze Zimt, Sternanis, Nelken usw. gerade im Winter sehr gut tun und diese stimmungsaufhellend wirken. Und sie haben sie daher vermehrt importiert, ja sogar Kriege ihretwegen geführt und neue Handelsrouten erschlossen, um an diese Schätze heranzukommen.

Um ein wenig konkreter zu werden: Es sind die vielen sekundären Pflanzenstoffe wie Allylbenzole in Zimt und Nelken, Propenylbenzole im Sternanis, das Anethol im Anis, die gemeinsam mit den Aminen z.B. aus dem Wein oder dem Ammonium aus dem Hirschhornsalz zu Amphetaminen reagieren. Und diese heben eben unter anderem unsere Stimmung.

Ein Grund mehr, sie zu genießen – in Maßen natürlich – nicht in Massen! Mein Artikel sollte für euch keine Entschuldigung für ungebremsten Lebkuchen- und Glühwein-Konsum darstellen, aber einfach aufzeigen, wie wichtig dieseexotischen Gewürze gerade jetzt sind. Aber nicht nur oben genannte sollten häufiger beim Kochen eingeplant werden.

Muskat ist ein Stimmungsaufheller, ebenso wie Chili. Dieser Scharfmacher wirkt auch erwärmend und desinfizierend. Galgant – ein sehr "altes" Gewürz, das schon die Heilige Hildegard von Bingen in ihren Werken lobenswert erwähnte, stärkt bei Verdauungsschwäche, fördert die Gallensaftsekretion, hilft bei Appetitlosigkeit und Magen-, sowie Herzbeschwerden. Kurkuma, der Gelbwurz, wird eine entgiftende und stärkende Wirkung, vor allem bei Gallen-, Magen- und Darmschwäche nachgesagt. Und viele Studien bestätigen Wirkung dieser Wurzel bei Krebsleiden. Anis, Dill, Fenchel und Kümmel wirken bei Blähungen; Anis und Fenchel sind auch schleimlösend, so dass man diese Gewürzsamen auch in vielen Hustentees findet. Und Zimt wird - wissenschaftlich nachgewiesen - eine zuckersenkende und antibakterielle Wirkung zugeschrieben.

Also viele Gründe, um mehr mit all diesen tollen Gewürzen Speisen und Getränke nicht nur zu verfeinern, sondern auch etwas fürs eigene Wohlbefinden zu tun. Keksrezepte gibt es zwar genug. Aber ein spezielles möchte ich hier dennoch vorstellen!

Nerven-Keks der Heiligen Hildegard von Bingen

(von dem es viele Abwandlungen gibt!. Meine Familie und ich finden, dass dieses hier das beste von allen ist):

  • 0,50 kg Dinkelmehl
  • 0,25 kg Butter
  • 0,15 kg Zucker
  • 2 Eier
  • 1 Pkg. Lebkuchengewürz
  • 1 TL Muskatnusspulver

Mehl, Zucker, Eier und Gewürze rasch zu einem Teig verarbeiten. Ca. 1 Stunde rasten lassen, auswalken, Formen ausstechen, oder noch einfacher, einfach kleine Quadrate oder Rauten schneiden, mit Ei bestreichen und bei 180 – 190 Grad Celsius backen!

Die sind voll lecker!!! Und ihr werdet merken, in stressigen Zeiten, greift ihr gerne und öfters in die Keksdose! Denn Muskat beruhigt die Nerven und wirkt ausgleichend. Zimt, Kardamon usw. aus dem Lebkuchengewürz heben die Stimmung.

Was ich Euch heute auch noch vorstellen möchte, sind zwei exotische Getränke, die in den letzten Jahren auch vermehrt bei uns Einzug gehalten haben.

Erstens ist es die Goldene Milch - von manchen Firmen auch als Curcuma Latte bezeichnet, zweitens der indische Gewürztee, auch Indian Chai genannt. Bei beiden Getränken variiert die Art der Zubereitung. Lasst Euch dadurch nicht verwirren. Bei diesen Gewürzmischungen ist es wie mit dem Curry-Pulver, das ja auch eine Mischung aus vielerlei einzelnen Gewürzen (Kurkuma, Ingwer, Curry-Blätter, Knoblauchpulver, Piment usw. auch je nach Region verschieden!!!). Von dem gibt es eine schier unglaubliche Fülle an Variationen. In Indien hat fast jeder Haushalt seine eigene Mischung. Ich sage zu meinen Kursteilnehmern/innen immer, sie sollen sich nicht an den Gramm-Angaben und Zutaten ihrer Rezepte festklammern. Mut und Phantasie bzw. der Vorrat, den man zuhause hat und natürlich auch die persönlichen Vorlieben sollten den Koch/die Köchin leiten. Daher sind meine Angaben hier relativ!

Goldene Milch = Curkuma Latte

Original Rezept:

  • 350 ml Mandelmilch oder eine andere Pflanzenmilch ohne Zuckerzusatz
  • 150 ml Wasser
  • 2 TL Kurkuma  oder 2 -3 cm frische Kurkumawurzel
  • 1 Stück Ingwer - daumengroß
  • frisch aufgeriebene Muskatnuss
  • 1-2 EL Honig, Agavendicksaft oder Ahornsirup (evt. auch Rohrzucker oder normaler Zucker)
  • etwas schwarzer Pfeffer - frisch gemahlen
  • 1 Stange od. 1 Messerspitze gemahlener Zimt
  • 1 TL natives Mandel-, Kokos- oder Walnussöl

Wasser mit Kurkumapulver in einem Topf unter ständigem Rühren erhitzen, bis es eindickt. Geschälten Ingwer reiben und mit frisch geriebenem Pfeffer und Muskat dem Kurkumawasser hinzufügen und so lang köcheln lassen, bis eine duftende Paste entsteht. Das dauert etwa 8-10 Minuten. Die Milch erhitzen und die Kurkuma-Paste mit einem Schneebesen einrühren. Nun je nach Geschmack den Honig (ist aber echt nicht nötig), eine Prise Zimt und das Öl hinzufügen. Kurz aufkochen, zurückdrehen und bei geringer Hitze ca. 1 Minute köcheln lassen. Dabei immer rühren. Mit einer Prise Zimt bestreut servieren.

Klingt aufwendig, geht auch einfacher. Ich lasse meistens die Sache mit der Paste weg und koche einfach die Gewürze in mehr Milch ohne dem angegebenen Wasser auf. Als Gewürzvarianten kann man statt Muskat Chili, Chayennepulver etwas Paprika und/oder Kardamon ausprobieren. Findet heraus, mit welcher Gewürzmischung euch die Goldene Milch am besten schmeckt!

In der ayurvedischen Lehre wird die “Goldene Milch” schon seit Jahrhunderten als besonders heilendes, anregendes und reinigendes Getränk geschätzt. Goldene Milch wirkt stark entzündungshemmend. Darüber hinaus stärkt sie das Immunsystem und regt die Leberfunktion an, unterstützt den Körper also bei der Reinigung und wirkt antioxidativ. Viele Gründe, um sie jetzt zu trinken. Probiert sie aus. Sie schmeckt lecker am Abend, aber ist auch statt eines Frühstückes gut geeignet und hält unglaublich lange an. Ihr werdet diesen Genuss bald sehr zu schätzen wissen! 

Indian CHAI – Masala Chai – Indischer Gewürztee

  • 2 kleine Stangen Zimt (ca. 2-3 cm)
  • 4 Nelken
  • 4-12 grüne Kardamom-Kapseln (frisch zerstoßen oder 1/4 TL gemahlener Kardamom
  • ungefähr 2x2x2 cm frischer Ingwer - gerieben (oder 1/3 TL getrockneter gemahlener Ingwer)
  • weitere empfohlene Gewürze: 4 ganze schwarze Pfefferkörner, 1 Stern-Anis, 1/3 TL Fenchel oder Anis-Samen, 2 Lorbeerblätter (wobei die Menge der Gewürze individuell variiert werden kann!!!)
  • 720 ml Wasser
  • 3 Teebeutel schwarzer Tee
  • 120 ml Milch
  • 4 TL brauner Zucker
  • 1 Prise feines Salz

Einen mittelgroßen Topf mit Wasser füllen und die Gewürze zugeben. Das Wasser samt den Gewürzen zum Kochen bringen und 10 Minuten bei geringer Hitze köcheln lassen. Milch, Salz und Zucker zugeben und nochmals erhitzen, bis der Tee beinahe zu kochen beginnt. Gelegentlich umrühren. Schwarztee zugeben, den Topf zudecken, Platte ausschalten und den Tee 3 - 10 Minuten ziehen lassen. Den Tee durch ein Sieb in eine Kanne oder einzelne Tassen leeren.

Meine Jungs trinken den Tee lieber ohne den Schwarztee, dafür mit einer Extraportion Milch oder Milchschaum. Manche Menschen bevorzugen auch einen Schuss Schlagobers.

Die exotische Gewürzmischung dieses Tees schmeckt nicht nur ganz vorzüglich, sie wärmt auch den Körper und wirkt aufgrund ihrer Zutaten wohltuend. Die enthaltenen Gewürznelken etwa sind schmerzstillend und desinfizierend, Fenchel und Anis wirken entblähend, Ingwer verdauungsfördernd und löst dabei Magenkrämpfe. Zimt ist ein gutes Mittel zur Entgiftung und schafft Frische, stärkt das Gewebe. Zimt, Kardamon, Ingwer und Nelken werden zusammen als Tee auch bei Husten und zur Verdauungsförderung angewandt.

Ich wünsche euch lieben Weekend-LeserInnen viel Freude beim Experimentieren.

Und eine Bitte habe ich  noch zum Schluß: Verwendet gute Gewürze. Sie sollten bio und fair gehandelt sein! Seit Anbeginn des Gewürzhandels wurden die Menschen in den Anbauländern ausgebeutet. Schließen wir heute im 21. Jahrhundert endlich dieses üble Kapitel der Geschichte. Gewürze aus dem fairen Handel gibt es schon von vielen Firmen. Und wenn sie auch noch bio sind, dankt es euch sowohl euer Körper als auch die Umwelt und die Menschen im Erzeugerland, weil sie nicht mit künstlichem Dünger und Unkraut- und Schädlingsvernichtungsmitteln in Berührung kommen müssen.

 

Die Kraft der Natur zu nutzen, um mit sich und der Umwelt ins Reine zu kommen, ist Weekend-Bloggerin Claudia Ortner ein besonderes Anliegen. Auf weekend.at gibt die Oberösterreicherin Tipps, damit ein Leben im Namen der Nachhaltigkeit besser gelingt.

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